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Spaltung am Arbeitsmarkt: Mehr Arbeitsstunden im Osten, weniger Lohn für Frauen

  • Es gibt unsichtbare Grenzen auf Deutschlands Arbeitsmarkt. Sie verlaufen zwischen West und Ost - und zwischen Frauen und Männern.
  • Ungleicher Lohn und ungleiche Arbeitszeit kennzeichnen den deutschen Jobmarkt.
  • In der aktuellen Coronavirus-Krise wächst die Brisanz.
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Berlin. Ungleicher Lohn und ungleiche Arbeitszeit kennzeichnen den Jobmarkt in Deutschland. In der Coronakrise zeigt sich umso mehr, dass Frauen oft benachteiligt sind. Auswirkungen der Unterschiede beim Gehalt können sich noch einmal verschärfen - denn wer weniger verdient, bekommt auch weniger Lohnersatzleistungen.

Frauen verdienen deutlich weniger

Über das gesamte Erwerbsleben hinweg verdienen Frauen in Deutschland einer Studie zufolge nur etwa halb so viel wie Männer. Im Westen liegt das erwartete Lebenserwerbseinkommen demnach im Schnitt bei rund 830.000 Euro für Frauen - Männer kommen auf durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Euro.

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In Ostdeutschland sind es rund 660.000 Euro für Frauen und knapp 1,1 Millionen Euro für Männer, wie die von der Bertelsmann Stiftung geförderte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Uni Berlin zeigt. Die Zahlen wurden zum Internationalen “Tag für gleiche Bezahlung” vorgelegt.


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Das Statistische Bundesamt hatte bereits am Montag mitgeteilt, dass der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen 2019 mit 17,72 Euro noch um 20 Prozent niedriger lag als der von Männern mit 22,61 Euro.

Ein “eklatantes Missverhältnis”

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Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) sagte, gerade in der Coronakrise falle es auf, dass es ein "eklatantes Missverhältnis" zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung vieler Berufe und der Bezahlung gebe.

“Häufig sind davon Frauen betroffen, sei es die Kassiererin im Supermarkt, die Pflegekraft im Altenheim oder die Erzieherin”, so Winkelmeier-Becker. Abhilfe schaffen könnten etwa höhere Preise für Dienstleistungen.

Die Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl sagte: "Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern wirken sich in der jetzigen Krise besonders zu Lasten von Frauen aus." Wer schon regulär erheblich weniger verdiene, erwerbe auch deutlich geringere Ansprüche auf Lohnersatzleistungen im Fall von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit.

Weiterhin großer Ost-West-Unterschied

"Hinzu kommt, dass es aktuell wohl vor allem Frauen sind, die vor der Aufgabe stehen, die Betreuung ihrer Kinder aufgrund der flächendeckenden Kita- und Schulschließungen zu organisieren", so Ferschl. Entgeltfortzahlung für die betroffenen Eltern analog zur Regelung im Krankheitsfall sei nötig.

Aber auch andere eklatante Unterschiede bestehen fort. Beschäftigte in Ostdeutschland verdienen weniger und arbeiten länger als die Arbeitnehmer in Westdeutschland. Das geht aus Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hervor, die die Linken im Bundestag ausgewertet haben und die der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr geleistete Arbeitsstunden im Osten

Ostdeutschland Arbeitnehmer in Ostdeutschland leisteten zuletzt über alle Wirtschaftsbereiche hinweg pro Jahr 63 Arbeitsstunden mehr als die Arbeitnehmer in Westdeutschland. In Ostdeutschland kamen demnach im Jahr 2018 auf einen Arbeitnehmer 1390 Arbeitsstunden - in Westdeutschland 1327. Im verarbeitenden Gewerbe waren es in dem Jahr 1433 geleistete Arbeitsstunden je Arbeitnehmer im Westen und 1486 im Osten - somit im Osten 53 mehr.

Die Bruttomonatsverdienste im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich liegen in Ostdeutschland mit durchschnittlich 2833 Euro immer noch deutlich niedriger als die in Westdeutschland. Hier sind es 3371 Euro. Bundesweit sind es 3301 Euro. Diese Zahlen stammen von Ende 2019 und zeigen die Lage bei Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten. Im verarbeitenden Gewerbe ist der Unterschied mit 3073 Euro im Osten und 4322 Euro im Westen noch größer.

Spaltung am Arbeitsmarkt

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Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Daten ausgewertet hat, sagte der dpa: "Die Spaltung am Arbeitsmarkt hält auch 30 Jahre nach der Wende an." Zimmermann unterstützte die Forderungen der Gewerkschaften in den Tarifrunden, etwa für die Metall- und Elektroindustrie in Ostdeutschland.

So sei die Forderung der IG Metall berechtigt, in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie die um drei Stunden längere Wochenarbeitszeit auf die in Westdeutschland geltende 35-Stundenwoche zu senken.

dpa

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