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Spediteurverband: Die Lage verschlimmert sich „von Stunde zu Stunde“

  • Seit Montag müssen Einreisende aus Tschechien und Tirol negative Corona-Tests vorweisen.
  • Der Verband der Spediteure kritisiert massiv die strengen Kontrollen an den Grenzen und fordert freie Fahrt für den Güterverkehr.
  • Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, informiert im RND-Interview über mögliche Folgen.
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Frankfurt am Main. Der Verband der Spediteure kritisiert die neuen Einreisebeschränkungen für Reisende aus Tschechien und Tirol scharf. Die Folgen könnten dramatisch sein, warnt BGL-Vorstandschef Dirk Engelhardt im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Herr Engelhardt, wie ist die aktuelle Lage?

Sie verschlimmert sich von Stunde zu Stunde. Die italienische Regierung hat am Montagmorgen begonnen, die Brennerautobahn schon ab Verona zu sperren und zu kontrollieren, welche Lkw in Richtung Deutschland unterwegs sind. Der Rückstau an der tschechischen Grenze war am Montagmittag auch bereits 20 Kilometer lang. Dem Transportwesen wurde ein Bärendienst erwiesen.

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Und es wird sich weiter verschlimmern?

Die Lage wird in den nächsten Tagen sehr schnell eskalieren. Wenn nur ein weiteres Nachbarland zum Virusvariantengebiet wird, dann potenziert sich das Problem zusätzlich noch. Autobauer müssen die Fertigung stoppen, und Lücken in Supermarktregalen werden die Folge sein – und wir wissen alle, welche verheerenden Folgen es hatte, als Klopapier oder Nudeln vermeintlich knapp waren. Dominoeffekte wären die Folge.

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Was ist da falsch gelaufen?

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Deutschland hat es fertiggebracht, das Problem an die Außengrenzen zu verlagern. Wer derartige Grenzkontrollen machen will, muss zunächst einmal klären, gibt es ausreichend Testkapazitäten in den Nachbarländern, ist die nötige Infrastruktur da, wo die Fahrzeuge auch stehen können – wir haben auf der Brennerautobahn jeden Tag 10.000 Lkw-Bewegungen.

Bei den coronabedingten Grenzkontrollen zwischen Frankreich und Großbritannien vor wenigen Wochen hat die französische Regierung zunächst mit Großbritannien gemeinsam ein Testszenario entwickelt, dann die Testinfrastruktur aufgebaut und dann erst die obligatorischen Tests eingeführt. Für uns ist nicht nachvollziehbar: Wenn ein Lkw-Fahrer im Transit durch Tirol isoliert im Fahrerhaus fährt, warum muss er sich dann negativ testen lassen?

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Lkw-Fahrer sind ungefährlich?

Ich erinnere an die Green-Lane-Guideline, die die EU unter deutscher Präsidentschaft auf den Weg gebracht hat, um den Fluss des Warenverkehrs zu gewährleisten. Einige Monate später erinnert man sich daran nicht mehr und macht einen derartigen Blödsinn. Bei den Tests von Lkw-Fahrern vor Weihnachten wurden in Dover seinerzeit 0,15 Prozent positiv getestet. Der Fahrer ist isoliert in seinem Fahrerhaus. Am Ziel öffnet er isoliert auf dem Betriebsgelände den Lastwagen, schließt den Lkw nach der Entladung wieder und hat keinerlei Kontakt mit jemandem. Man könnte jetzt noch vorschreiben, dass die Fahrer das Fahrzeug nur mit FFP2-Maske verlassen dürfen.

Lastwagenfahrer können doch einfach auch andere Routen nehmen, um nicht durch Tirol oder Tschechien fahren zu müssen?

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Ich weiß, dass Speditionen ihre Touren bereits umplanen. Und wenn alle alternative Routen nutzen, entsteht das Verkehrschaos an anderer Stelle – durch Überlastungen mit Lkw und mit Staus, die sich gewaschen haben.

Was würde das Einrichten einer Testinfrastruktur konkret bedeuten?

Es braucht beispielsweise am Autobahn-Parkplatz Kufstein ein Testzentrum. Dort sollte es einen PCR-Schnelltest geben. Der Fahrer hinterlässt dort seine Handynummer. Er kann sofort weiterfahren, und er wird per Handy über das Testergebnis informiert. Bei einem positiven Test muss der Fahrer in dem Land in Quarantäne, etwa in einem Hotel, er kann erst bei einem weiteren Test mit negativem Ergebnis weiterfahren.

Was fordern Sie beim Wirtschaftsgipfel am Dienstag?

Wir werden Wirtschaftsminister Altmaier bitten, die Grenzkontrollen für Lkw-Fahrer, die im Transit durch Virusvariantengebiete fahren, sofort aufzuheben. Wenn dennoch getestet werden muss, dann müssen Selbsttests akzeptiert werden, die nicht noch einmal von medizinischem Personal bestätigt werden müssen. Zu diesen Ad-hoc-Maßnahmen muss dann der Aufbau einer Testinfrastruktur an den Grenzen kommen.

RND

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