Tarifstreit im Onlinehandel: Amazon-Beschäftigte streiken am Prime Day

  • Am Prime Day lockt Onlinehändler Amazon Kunden mit vergünstigten Angeboten.
  • Zwei Tage lang werden vor allem technische Produkte rabattiert.
  • Zum Start der Aktion hat die Gewerkschaft Verdi Mitarbeiter der bundesweiten Versandzentren zu Streiks aufgerufen.
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Die vereinte Dienstleistungsgesellschaft Verdi hat Amazon-Beschäftigte für zwei Tage zum Streik aufgerufen. An verschiedenen Standorten, darunter Leipzig, Bad Hersfeld, Rheinberg und Koblenz, haben Mitarbeiter des Onlinehändlers mit Beginn der Frühschicht ihre Arbeit niedergelegt. Insgesamt sind sechs Versandzentren betroffen. Wegen der Corona-Pandemie sind jedoch keine größeren Versammlungen geplant. Der Streik findet parallel zur Rabattaktion Prime Day statt. Am 13. und 14. Oktober bietet Amazon Kunden der Prime-Dienste Waren zu vergünstigten Preisen an.

„Die Beschäftigten legen seit Beginn der Corona-Pandemie Höchstleistungen an den Tag, oft ohne hinreichenden Schutz“, wird Orhan Akman, Verdi-Fachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel, in einer Mitteilung zitiert. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Corona-Zulage in Höhe von 2 Euro pro Stunde nach drei Monaten wieder abgeschafft wurde, während CEO Jeff Bezos „Milliarden verdient“. Verdi fordert nun, dass der Zuschuss dauerhaft gezahlt werde. „Die Schnäppchenjagd muss beim Gehalt aufhören“, so Akman.

Amazon: „Die Pakete kommen pünktlich“

Im September hatte Amazon seinen Beschäftigten in Deutschland eine Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent zugesagt. Dies sei laut Verdi aber nicht genug. Es gebe nach wie vor eine Lücke bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld, so Akman.

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Während die Streikleiter von Verzögerungen ausgehen, befürchtet das Unternehmen selbst keine Auswirkungen auf das Geschäft und auf die Bestellungen des Prime Days. „Die Pakete kommen pünktlich zu den Kunden“, teilte das Unternehmen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit.

In Deutschland beschäftigt Amazon derzeit rund 20.000 Mitarbeiter und betreibt 15 Logistikzentren und zehn Verteilzentren. Im Geschäftsjahr 2019 belief sich der Gesamtgewinn auf etwa 11,6 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen gilt als großer Profiteur der Corona-Pandemie. Während des Lockdowns bestellten viele Kunden ihre Waren online, der Umsatz stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar und auch der Gewinn hat sich verdoppelt.

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Tarifkonflikt schwelt seit sieben Jahren

Bisher werden Amazon-Beschäftigte nicht tariflich bezahlt. Seit mehr als sieben Jahren streikt Verdi für die Anerkennung des Flächentarifvertrages des Einzel- und Versandhandels durch Amazon Deutschland. Das Unternehmen lehnte dies in der Vergangenheit vehement ab und berief sich darauf, ein Logistikunternehmen zu sein. Der Onlinehändler orientiert sich daher an dem Flächentarifvertrag für die Logistikbranche, in der deutlich weniger gezahlt wird. Amazon sprach gegenüber Reuters von „exzellenten Löhnen“. „Das Lohnpaket samt der Zusatzleistungen und unsere Arbeitsbedingungen besteht auch im Vergleich mit anderen wichtigen Arbeitgebern“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur.

Bereits im Juni hatte Amazon zu bundesweiten Streiks aufgerufen. Damals stand neben der Bezahlung auch der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter in der Kritik. Die Gewerkschaft Verdi warf Amazon vor, zu wenig gegen mögliche Ansteckungen in den Standorten zu unternehmen. An den Standorten Winsen und Bad Hersfeld war es im Frühjahr zu Corona-Ausbrüchen gekommen.

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