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Bitkom-Umfrage: Jeder zehnte Deutsche toleriert Hassrede

  • Fast jeder siebte Deutsche findet, dass Hassrede zu einer offenen Diskussionskultur gehöre, wie eine Bitkom-Umfrage zeigt.
  • Dabei seien Hassrede und Fake News gerade bei Wahlen, wie im Superwahljahr 2021, von Bedeutung.
  • Jeder zweite Befragte gab an, soziale Netzwerke während der Pandemie häufiger zu nutzen. Gerade im Privaten würden Fake News oftmals nicht hinterfragt.
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München. 2021 wird im Bund und sechs Bundesländern gewählt. Vor diesem Hintergrund gewinnen Fake News und Hassrede in sozialen Netzwerken besondere Bedeutung, findet Bernhard Rohleder. Er ist Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, der Bundesbürger zu ihrer Haltung und ihren Erfahrungen mit Facebook und Co. sowie Messengerdiensten befragt hat. Die Ergebnisse sind teils bedrückend. Fast jeder siebte Deutsche findet demnach, dass Hassrede zu einer offenen Diskussionskultur gehört, fast jeder zehnte toleriert sie ganz offen. „Das sind Menschen mit überdurchschnittlichem Gehalt, die vor allem in Städten und nicht auf dem Land wohnen“, sagt Rohleder. Denn auch Einkommen und Wohnort wurden erfragt.

Dazu passt, dass zwei Drittel aller Nutzer sozialer Medien angegeben haben, schon mit Hassrede im Internet konfrontiert gewesen zu sein, und immerhin jeder sechste selbst als Opfer. Ein Prozent der Opfer hat angegeben, Anzeige erstattet zu haben. Doppelt so viele löschen ihren Account, 14 Prozent ziehen sich zeitweise aus dem Netz zurück, immerhin 43 Prozent fordern Betreiber betroffener Netzwerke auf, die Hassrede zu entfernen. Auch die Domäne von Fake News sind der repräsentativen Umfrage zufolge soziale Netzwerke. Fast jeder Befragte hat sie dort schon mindestens einmal wahrgenommen, ein ganzes Drittel sogar häufig.

Während Pandemie häufigere Nutzung bei der Hälfte

Immer relevanter wird das, weil jeder zweite Befragte sagt, wegen der Pandemie digitale Plattformen häufiger zu nutzen. Wird eine Information von Freunden oder Bekannten weitergeleitet, glauben sie drei Viertel aller Nutzer, ohne sie weiter zu hinterfragen. 42 Prozent haben zudem erklärt, eine weitergeleitete Nachricht nicht vorher auf Vertrauenswürdigkeit zu prüfen, was der Verbreitung von Fake News einigen Spielraum verschafft. Zugleich sagen sechs von zehn Nutzern sozialer Medien, dass sie sich durch sie besser informiert fühlen. Ob sie das auch sind oder nur Fake News aufsitzen, ist eine Frage, die sich nach der Studie aufdrängt.

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„Wir müssen die Brandstifter zur Rechenschaft ziehen“, kommentierte Justizstaatssekretär Christian Kastrop deren Ergebnisse. Das jüngste Netzwerkdurchsetzungsgesetz biete dafür eine Grundlage. Es verpflichtet Betreiber sozialer Netzwerke, schnell auf Beschwerden zu reagieren und strafrechtlich Relevantes binnen 24 Stunden zu löschen. Im Fall von Morddrohungen oder Volksverhetzung müssen sie Strafverfolgungsbehörden informieren. Noch sei das Vertrauen in sie wohl schwach, vermutet Rohleder mit Blick auf das eine Prozent der Opfer von Hassrede, das bei der Polizei Anzeige erstattet. Es brauche mehr Personal und Digitalkompetenz bei Staatsanwaltschaft und Polizei.

RND

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