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Preise wie vor Ausbruch des Krieges

Warum Benzin und Diesel plötzlich so günstig sind

Blick auf die Zapfsäulen einer Tankstelle. Im Juni, Juli und August werden niedrigere Steuern auf Kraftstoff fällig. Bezieht man die Auswirkungen auf die Mehrwertsteuer ein, sinkt die Steuerlast pro Liter Benzin um insgesamt 35,2 Cent. Bei Diesel sind es 16,7 Cent. Allerdings wird es wohl dauern, bis die Steuersenkung an der Zapfsäule ankommt, weil die Energiesteuer schon in Tanklagern und Raffinerien anfällt. Foto: Carsten Koall/dpa

Die Preise an den Zapfsäulen sind aktuell so günstig wie lange nicht.

Frankfurt am Main. Bei den Spritpreisen gibt es im Moment nur eine Richtung: nach unten. Das hat kurioserweise vor allem mit einer geplanten großzügigen Preisobergrenze für russisches Rohöl zu tun. Verstärkend wirken Mutmaßungen über eine globale Rezession und Daten über die Ausbreitung der Covid-Pandemie in China.

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Am Donnerstagnachmittag war Diesel etwa im Rhein-Main-Gebiet an zahlreichen Tankstellen für weniger als 1,80 Euro pro Liter zu haben. Ähnlich sah der Trend in zahlreichen anderen Städten aus. Auch Superbenzin hat sich deutlich verbilligt und rutschte am Donnerstag vielfach unter die Schwelle von 1,70 Euro. Das sind Preise wie vor Beginn des Ukraine-Krieges. Die Abschläge sind seit mehreren Wochen erkennbar und haben sich zuletzt deutlich verstärkt. Nach den Daten des Verbraucherportals Clever Tanken mussten am Donnerstag voriger Woche für den Selbstzünder-Brennstoff im bundesweiten Durchschnitt noch 1,97 Euro und für E10 1,86 Euro gezahlt werden – derart rapide Verbilligungen hatte es zuletzt zu den Zeiten der ersten Corona-Lockdowns gegeben.

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Fallende Preise parallel zu den internationalen Rohölmärkten

„Die fallenden Brentpreise der vergangenen Tage sind definitiv der treibende Faktor für die derzeit niedrigen Spritpreise“, sagte Clever-Tanken-Chef Steffen Bock dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Tatsächlich vollzieht sich der Weg nach unten derzeit parallel, aber mit zwei, drei Tagen Verzögerung zu den Notierungen an den internationalen Rohölmärkten. Am Donnerstag lag der Preis für ein Fass (159 Liter) der Referenzsorte Brent erstmals seit Januar unter der Marke von 85 Dollar.

Händler und Analystinnen machten dafür vor allem die geplanten Preisobergrenzen für russisches Rohöl, das per Schiff transportiert wird, verantwortlich. Die EU will demnächst diese Importe stoppen. Zugleich wollen die G7-Staaten nebst EU ein Maximum festlegen. Fachleute gehen davon aus, dass diese Grenze zwischen 65 und 70 Dollar pro Fass liegen soll. Die Bandbreite liege höher als erwartet, was das Risiko einer Verknappung des weltweiten Angebots verringern würde, schreibt Vivek Dhar von der Commonwealth-Bank in einer Analyse. Er und seine Kollegen waren bislang davon ausgegangen, dass im laufenden Quartal ein Durchschnittspreis von 95 Dollar pro Fass zustande kommt. Dhar sieht dafür nun „Abwärtsrisiken“.

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Erwartung einer weltweiten Rezession

Der Grund: Russlands Mineralölkonzerne verkaufen nach übereinstimmenden Einschätzungen von Branchenkennern bereits jetzt für deutlich weniger als 65 Dollar, und zwar an Raffinerien in China und in Indien. Dennoch soll der sogenannte Cap dadurch durchgesetzt werden, dass die obligatorischen Versicherungen für Öltanker durch westliche Assekuranzen, die vor allem in London sitzen, nur dann gewährt werden, wenn die Ladungen unterhalb des Maximalpreises verkauft werden.

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Allerdings sind die 65 bis 70 Dollar pro Fass alles andere als in Stein gemeißelt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass Diplomaten eine Einigung der EU-Energieminister bei ihrem Treffen am Donnerstag und Freitag für möglich halten. Zugleich sickerte aber durch, dass für Polen die 65 Dollar zu hoch – weil wirkungslos – sind. Griechenland hingegen wolle keinesfalls unter 70 Dollar gehen: Hierbei kommt zum Tragen, dass griechische Reedereien beim Transportieren von russischem Öl eine maßgebliche Rolle spielen.

Gleichwohl ist für Hans van Cleef, Energieexperte der niederländischen ABN-Amro-Bank, indes klar, dass die Obergrenze „keine großen Auswirkungen auf das Gesamtangebot“ haben werde. Was wiederum bedeutet, dass andere Faktoren beim Auf und Ab der Notierungen stärker zum Tragen kommen. Etwa die Erwartung einer weltweiten Rezession, wovon seit Wochen die Rede ist. Nun soll es neue Prognosen aus dem Umfeld der US-Notenbank Fed geben, der zufolge die Wahrscheinlichkeit einer schrumpfenden Ökonomie bei 50 Prozent liege. Woran die Notenbank selbst mit ihren heftigen Erhöhungen der Leitzinsen einen gehörigen Anteil haben dürfte.

Trotzdem keine Entwarnung für Autofahrende

Und dann noch die Meldungen, dass es in China einen neuen Höchststand bei den Covid-Infektionen gibt. Worauf die Regierung mit extrem strengen Beschränkungen für die Bevölkerung reagiert. Im mittlerweile dreijährigen Verlauf der Pandemie hat sich immer wieder gezeigt, dass durch Lockdowns die Nachfrage nach Kraftstoffen schlagartig zurückgeht, und China gilt als größter Ölimporteur weltweit. Zudem könnten Zweirundeneffekte durchschlagen: Lockdowns können zu Engpässen in Lieferketten führen, was auch die Produktion in der europäischen und nordamerikanischen Industrie drücken würde.

Diese Gemengelage hat an den Ölmärkten eine sogenannte Contango-Situation geschaffen. Die Preise für Lieferungen im neuen Jahr liegen über denen für Dezember. Das bedeutet, dass die Händler momentan von einem sehr reichlichen Angebot ausgehen, was sich aber bald schon wieder ändern könnte. So betont Bock denn auch: „Aktuell erleben wir eine Erholungsphase. Aber man kann Autofahrern keine Entwarnung geben.“ Denn das Ölembargo gegen Russland greife ab dem 5. Dezember. „Ab dann erwarte ich, dass die Preise wieder anziehen. Zusätzlich wird die Driving Season zum Weihnachtsfest die Kraftstoffpreise anheizen.“

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