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  • Steuerpauschale für Homeoffice: Welche Kosten entstehen durch Strom und Heizung, welche Entlastungen sind nötig?

Debatte um Steuerpauschale: Wie teuer ist Homeoffice wirklich?

  • Seit Monaten arbeiten Millionen Arbeitnehmer im Homeoffice – und müssen sich auf höhere Strom- und Heizkosten einstellen.
  • Die große Koalition plant deshalb Entlastungen, eine Steuerpauschale soll es richten.
  • Wer nachrechnet, stellt allerdings fest, dass die zusätzlichen Belastungen für Beschäftigte nicht allzu groß sind.
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Es klingt im ersten Moment gerecht: Wer morgens im Homeoffice den Computer startet und die Heizung aufdreht, hat mehr Kosten, als wenn er im Büro arbeitet – und soll deshalb entlastet werden. Bis zu 600 Euro Steuerpauschale will die große Koalition Arbeitnehmern gewähren, die in der Corona-Pandemie zu Hause geblieben sind. Doch wie groß sind die Kosten wirklich, die durch die Arbeit in den eigenen vier Wänden entstehen?

Der offensichtlichste Posten sind die Stromkosten. Laptop, Beleuchtung, Kaffeemaschine – durchschnittlich 150 Euro mehr im Jahr können so pro Haushalt anfallen, hat das Vergleichsportal Verivox errechnet. Doch die Spanne ist groß: Auf ein ganzes Jahr gerechnet, fallen bei einem durchschnittlichen Laptop knapp 34 Euro Stromkosten an. Bei einem Desktopcomputer samt Monitor sind es laut Verivox gut 112 Euro.

Die Kosten etwa von LED-Beleuchtung liegen dank des geringen Stromverbrauchs bei wenigen Euro pro Jahr. Teurer dürfte sich das derzeit eher selten in der Kantine verzehrte Mittagessen niederschlagen: Immerhin 50 Cent kostet es Verivox zufolge, ein mittleres Kochfeld eine Stunde lang laufen zu lassen. Geschieht das werktäglich, steigt die Stromrechnung pandemiebedingt noch mal um 112 Euro.

Ein Stromanbieterwechsel lohnt sich

Im Extremfall fallen also allein durch den Stromverbrauch etwa 230 Euro Mehrkosten an. Für Beschäftigte ein Ärgernis – dem aus Sicht von Verivox allerdings viele mit einem einfachen Kniff entgehen können: Ein Stromanbieterwechsel spart deutschen Haushalten im Schnitt knapp 300 Euro pro Jahr.

Während in den ersten Pandemiemonaten der heimische Arbeitsplatz jahreszeitbedingt eher wenig beheizt werden musste, bollern nun außerdem die Heizkörper. Auch hier hat Verivox nachgerechnet, beziffert den zusätzlichen Heizbedarf auf 4 Prozent, was Arbeitnehmer etwa 45 Euro Mehrkosten im Jahr kostet. Die genaue Höhe wird allerdings von der Witterung in den kommenden Monaten abhängen – und von der verbauten Technik. Eine Ölheizung ist nach Angaben von Verivox ein knappes Drittel günstiger.

Ohne Pendlerpauschale wird es teuer

Einen wesentlich größeren Brocken an Mehrkosten kann Arbeitnehmern indes der Wegfall der Pendlerpauschale bescheren. Einerseits, wenn etwa abgeschlossene Abonnements für öffentliche Verkehrsmittel trotz Pandemie weiterlaufen. Doch auch das eigene Auto kann zur Mehrbelastung führen, wenn dank Stillstand auch keine Pendlerpauschale anfällt: „Geringere Ausgaben der Pkw-Pendler für Kraftstoffe wirkten finanziell entlastend. Die Fixkosten für Kfz-Steuer und Versicherung bleiben davon allerdings unberührt“, betont der ADAC.

Wie hoch diese Mehrbelastung ist, lässt sich pauschal kaum beziffern – zu unterschiedlich sind die Fixkosten bei deutschen Fahrzeughaltern. Bei einem teuren Auto, das oft für lange Pendelstrecken genutzt wird, können die Einbußen erheblich sein. Immerhin fallen maximal 4500 Euro Pendlerpauschale pro Jahr an. Und entlang von Berechnungen des ADAC machen Fixkosten wie Versicherungsschutz, Kfz-Steuer und Wertverlust gut ein Drittel der gesamten Fahrzeugkosten aus. Im Umkehrschluss könnten ins Homeoffice gezwungene Vielpendler auf bis zu 1500 Euro sitzen bleiben, die sie nicht bei der Steuer einreichen können.

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Studie zu Homeoffice: weniger Stress, mehr Produktivität
1:17 min
Weniger Stress, mehr Zeit für die Familie und sogar eine höhere Produktivität: Der Wechsel ins Homeoffice war für viele Arbeitnehmer eine positive Erfahrung.  © dpa
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Nicht teurer als ein täglicher Kaffee im Büro

Selbst beim ADAC, der die Entfernungspauschale als zu niedrig kritisiert, sieht man das allerdings nicht als allzu ernstes Problem: „Unter dem Strich bleibt für viele durch geringere Ausgaben für Kraftstoffe aufgrund von weniger Pendeltagen eine Entlastung“, teilte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel auf Anfrage mit.

„Ob dieser Effekt die Mehrkosten für einen höheren Energieverbrauch im Homeoffice ausgleicht, hängt von der individuellen Situation ab“, erklärte Hölzel außerdem weiter – und brachte ein grundsätzliches Dilemma der ganzen Debatte auf den Punkt: Wer im Homeoffice sitzt, spart nicht nur Mobilitätskosten, sondern auch mögliche Ausgaben für die Betriebskantine, schicke Kleidung oder den Kaffee im Büro. Wer deshalb pro Arbeitstag nur einen Euro weniger ausgibt, hat in vielen Fällen die Kosten für das Homeoffice schon kompensiert.

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