Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Inflation im Kinderzimmer: Die Preise für Spielzeug steigen massiv

Die Preise für Spielzeug könnten laut Experten um bis zu 20 Prozent steigen.

München. Blickt man auf die blanken Zahlen, könnte sich Florian Sieber entspannt zurücklehnen. „Wir wurden leergekauft“, sagt der neue Chef der familiengeführten Spielwarengruppe Simba Dickie, der vorigen Mai die Geschäfte von seinem Vater vollends übernommen hat, und meint damit auch seine Modelleisenbahnfirma Märklin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dort läuft das Geschäftsjahr bis Ende April und das 2021 unerwartet gut. 112 Millionen Euro Märklin-Umsatz hatte er vor Jahresfrist noch erwartet. 128 Millionen Euro sind es bei Märklin geworden. „Wir haben einen Riesensprung gemacht“, sagt Sieber. Bei Märklin sorgten zunehmend jüngere Kundengruppen für anhaltend hohe Nachfrage. Die ködert man nun zeitgemäß per Videoclip auf Youtube, Instagram oder Facebook, was den ICE4 zum „absoluten Renner“ gemacht habe.

Auch im sonstigen Familienimperium ging es aufwärts. Um gut 5 Prozent auf 754 Millionen Euro sind die Erlöse der größten Spielwarengruppe Deutschlands 2021 gestiegen. Inklusive Märklin macht das nun gut 880 Millionen Euro.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit ihren 22 Marken ist die Fürther Spielwarengruppe Simba Dickie die größte ihrer Art in Deutschland und in Europa unter den fünf führenden Spielzeugkonzernen. Drei Viertel ihres Geschäfts tätigt sie jenseits deutscher Grenzen. Märklin ist seit 1993 unter den Fittichen der Spielwarenfamilie Sieber und war anfangs ein schier hoffnungsloser Sanierungsfall. Mittlerweile ist der Hersteller von Modelleisenbahnen ein Zugpferd.

Bauteile und Personal sind knapp

Aber die bloßen Umsatzzahlen verschleiern einiges. Denn Nachfrage muss man auch befriedigen können. „Das Problem ist eher, dass wir es schaffen, die Ware zu produzieren“, warnt Sieber. Vor allem im vorigen Weihnachtsgeschäft habe die Pandemie für unterbrochene Lieferketten gesorgt. Märklin habe das schmerzhaft in der Produktlinie für Kinder getroffen. Aber nicht nur elektronische Bauteile fehlen, auch das Personal ist knapp.

Ich würde allein bei Märklin sofort 100 Stellen aufstocken, wenn ich könnte.

Florian Sieber,

Chef der Spielwarengruppe Simba Dickie

„Ich würde allein bei Märklin sofort 100 Stellen aufstocken, wenn ich könnte“, stellt Sieber klar. Weitere hundert Jobs habe er in der Logistik gruppenweit zu vergeben. Dazu kämen unbesetzte IT-Arbeitsplätze. Schon voriges Jahr haben die Fürther in Deutschland 100 neue Jobs geschaffen und beschäftigen damit hierzulande inklusive Märklin nun rund 1300 Leute. Weltweit sind es 4200 Beschäftigte. Aber das reicht nicht angesichts eines seit Jahren anhaltenden Booms in der gesamten Spielzeugbranche.

Um weitere 5 Prozent auf nahe vier Milliarden Euro sind die Branchenumsätze 2021 in Deutschland gestiegen, nachdem schon das erste Corona-Jahr 2020 für ein sattes Umsatzplus von gut einem Zehntel gesorgt hatte. Das hat die auf die Branche spezialisierte Marktforschungsgruppe „NPD Group“ gerade ausgerechnet. Zu verdanken waren die Zuwächse größtenteils den drei Produktgruppen Puzzle und Spiele, Bausets und Babyspielzeug, wo der Mangel an Elektrobauteilen weniger stark durchschlägt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Lieferengpässe und Personalmangel könnte man noch als Luxusprobleme abtun, wenn sie zeitlich begrenzt bleiben. Aber es könnte sogar ernster werden. Lieferketten sind weiter fragil, weshalb Märklin sich nun per Luftfracht mit Elektrokomponenten aus China beliefern lässt. Für den großen Rest seiner Spielwarengruppe sei das mengenbedingt nicht möglich, bedauert Sieber. Hier müsse man weiter auf Seefracht vertrauen.

Wir haben extrem gestiegene Kosten bei Kunststoff und Elektronikkomponenten, Verpackung und Seefracht.

Florian Sieber,

Chef der Spielwarengruppe Simba Dickie

Weit mehr Sorgen macht er sich aber um die im Kinderzimmer drohenden Preisaufschläge. „Wir haben extrem gestiegene Kosten bei Kunststoff und Elektronikkomponenten, Verpackung und Seefracht“, zählt Sieber auf. Das habe man erst in geringem Umfang an Kunden weitergegeben. „Aber diesen Februar und März wird das vollen Abdruck finden“, warnt der Spielzeugmanager vor.

Preissteigerungen bis zu 20 Prozent

Relativ glimpflich sieht er Käufer von Modelleisenbahnen davonkommen. Um 4 bis 5 Prozent sollen sich Märklin-Produkte verteuern. Bei Plüschtieren schätzt Sieber die Preisaufschläge auf 10 bis 20 Prozent, bei Puppen auf 5 bis 10 Prozent und bei Elektrospielzeug auf 15 bis 20 Prozent. Psychologische Preispunkte, die jahrelang gehalten haben, würden gerissen. „Wir sind unsicher, wie der Konsument reagieren wird“, räumt der Firmenchef ein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mit weiterem Stückzahlwachstum kalkuliert er für 2022 nicht. 130 Millionen und damit stagnierenden Umsatz sieht Sieber für Märklin. Für Simba Dickie mit Marken wie Big (Bobby Car), Zoch (Brettspiele) oder Eichhorn (Babyspielzeug) seien 4 Prozent mehr auf rund 800 Millionen Euro Umsatz drin. „Aber das wird kein richtiges Wachstum“, räumt Sieber mit Blick auf die geplanten Preissteigerungen ein.

Die sind ein Branchenproblem. Auch der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie erwartet für 2022 nur noch ein leichtes Umsatzplus und rechnet mit galoppierenden Preissteigerungen. Schon relativ geringe Aufschläge im Weihnachtsgeschäft hätten dazu geführt, dass sich daran geknüpft Erwartungen nicht erfüllt hätten.

Für das neue Jahr ist das kein gutes Vorzeichen. Die sich in Bewegung setzende Preisspirale könnte die in der Pandemie entfachte Lust aufs Spielen wieder dämpfen, zumal nach deren Abklingen andere Beschäftigungen in der Freizeit wieder möglich werden.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Branchenweite Preiskämpfe drohen, fürchten die Fürther. Denn der Corona-Gewinner schlechthin war der Onlinehandel. Binnen zwei Jahren hat sich der Wert über das Internet verkaufter Spielwaren nahezu verdoppelt. Das Internet aber sorgt für hohe Preistransparenz, weiß Simba-Dickie-Manager Manfred Duschl.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wenn wir Preissteigerungen nicht voll durchsetzen können, bekommen wir Druck auf die Marge“, räumt er ein. Die nennt das Familienunternehmen zwar traditionell nicht. Glücklich wirkt Duschl beim Blick in die nahe Zukunft aber nicht.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.