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Sparkassen drohen mit Negativzinsen: Kunden mehrerer Geldhäuser könnten bald draufzahlen

  • Die kommunalen Geldhäuser in Ostdeutschland könnten bald Geld dafür verlangen, dass sie Geld annehmen.
  • Um große Summen “abzuwehren”, wie sie sagen.
  • Denn sie selbst müssen für die Einlagen ebenfalls Parkgebühren bezahlen.
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Berlin. Auf Neukunden der Sparkassen im Osten könnten aus Branchensicht Negativzinsen auch für private Einlagen zukommen. Er könne nicht ausschließen, dass sich einzelne Sparkassen dazu gezwungen sähen, sagte Wolfgang Zender, der Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbands, in Berlin.

Negativzins bedeutet, dass Kunden dafür bezahlen, dass das Institut ihr Geld aufbewahrt. Die Geldhäuser selbst müssen derzeit 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. An Firmenkunden geben Banken die Kosten schon länger weiter, zunehmend sind auch Kunden mit höheren Guthaben betroffen.

Sparkassen und Negativzinsen: Freibeträge bleiben unentgeltlich

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Der Markt werde immer nervöser, auch was die privaten Kleinkunden angeht, sagte Zender. Verwahrentgelte würden in der Kreditwirtschaft "immer normaler". "Wir wollen nicht zu den ersten gehören", betonte Zender. "Wir würden es gerne sehen, wenn alle beteiligten Marktakteure die Nerven behielten. Aber bei den gegebenen Rahmenbedingungen wird das aber immer schwerer, auch für uns Sparkassen."

Bei größeren Summen verlangten einzelne Sparkassen schon Verwahrentgelte von Privatkunden, sagte Zender. Dabei werde der Zinssatz auf den Teil der Einlagen erhoben, die über bestimmten Freibeträgen liegen.

Negativzinsen: Sparkassen wollen große Vermögen “abwehren” können

Sparkassen müssten Geld zum Schutz ihrer Bilanz "abwehren" können, erklärte Zender. Verbandspräsident Michael Ermrich sagte: "Wenn ein Neukunde kommt, der plötzlich seine Liebe zu Sparkasse entdeckt hat und sagt: "Ich habe eine Million" - da wird es schwierig."

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Kürzlich hatte die Sparkasse Vogtland in Sachsen einen Negativzins von 0,7 Prozent für Guthaben von Neukunden ab 5000 Euro angekündigt, diese Ankündigung aber wenig später zurückgezogen.

Der Ostdeutsche Sparkassenverband vertritt die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Deren Kunden hatten 2019 rund 65,3 Milliarden Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten geparkt, knapp 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Ähnlich stark wuchsen die Spareinlagen mit normaler Verzinsung, die 14,8 Milliarden Euro erreichten.

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Die Kunden suchten den sicheren Hafen, erklärte Zender. Aktien und andere Wertpapiere scheuen sie eher: Damit setzten die Institute acht Milliarden Euro um, ein Prozent weniger als im Vorjahr.

Sparkassen machen weniger Gewinn

Außer in Mecklenburg-Vorpommern nahmen Unternehmen und Privatleute 2019 mehr Kredite auf als im Vorjahr. Dazu trug bei, dass wegen der niedrigen Zinsen viele Menschen in den Bau, Umbau oder Kauf von Häusern und Wohnungen investierten. Das Volumen der neu ausgegeben Wohnungsbaudarlehen wuchs in allen vier Ländern zweistellig.

"Das Sparkassengeschäft wächst überproportional, der Gewinn sinkt dennoch", bilanzierte der Verband. Als Betriebsergebnis wurden 1,2 Milliarden Euro angegeben, 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach Abzug aller Aufwendungen und der Steuern blieb jedoch mit 215 Millionen Euro ein Plus, das um knapp die Hälfte über dem Vorjahr lag.

RND/dpa

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