Streiks bei der Bahn: Wie ein Notfallfahrplan entsteht

  • Kurze Zeit nach der Streikankündigung der GDL hatte die Bahn bereits die ersten Ersatzfahrpläne veröffentlicht.
  • Der Staatskonzern plant mit beamteten Zugführerinnen und Zugführern und Erfahrungswerten aus anderen Streiks.
  • 25 Prozent der Züge, vor allem auf den meist befahrenen Strecken, sollen trotzdem fahren.
Lena Köpsell
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Berlin. Am Dienstag um 11 Uhr verkündete Claus Weselsky, dass die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) streiken werden. Um 15 Uhr standen die Ersatzfahrpläne für den Fernverkehr bereits fest. 25 Prozent der Züge sollen während des zweitägigen Streiks weiter fahren. Aber wie entsteht eigentlich so ein Ersatzfahrplan?

860 Fernzüge und bis zu 21.000 Regionalzüge und S-Bahnen müssen im Streikfall je nach aktueller Verfügbarkeit von Personal und Fahrzeugen neu geplant werden. „Unser Fahrplan ist sozusagen konservativ geplant. Das heißt unser Ziel ist es, den reduzierten Fahrplan verlässlich zu fahren”, sagte ein Bahnsprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Man plane so, dass auch bei Nichterscheinen der Lokführerin oder des Lokführers auf eine Reserve zurückgegriffen werden kann.

Worauf die Bahn beim Fahrplan achten muss

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Beim Planen des Notfallplans gibt es einige Herausforderung. Zum Beispiel kann nicht jede Lokführerin oder jeder Lokführer auf jeder beliebigen Strecke und in jedem beliebigen Zug eingesetzt werden. „Einen Lokführer, der normalerweise immer die Strecke Köln-Berlin fährt, kann man nicht einfach auf der Strecke Leipzig-Berlin einsetzen”, sagte der Bahnsprecher weiter. Lokführerinnen und Lokführer müssten über eine sogenannte Streckenkenntnis verfügen sowie über eine Erlaubnis, einen speziellen Zugtyp fahren zu dürfen.

Ziel der Bahn ist es, trotz Streiks im Fernverkehr mindestens ein Viertel der Verbindungen auf den meistgenutzten Strecken anzubieten, etwa zwischen Berlin und Köln oder Köln und Frankfurt am Main. Auf den wichtigsten Achsen sollen die Züge im Zweistundentakt fahren. „Im Nahverkehr versuchen wir vor allem, den Schul- und Berufsverkehr abzudecken, aber auch wichtige Bahnhöfe oder Flughäfen anzubinden„, erklärt der Bahnsprecher.

„Erst am Morgen weiß man, wer sich streikend meldet und wer nicht”

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Bei der S-Bahn in Berlin sei wichtig, dass die sogenannten „Außenäste” angebunden werden und hier Züge im 20-Minuten-Takt fahren, damit Pendlerinnen und Pendler zur Arbeit kommen. Dafür fahren weniger Bahnen im Innenstadtbereich, weil es hier die Möglichkeit gibt, auf das Angebot der BVG umzusteigen.

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Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen will die GDL bundesweit den Personen- und Güterverkehr noch bis Freitagfrüh bestreiken.  © Reuters
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Bevor die Ersatzfahrpläne entstehen, müssen die Planerinnen und Planer sich erst einmal einen Überblick darüber verschaffen, mit welchen Beschäftigten sie am Streiktag rechnen können. „Ganz genau weiß man das natürlich erst am Morgen, wer sich streikend meldet und wer nicht”, so der Konzernsprecher. Die Bahn dürfe natürlich nicht abfragen, ob und welches Gewerkschaftsbuch jemand habe. Aber man könne mit Erfahrungswerten aus vorangegangenen Streiks planen. Und mit den beamteten Lokführerinnen und Lokführern, denn die dürfen nicht streiken.

Unterschied zwischen Ost und West

Insgesamt sind von den knapp 19.500 Lokführerinnen und Lokführern bei der Bahn rund 3170 verbeamtet. Aufgrund der Geschichte der ehemaligen Bundesbahn gibt es nur in den westlichen Bundesländern verbeamtete Lokführerinnen und Lokführer.

Das hat vor allem Auswirkungen auf den Regionalverkehr. „In den östlichen Bundesländern gibt es keine beamteten Lokführer, das heißt, hier muss mit einer viel geringeren Basis geplant werden. Hinzu kommt, dass hier der Organisationsgrad der GDL höher ist. Deshalb hat man hier insgesamt ein geringeres Angebot als in westlichen Bundesländern”, heißt es dazu von der Deutschen Bahn.

Wie viele Lokführerinnen und Lokführer derzeit tatsächlich streiken, kann die GDL nicht genau sagen. „Die ersten Rückmeldungen lassen darauf schließen, dass wir eine sehr hohe Streikbeteiligung haben. 95 Prozent unserer Mitglieder stimmten für den Streik. Aber wir können natürlich nicht ausschließen, dass jemand zustimmt und dann trotzdem fährt”, sagte GDL-Pressesprecherin Gerda Seibert dem RND.

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