Streiks bei Amazon: Verdi muss weiterkämpfen

  • Während der Corona-Krise verdient Amazon gut – doch die Bezahlung in Deutschland lässt weiterhin zu wünschen übrig.
  • RND-Redakteur Frank Wenzel ärgert das – er hofft, dass Verdi weiterkämpft.
  • Schließlich droht sonst ein Dammbruch in der deutschen Tariflandschaft.
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Die Amazon-Arbeiter streiken wieder. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern seit sieben Jahren. Wie kann ein Tarifkonflikt derart biblische Ausmaße annehmen? Das geht, wenn auf der einen Seite der Arbeitgeber nicht hinreichend unter Druck gesetzt werden kann. Bei Amazon ist das der Fall.

So ist der Organisationsgrad in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi relativ gering. Das Unternehmen kann deshalb – und auch wegen einer intelligenten Logistik – die Auslieferungen der Waren einigermaßen gewährleisten. Zum anderen siedelt der Konzern seine großen Lagerhallen bevorzugt in strukturschwachen Regionen an.

Insbesondere für Frauen und Männer mit geringer Qualifikation gibt es vor Ort häufig nur wenig Arbeitsplatzalternativen. Deshalb akzeptieren sie Jobs, die unter den Tariflöhnen liegen, die ihnen eigentlich zustehen. Die Amazon-Strategen haben das alles präzise durchkalkuliert. Es wird so viel bezahlt, wie gerade notwendig ist, um ausreichend Beschäftigte zu bekommen. Und die Beschäftigten werden am Arbeitsplatz gerade so gut vor einer Corona-Ansteckung geschützt wie die behördlichen Bestimmungen es vorschreiben.

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Aktionäre mögen Amazon

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Genau diese Optimierung schätzen die Aktionäre an Amazon, auch deshalb ist der US-Konzern zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Wobei eine Bezahlung nach dem Einzel- und Versandhandelstarif die Gewinne im hiesigen Onlinegeschäft nur minimal drücken würde.

Und genau wegen dieser Konstellation hält Verdi dagegen. Das Unternehmen, das weltweit den Einzelhandel revolutioniert hat und im besonderen Maß von Corona profitiert, darf kein Vorbild werden. Das wäre insbesondere im Einzelhandel, wo Gewerkschafter häufig genug einen schweren Stand haben, ein Dammbruch. Lohndrückerei allenthalben könnte drohen. Verdi muss weiterkämpfen.

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