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Studierende leiden in Deutschland finanziell doppelt unter Corona

  • Studierende belastet die Corona-Krise doppelt: Viele haben weniger Einkommen, gleichzeitig steigt der Druck auf dem Wohnungsmarkt.
  • Denn offenbar drängen Menschen, die wegen Corona Einkommenseinbußen haben, in sonst eher studentischen Wohnraum.
  • Das geht aus einer Studie des Finanzdienstleisters MLP hervor. Der mahnt mehr Unterstützung für die Akademiker von morgen an.
Luisa Wellenbrock
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Wiesloch/Köln. Die Corona-Pandemie belastet Studierende finanziell gleich doppelt: Sie führt zu erneut steigenden Mieten bei einer oftmals deutlich schlechteren Einkommenssituation. An 29 von 30 Hochschulstandorten sind die durchschnittlichen Mieten im zweiten Quartal 2020 angestiegen. Dies ist das zentrale Ergebnis des MLP Studentenwohnreports 2020.

Dabei hat der Finanzdienstleister MLP durchaus einen Rückgang der Nachfrage nach studentischen Wohnungen registriert, weil wegen des Onlinesemesters offenbar weniger Studierende in Universitätsstädte gezogen sind. Trotzdem seien die Mieten gestiegen, denn möglicherweise drängen mehr Berufstätige in Wohnungen, die sonst von Studierenden genutzt werden.

“Eine Erklärung für den coronabedingten Wiederanstieg ist, dass die durch das Onlinesemester entstandene Nachfragelücke nun von anderen Mietergruppen geschlossen wurde – insbesondere von Haushalten, die ohne die Corona-Auswirkungen auf ihre Einkommenssituation sonst eher andere Wohnungen nachfragen”, sagt Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienexperte am an der Erhebung beteiligten Institut für Wirtschaft (IW) in Köln.

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München ist der teuerste Hochschulstandort für Studierende

Die Folge: Die Mieten steigen, in München etwa haben sie im Schnitt um rund 24 Euro auf 724 Euro für eine Musterwohnung zugelegt. Auf Platz zwei der teuersten Universitätsstädte liegt Stuttgart mit 562 Euro, Platz drei belegt Freiburg mit 550 Euro Miete für eine studentische Musterwohnung, und in Frankfurt und Heidelberg zahlt man immer noch satte 508 Euro. Auf der anderen Seite findet man natürlich auch günstige Standorte. Beispielsweise lebt es sich in Magdeburg und Leipzig mit 245 und 275 Euro Miete deutlich günstiger.

Der bundesweite Durchschnitt liegt jedoch bei einer Erhöhung von 6 Euro auf 430 Euro für eine Musterwohnung. 2019 ging der Trend laut MLP noch in eine andere Richtung. Die Mieten stagnierten, seien tendenziell sogar gesunken.

Corona führte häufig zum Verlust studentischer Nebenjobs

Die finanzielle Lage wird für Studierende umso brenzliger, wenn mit der Mieterhöhung auch der Verlust des Nebenjobs einhergeht. Diesen haben verschiedenen Studien zufolge mehr als ein Drittel der Studierenden in der Zeit des Corona-Lockdowns verloren. Den zuletzt registrierten Anstiegen bei studentischen Einkommen hat das MLP zufolge ein Ende bereitet, im Schnitt liege das Median-Budget weiterhin bei etwa 1000 Euro pro Monat.

Außerdem brisant: An fast keinem der Hochschulstandorte in Deutschland reicht der Bafög-Wohnzuschlag für die Miete einer studentischen Musterwohnung aus, wie es in der Studie heißt. Und auch an den Corona-Hilfen gibt es Kritik: Die staatlichen Gelder für Studierende kämen mitunter nur temporär an und reichten längst nicht immer aus.

“Durch Corona sind die Aussichten der Studierenden am Wohnungsmarkt noch schlechter geworden. Die bereitgestellten Notfallunterstützungen waren zwar wichtig, aber gleichzeitig nur ein Rettungsboot für kurze Strecken – und eines in dem längst nicht jeder Platz gefunden hat”, sagt Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender vom Finanzdienstleister MLP. “Wir brauchen dringend deutlich mehr Investitionen in unseren akademischen Nachwuchs – in Krisenzeiten und darüber hinaus. Denn letztendlich hängt die Wettbewerbsfähigkeit und damit der Wohlstand Deutschlands maßgeblich davon ab, dass wir unser akademisches Potenzial erfolgreich nutzen.”

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Studierende fordern Unterstützung in Corona-Krise
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In Bonn kritisieren Studenten die zuständige Bundesministerin, weil sie keine finanzielle Unterstützung in der Corona-Krise bekommen.  © Reuters
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Heidelberg, Jena und München weisen bundesweit höchste Dichte an Akademikern auf

Die Lage am Wohnungsmarkt sieht für Studierende erst mit Einstieg in das Berufsleben besser aus – dies geht aus einer Sonderauswertung des diesjährigen MLP Studentenwohnreports hervor: Akademiker weisen schon als unter 30-Jährige mit durchschnittlich 7,65 von 10 möglichen Punkten eine hohe Wohnzufriedenheit auf.

Hintergrund ist, dass sich ihr Einkommen deutlich dynamischer entwickelt als das von jungen Menschen ohne akademische Ausbildung. Eine Auffälligkeit ist auch am Umzugsverhalten junger Akademiker zu erkennen: Viele Junge bleiben auch nach ihrem Abschluss in den Großstädten wohnen. Angesichts dessen weisen Heidelberg mit 42,9 Prozent, Jena mit 38,4 Prozent und München mit 35,7 Prozent die bundesweit höchsten Akademikerdichten auf.

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