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Lufthansa: Konzern will trotz Hilfspaket 22.000 Stellen abbauen

  • Die Corona-Krise hat den Fluggesellschaften enorm zugesetzt.
  • Im zweiten Quartal beförderte die Lufthansa 96 Prozent weniger Fluggäste – das brachte dem Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro ein.
  • Deshalb will das Unternehmen 22.000 Stellen streichen, die Hälfte davon in Deutschland.
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Die Lufthansa hat zwischen Anfang April und Ende Juni 96 Prozent weniger Fluggäste als im Vorjahr befördert. Die Einnahmen brachen um 80 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein – wobei fast drei Viertel von der Fracht- und der Techniktochter erwirtschaftet wurden. Unterm Strich kam ein Rekordverlust von 1,5 Milliarden Euro zusammen. Die Lage in dem teilstaatlichen Konzern ist mittlerweile dramatisch.

“Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs. Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf Vorkrisenniveau”, sagte Konzernchef Carsten Spohr am Donnerstag. Das Unternehmen ist stark vom Langstreckenverkehr abhängig, der besonders stark eingebrochen ist. Dank eines 9 Milliarden Euro starken staatlichen Rettungspakets wird der Konzern in der Luft gehalten. Spohr kann deshalb derzeit auf Liquiditätsreserven von insgesamt 11,8 Milliarden Euro zurückgreifen. Dafür ist der Bund nun mit einem Anteil von 20 Prozent der größte Anteilseigner des europäischen Branchenprimus.

Betriebsbedingte Kündigungen können nicht mehr vermieden werden

Zum Überleben muss das Unternehmen grundlegend umgebaut werden. Beim Personal soll es heftige Einschnitte geben. Insgesamt will Spohr 22.000 Stellen streichen, davon die Hälfte hierzulande. Die Belegschaft sei im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8300 Beschäftigte auf 129.400 Frauen und Männer geschrumpft. Vor allem in den USA habe man sich von Angestellten getrennt. Spohr beklagt aber, dass die Verhandlungen hierzulande stocken. “Es geht mir viel zu langsam”, sagte er. Selbst mit der Bundesregierung sei man schneller gewesen als mit den Gewerkschaften am Boden und im Cockpit. Der Vorstand droht: Das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, sei basierend auf dem Verlauf der Verhandlungen mit den Tarifpartnern “auch für Deutschland nicht mehr realistisch”.

Die Gewerkschaften weisen die Kritik zurück. “Die Blockadehaltung des Unternehmens zieht die Verhandlungen in die Länge und schafft Unsicherheit und Zukunftsängste für die Beschäftigten”, sagte Christine Behle, Vizechefin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Lufthansa sei in der Verantwortung, Arbeitsplätze zu sichern. Ein Krisenpaket für den Konzern müsse auch die mittelfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern. Konkret würden die Beschäftigten in Anbetracht der staatlichen Hilfen nun Beschäftigungssicherung und einen Ausgründungsschutz verlangen. Der Hintergrund: Unter anderem prüft der Vorstand Szenarien für den Verkauf von Teilen des Konzerns.

Gewerkschaften wollen Entlassungen von Piloten vermeiden

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Ein Sprecher der Pilotengewerkschaft VC verwies auf laufende Verhandlungen. Erst danach könne man sagen, ob es überhaupt “Personalüberhänge” gebe. VC-Präsident Markus Wahl hatte in einem Interview mit dieser Zeitung betont, Ziel sei, dass alle Flugzeugführer an Bord bleiben. Er hat unter anderem umfängliche Arbeitszeitkürzungen angeboten. Spohr hingegen geht davon aus, dass allein in der Lufthansa-Kerngesellschaft die Stellen von 800 Piloten nicht mehr benötigt werden. Das hat auch damit zu tun, dass der Konzern prüft, bestimmte Flugzeugtypen auszumustern. Es geht um viermotorige Langstreckenjets – also den A340 und den A380 von Airbus sowie den Jumbojet 747 von Boeing. Über die Zukunft der Flugzeugführer für diese Maschinen wird verhandelt.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat sich indes bereits auf Eckpunkte über einen Personalabbau geeinigt – ohne Entlassungen. Die Zustimmung der Mitglieder steht noch aus. Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies betonte: Jetzt mit betriebsbedingten Kündigungen zu drohen sei unnötig und für die Beschäftigten in der Kabine ohnehin vertragswidrig.

Flugzeugflotte soll verkleinert werden

Der Konzern ächzt nicht nur unter dem Einbruch in der Luftfahrt. Mit dem staatlichen Hilfsprogramm sind auch enorme Verbindlichkeiten für die nächsten Jahre entstanden. Das Unternehmen muss sich deshalb zusätzliche Liquidität in gehörigem Umfang besorgen, um geliehenes Geld zurückzahlen zu können. Genau deshalb vermissen Analysten detailliertere Angaben über die geplante Verkleinerung der Flotte und den besagten Verkauf von Konzernteilen – immer wieder werden dabei die Techniksparte und die verbliebenen Teile des Cateringbetriebs LSG genannt. Klar ist nur, dass 100 von rund 760 Jets künftig nicht mehr mit dem Kranich auf dem Leitwerk fliegen sollen. Allerdings ist es derzeit enorm schwer, Passagierflugzeuge zu verkaufen. Denn so gut wie alle Airlines weltweit kämpfen mit Überkapazitäten.

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Spohr hofft indes, dass der Konzern im dritten Quartal in der Kurz- und Mittelstrecke das Angebot auf 40 Prozent des Vorjahresniveaus ausbauen kann. In der Langstrecke sollen 20 Prozent erreicht werden. Klar ist aber schon jetzt, dass die Lufthansa das Jahr mit tiefroten Zahlen abschließen wird. In den ersten sechs Monaten kam aus der betrieblichen Tätigkeit ein Minus von 2,9 Milliarden Euro zusammen. Den beiden anderen großen europäischen Luftfahrtnetzwerken geht es ähnlich schlecht. Die British-Airways-Mutter IAG verbuchte im zweiten Quartal einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro. Bei Air France-KLM kamen unterm Strich sogar 2,6 Milliarden Miese zusammen.

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