Stromnetzgebühren erreichen 2021 neue Rekorde

  • Die Stromnetzgebühren steigen im nächsten Jahr auf ein Rekordniveau.
  • Viele Haushalte müssen deshalb mit steigenden Ausgaben für die elektrische Energie rechnen – besonders heftig fallen die Aufschläge in Berlin und im Südwesten der Republik aus.
  • Dies geht aus Berechnungen des Vergleichsportals Verivox hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegen.
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Im Jahr 2021 ist mit einem neuen Preisrekord bei den Stromnetzgebühren zu rechnen. Das bedeutet für etliche Haushalte, dass der Strom teurer werden wird. Besonders deutlich werden die Steigerungen in Berlin und in Südwestdeutschland sein. Dies ergeben Berechnungen des Vergleichsportals Verivox, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegen.

Ein Haushalt, der pro Jahr 4000 Kilowattstunden verbraucht, muss demnach 2021 durchschnittlich 292 Euro netto (ohne Mehrwertsteuer) für die Durchleitung des Stroms bezahlen. Das sind noch einmal etwa 3 Euro mehr als in diesem Jahr. Zuletzt wurde heftig über das hohe Niveau der hiesigen Strompreise diskutiert.

In Berlin wird die Netznutzung um 9 Prozent teurer

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Regional sind die Unterschiede stark. Den stärksten Preisanstieg mit 9 Prozent wird es in der Hauptstadt geben. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz schlagen 7 und 5 Prozent mehr für die Verbraucher zu Buche – Verivox hat die Entgelte aufgrund der aktuellen Veröffentlichungen der Netzbetreiber berechnet. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen würden die Entgelte leicht sinken; dabei handelt es sich allerdings jeweils um Durchschnittswerte. Es kann also auch dort Erhöhungen geben. Die zulässigen Gebühren werden von der Bundesnetzagentur für jeden der mehr als 800 regionalen Netzbetreiber separat genehmigt. Maßgeblich sind Kosten, die die Unternehmen – zumeist Stadtwerke – für die Unterhaltung und den Ausbau der Infrastruktur aufwenden müssen.

In jeder Region gibt es immer nur einen Betreiber. Das Niveau der Entgelte ist im Norden der Republik besonders hoch. Spitzenreiter ist laut Verivox auch 2021 wieder Schleswig-Holstein mit jährlichen Kosten von rund 383 Euro bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden. Dies hat auch damit zu tun, dass wegen des Ausbaus der Windenergie hohe Investitionen in die Netze notwendig waren.

Netzentgelte schon 2020 im Schnitt 6 Prozent teurer als 2019

In diesem Jahr sind die Netzentgelte im Bundesdurchschnitt bereits um 6 Prozent gestiegen. Der geringere Aufschlag für 2021 sei deshalb zwar eine gute Nachricht, so der Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. „Dennoch kostet das Stromnetz die privaten Verbraucher mehr als jemals zuvor“, fügt er hinzu. Seit 2010 sind die Entgelte in jedem Jahr gestiegen. Der Anstieg liege insgesamt bei 30 Prozent. Die Netzgebühren sind seit geraumer Zeit umstritten. Experten haben der Bundesnetzagentur immer wieder Intransparenz bei der Festsetzung der zulässigen Entgelte vorgeworfen. Sie sind inzwischen zum größten Einzelposten der Stromrechnung geworden.

Nach aktuellen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) machten sie im ersten Halbjahr 2020 im Schnitt rund 28 Prozent des Strompreises aus, der für private Haushalte bei knapp 32 Cent pro Kilowattstunde lag – das waren 6,8 Prozent mehr als im zweiten Semester 2019. Die hiesigen Strompreise für Haushalte zählen zu den höchsten weltweit. Wobei für die Energieerzeugung und den Vertrieb nur 6,6 Cent anfallen. Steuern, Abgaben und Umlagen machen hingegen stolze 16,4 Cent aus.

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Auswirkung auf Strompreise noch nicht geklärt

Wie sich die Strompreise im kommenden Jahr im Detail verändern, ist derzeit noch nicht klar. Stadtwerke und andere Versorger haben noch bis Mitte November Zeit, um ihre Kunden über die neuen Preise zu informieren. Verivox-Experte Storck rechnet damit, dass in Gebieten mit stark steigenden Netzgebühren die Endpreise ebenfalls in die Höhe gehen werden. Anderswo würden die Tarife „voraussichtlich auf hohem Niveau stagnieren“. Hintergrund: Die Bundesregierung hat im Zuge ihrer Konjunkturprogramme beschlossen, einen anderen wichtigen Posten fürs nächste Jahr einzufrieren, nämlich die EEG-Umlage, die den Ausbau der Erneuerbaren finanziert. Sie wird 6,5 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das sind 0,25 Cent weniger als in diesem Jahr.

Für die Kalkulationen der örtlichen Versorger kommt aber noch eine Reihe weiterer Faktoren ins Spiel. Ein Element ist die Beschaffungsstrategie der Unternehmen. In der Regel kaufen sie den Strom mit gestaffelten Lieferverträgen ein. Ein Teil des Bedarfs wird mit langfristigen Kontrakten gedeckt. Ein anderer Teil wird kurzfristig an den Börsen eingekauft. Aber auch die Konkurrenzsituation und die Kundenstruktur spielen eine große Rolle: Stromkunden haben bei Preiserhöhungen zwar immer ein Sonderkündigungsrecht. Ältere Menschen sind beim Wechsel des Stromanbieters aber eher vorsichtig. Hinzu kommt, dass Stadtwerke vielfach hohe Einnahmen im Stromgeschäft benötigen, um andere Angebote wie etwa den öffentlichen Personennahverkehr zu subventionieren.

Klimaschützer und Energieunternehmen fordern, Strom von den hohen Steuern und Abgaben zu entlasten, um ihn deutlich billiger machen zu können. Das soll dabei helfen, den Einsatz von Benzin und Diesel, Heizöl und Gas zurückzudrängen und Elektroautos und Wärmepumpen attraktiver machen. Die Denkfabrik Agora Energiewende hat am Donnerstag eine Studie vorgelegt, der zufolge 2030 rund 14 Millionen E-Pkw auf den Straßen unterwegs sein müssten und die Zahl der installierten Wärmepumpen auf sechs Millionen (2018: eine Million) steigen müsste, um die Klimaziele in zehn Jahren zu erreichen.

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