Regierungsplan: So soll deutscher Stahl grün werden und wettbewerbsfähig bleiben

Ein Mitarbeiter am Hochofen – das Bild soll bald der Vergangenheit angehören.

Ein Mitarbeiter am Hochofen – das Bild soll bald der Vergangenheit angehören.

Seit fast 200 Jahren gibt es bei der Stahlerzeugung einen entscheidenden Arbeitsschritt: Kohle wird verkokst, landet gemeinsam mit Eisenerz in einem Hochofen – wo dann unter hohen Temperaturen das Eisen aus dem Erz herausgelöst wird. Doch die Methode ist Gift für das Klima, bis zu 22 Prozent aller CO₂-Emissionen in der EU stammen aus der Stahlindustrie. Die steckt seit Jahren in der Krise, nun soll sie massive Unterstützung bekommen, um klimaverträglicher zu werden.

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Was will die Bundesregierung?

Die Bundesregierung strebt einen Umbau der Stahlindustrie hin zu klimaverträglichen Erzeugungsverfahren an – während zugleich die hiesigen 86.000 Arbeitsplätze vor der internationalen Konkurrenz geschützt werden sollen. Einfach wird das nicht, weil Kohle als wichtiger Energieträger bei der Stahlerzeugung für große Mengen CO₂ in der Atmosphäre sorgt. Zentral sind deshalb neue Erzeugungsverfahren mithilfe von Wasserstoff, die in Deutschland vorangetrieben werden sollen.

Warum Wasserstoff zur Stahlerzeugung?

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Im Hochofen wird das rohe Eisenerz unter Beigabe von Kohle zu verarbeitbarem Eisen reduziert. Dabei wird viel CO₂ freigesetzt. Dabei ist die Verhüttung auch auch auf anderem Wege möglich: Beim sogenannten “Direktreduktionsverfahren” wird durch die Beigabe von Methan und Wasserstoff eine chemische Reaktion herbeigeführt – an deren Ende ein recht unkompliziert verarbeitbarer sogenannter Eisenschwamm entsteht. Die klimaschädliche Verbrennung von Kohle kann also entfallen.

Wie effizient ist Wasserstoff bei der Stahlerzeugung?

Grundsätzlich kann Wasserstoff sowohl die notwendige Hitze als auch die für die Erz-Verarbeitung benötigten Gase liefern. Allerdings ist Wasserstoff vergleichsweise teuer: Um bei der Stahlerzeugung wettbewerbsfähig zu sein, dürfe eine Tonne des Gases maximal 2000 Euro kosten, schrieben jüngst Fachleute von der Unternehmensberatung Roland Berger. Grüner, per Elektrolyse gewonnener, Wasserstoff kostet derzeit 7000 bis 10.000 Euro pro Tonne. Grauer, aus Erdgas erzeugter, Wasserstoff liegt bei nur 2000 bis 3000 Euro. Dieser ist allerdings allerdings nicht klimaneutral.

Was kostet die Umstellung?

Wenn die deutschen Stahlerzeuger auf Hochöfen verzichten, fallen außerdem hohe Kosten für den Umbau der Branche an. Die beziffert die notwendigen Investitionen auf 30 Milliarden Euro in den kommenden Jahren – eine erhebliche Belastung für die Stahlindustrie, die ohnehin seit Jahrzehnten an der heftigen internationalen Konkurrenz und den sinkenden Stahlpreisen leidet. Die Bundesregierung unterstützt deshalb Stahlhersteller wie die Salzgitter AG bei der Entwicklung von wasserstoffbasierten Technologien, insgesamt sind für das Feld 9 Milliarden Euro im jüngsten Corona-Konjunkturpaket eingeplant.

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will der Stahlindustrie unter die Arme greifen.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will der Stahlindustrie unter die Arme greifen.

Wie hilft die Bundesregierung?

Die Bundesregierung hat nun weitere Schritte angekündigt, um die Stahlindustrie zu unterstützen. Die Unternehmen sollen weiterhin keine kostspieligen CO₂-Zertifikate im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems kaufen müssen, kündigte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch an. Auch Entlastungen beim geplanten CO₂-Preis sind geplant, ebenso wie Altmaier ankündigte, vor allem mit Blick auf Chinas Handelspolitik gegen Wettbewerbsverzerrungen auf dem globalen Stahlmarkt vorgehen zu wollen.

Reicht das, um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen?

Ob all das reicht, ist unklar – weshalb das Altmaier nun eine vergleichsweise drastische Option prüfen will: Theoretisch kann die Europäische Union eine Art Zoll auf Produkte erheben, die aufgrund laxer Regulierung im Ausland günstiger, aber klimaschädlicher hergestellt werden. Für diesen sogenannten “Grenzausgleich” soll die EU-Kommission bis 2021 einen Vorschlag entwickeln, die Bundesregierung wolle das unterstützen, heißt es nun. Unkompliziert sind solche Klimazölle nicht, sie verstoßen möglicherweise gegen die internationalen Handelsregeln der Welthandelsorganisation WTO.

Was sagen die Unternehmen und Beschäftigte?

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Die Stahlindustrie begrüßte Altmaiers Vorstoß: “Damit liegt ein kohärentes, industriepolitisches Gesamtkonzept vor, das die Herausforderungen für die Branche adressiert”, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Es gelte nun, die Folgen der Corona-Krise zu bewältigen, eine erneute Stahlimportkrise zu verhindern und faire Wettbewerbsbedingungen in der Energie- und Klimapolitik zu schaffen. Die Gewerkschaft IG Metall nannte das Konzept eine “gute Grundlage”, um Arbeitsplätze zu sichern und grünen Stahl in Deutschland zu realisieren.

Was sagen Klimaschützer?

Das grüner Stahl die einzige Möglichkeit ist, die Branche in eine klimaneutrale Zukunft zu führen, ist aus Sicht von Klimaschützern unbestreitbar. Bislang sei allerdings nicht klar, woher die benötigten großen Mengen günstigen Wasserstoffs kommen sollen, kritisierte der grüne Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek auf Twitter. Zudem wolle die Bundesregierung zwar prüfen, wie für Stahl verarbeitende Betriebe Anreize zur Verwendung grünen Stahls geschaffen werden könnten. Ein Prüfauftrag reiche aber nicht aus, um beispielsweise die Automobilhersteller zur Verwendung von CO₂-freiem Stahl zu bewegen, so Janecek.


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