Homeoffice: Das ist bei Mehrkosten und für die Steuererklärung wichtig

  • Wegen des Coronavirus arbeiten viele Deutsche derzeit in den eigenen vier Wänden.
  • Das wirft die Frage auf, wer dort entstehende Kosten für Strom, Telefon und Internet sowie Arbeitsmaterialien trägt.
  • Eine Übersicht über die wichtigsten Regelungen für Arbeitnehmer.
|
Anzeige
Anzeige

Ein hoher Prozentsatz der Deutschen – nach Umfragen sogar fast die Hälfte der Bevölkerung – arbeitet wegen des Coronavirus seit einem halben Monat von zu Hause aus. Das wirft allerlei Fragen auf – etwa, wie die Kommunikation per Telefon und Videokonferenz organisiert werden kann oder wie ein guter Arbeitsplatz aussehen sollte. Allerdings entstehen nun auch Mehrkosten, die entweder an den Arbeitgeber oder an das Finanzamt weitergereicht werden können.

Home Office: Kosten für Telefon und Internet

Kosten für Telekommunikation und Büroverbrauchs-Artikel können Arbeitgeber dem Arbeitnehmer per Auslagenersatz steuerfrei erstatten, erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfe im Tagesspiegel. Dazu gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder ermittle der Arbeitgeber aufwendig die tatsächlich entstandenen Kosten. Oder er erstatte steuerfrei 20 Prozent der monatlichen Rechnungen für Internet und Telefon – allerdings maximal 20 Euro pro Monat. Geschehe das nicht, können diese Mehrkosten laut Nöll als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Stromkosten im Home Office

„Ein Arbeitnehmer kann sich auf keinen Fall darauf verlassen, dass er die Stromkosten für die Benutzung von Laptop oder Kaffeemaschine erstattet bekommt“, sagt Christian Solmecke, Partner der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke gegenüber Focus Online. Ob derartige Unkosten erstattet würden, hänge von den konkreten Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber ab. Allerdings sind die Mehrkosten vergleichsweise überschaubar: Laut dem Vergleichsportal Verivox liegen sie bei weniger als einem Euro pro Tag – und ließen sich durch stromsparende Geräte sowie einen günstigen Stromtarif noch reduzieren.

Muss der Arbeitgeber das Home Office einrichten?

Anzeige

Geht es um die Ausstattung für das Home Office, ist aus Sicht von Volker Görzel erst einmal der Arbeitgeber in der Pflicht – dieser müsste also für Laptop, zusätzliche Monitore und ähnliches Sorge tragen. “Stellt der Arbeitgeber keine Arbeitsmittel zur Verfügung, besteht grundsätzlich ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Erstattung der mit der Einrichtung des Arbeitsplatzes verbundenen Kosten”, sagte Görzel jüngst RTL.

Weil die Kosten dafür schwer ermittelbar seien, rät Görzel notfalls zu einer pauschalen Aufwandsentschädigung, die in einer Zusatzvereinbarung mit dem Arbeitgeber festgeschrieben werden kann. In Unternehmen mit Betriebsrat ist dieser dafür zuständig, eine solche Aufwandspauschale zu vereinbaren. Hörzel empfiehlt etwa 50 Euro pro Monat.

Home Office in Corona-Krise: Das Arbeitszimmer und die Steuer

Wer sich nun ein separates Arbeitszimmer für die kommenden Wochen oder Monate einrichtet, hat aus steuerlicher Sicht Glück: Er kann das vergleichsweise unkompliziert und von der Steuer absetzen, wenn er nachweisen kann, dass ihn die Corona-Krise ins Home Office zwingt - und, sofern der Arbeitgeber die Kosten nicht trägt. Aus Nölls Sicht dürfte für die kommenden Monate gelten: „Wenn der Arbeitgeber die Arbeit im Home Office anweist und die Bürogebäude des Unternehmens wegen des Coronavirus schließt, steht dem Arbeitnehmer kein Arbeitsplatz mehr zur Verfügung und es können auch diejenigen Arbeitnehmer die Kosten des häuslichen Arbeitszimmers steuerlich geltend machen, die es ansonsten unter normalen Umständen nicht können", meint der Steuerexperte.

Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der Tätigkeit, können die Kosten laut der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) komplett abgesetzt werden. Werde das separate Arbeitszimmer lediglich für bestimmte berufliche Aufgaben genutzt und steht dafür beim Arbeitgeber kein entsprechender Arbeitsplatz zur Verfügung, können maximal 1.250 Euro im Jahr als Werbungskosten in die Steuererklärung eingetragen werden. Dieser Höchstbetrag greife auch bei nicht ganzjähriger Nutzung des häuslichen Arbeitsplatzes in voller Höhe, also nicht zeitanteilig, meint Nöll.

Die Arbeitsecke für das Home Office

Wer kein Arbeitszimmer hat, sitzt derzeit meist am Küchentisch oder anderswo in der Wohnung – was die steuerliche Absetzbarkeit massiv erschwert. Die Kosten für eine Arbeitsecke dürfen nicht in der Steuererklärung eingetragen werden, hatte der Bundesfinanzhof 2016 entschieden. Die VLH fordert allerdings, dass diese Regelung geändert wird. Deshalb sei es ratsam, schon jetzt aufzeichnen, wann und in welchem Umfang Beschäftigte ihre Arbeitsecke nutzen. Auch Rechnungen für Druckerpapier, Schreibmaterial, Stromkosten und Telefonkosten sollten aufbewahrt werden, falls der Arbeitgeber sie nicht erstattet.


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen