Studie: Kleine Bauernhöfe vor dem Aus

  • Deutschlands bäuerliche Kleinbetriebe sind in größter Not.
  • Das ist das Ergebnis einer Studie der DZ Bank AG, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.
  • Danach sei zu befürchten, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe bis 2040 von heute 267.000 auf 100.000 sinken werde.
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Deutschlands bäuerliche Kleinbetriebe sind in größter Not: Das ist das Ergebnis einer Studie der DZ Bank AG, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Danach sei zu befürchten, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe bis 2040 von heute 267.000 auf 100.000 sinken werde. Auch die Zahl der Arbeitsplätze werde drastisch abnehmen.

Besonders gefährdet seien kleine Familienbetriebe. Es sei zu befürchten, dass sie perspektivisch ganz vom Markt verschwänden – oder, um es mit der Studie etwas diplomatischer zu formulieren: “Langfristig dürfte der Wandel eine neue Stufe erreichen, in der der Abschied vom traditionellen Wirtschaftsmodell der deutschen Landwirtschaft – dem (klein)bäuerlichen Familienbetrieb – eingeläutet wird.”

Hauptursache für diese Entwicklung seien die zunehmende Digitalisierung der Landwirtschaft, etwa bei der Schädlingsbekämpfung, und die verschärften Regulierungsmaßnahmen für Umwelt- und Tierschutz. In deren Folge seien auch höhere Ausgaben und eine größere berufliche Spezialisierung notwendig, bei der die familiären Kleinbetriebe auf lange Sicht nicht mithalten könnten. Doch nicht nur die Konzentration auf größere Betriebe setzt den kleinen Höfen zu – auch die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten ist laut der Studie problematisch für Kleinbetriebe.

Anteil der Biobetriebe wird auf 45 Prozent steigen

Von den veränderten Ernährungsgewohnheiten wiederum profitieren Biobauern. Mittlerweile liegt der Umsatz mit biologischen Lebensmitteln über der Grenze von 10 Milliarden Euro. Und die Branche wächst – in den Jahren 2017 und 2018 um jeweils rund 5 Prozent. Bis 2040, so prognostiziert es die Studie der DZ Bank, werde der Gesamtanteil biologischer Betriebe an der deutschen Agrarwirtschaft bei 45 Prozent liegen. Doch viele Kleinbetriebe können sich die aufwendigere und somit wesentlich teurere Bioerzeugung von pflanzlichen und tierischen Produkten nicht leisten. Der Gesamtschwund an bäuerlichen Betrieben in Deutschland jedoch wird von der Studie als dramatisch eingeschätzt. Wenn 2040 die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf 100.000 gesunken sein wird, wird das naturgemäß auch extreme Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze haben.

Waren 1991 noch knapp 1,9 Millionen Menschen auf dem Agrarsektor tätig, so waren es bei der letzten exakten Bestandsaufnahme im Jahr 2016 nur noch 653.700. Für 2040 prognostiziert die Studie eine Gesamtmitarbeiterzahl von nur noch 325.000. Das würde einen Arbeitsplatzschwund von 82,7 Prozent in 50 Jahren bedeuten. Diese 17,3 Prozent der ursprünglichen Arbeitsplätze werden sich, auch das prognostiziert die Studie, großenteils in Großbetrieben finden. “Bei einer weitgehend unveränderten landwirtschaftlichen Gesamtnutzfläche steigt damit die durchschnittliche Betriebsgröße im gleichen Zeitraum von derzeit 62,4 Hektar je Betrieb auf rund 160 Hektar. Damit nähert sich die deutsche Landwirtschaft allmählich Betriebsgrößen an, wie sie bei Farmbetrieben in den USA heute bereits üblich sind.” 2018 waren es durchschnittlich 179 Hektar.

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Zukunftsprognose dennoch positiv

Was zunächst wie ein Abgesang aufs deutsche Agrarwesen klingt, bietet perspektivisch allerdings auch Chancen. So zumindest sieht es die Studie. Der Ökonom Michael Stappel, Volkswirt der DZ Bank, zieht in der Studie folgendes Fazit: “Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauern langfristig zu sichern, sollten Umwelt- und Klimaauflagen möglichst international, aber zumindest EU-weit durchgesetzt werden. Finanzielle Belastungen wegen Umwelt- und Klimaschutz könnten durch eine neue Ausrichtung der EU-Agrarpolitik abgefedert werden. Wenn sich die Betriebe dann noch den Herausforderungen durch eine gute Aus- und Weiterbildung sowie durch eine entsprechende Investitionstätigkeit stellen, dürfte sich die Landwirtschaft in Deutschland zu einer hochmodernen, wettbewerbsfähigen Branche entwickeln.”