Warten auf neue Bundesregierung: Die Solarbranche will den Turbo zünden

  • Die Solarbranche sehnt eine neue Bundesregierung herbei.
  • Denn das Land braucht deutlich mehr Sonnenstrom.
  • Ein Solarbeschleunigungsgesetz soll her.
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München. Es ist die Wiederbelebung von Europas größter Solarmesse The Smarter E Europe nach der Corona-Zwangspause im Vorjahr. Neu gestartet werden müsse nun aber nicht nur auf dem Münchner Messegelände sondern auch energiepolitisch im Bund, fordert Carsten Körnig. „Wir brauchen einen Solarturbo“, fordert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW).

Binnen 100 Tagen nach Regierungsbildung müsse diese ein Solar-Beschleunigungsgesetz auflegen, das Förderdeckel und Investitionsbarrieren seiner Branche beseitigt. Solche gebe es vor allem für Solaranlagen auf Firmendächern. Mieter seien gegenüber Eigenheimbesitzern derzeit benachteiligt. Deutsche Klimaziele seien nur erreichbar, wenn sich die installierte Solarleistung binnen vier Jahren verdoppelt. Das erfordere minimal eine Verdreifachung des hierzulande zuletzt gezeigten Ausbautempos für Photovoltaikanlagen aller Art, stellte Körnig bei der Eröffnung der Branchenschau klar.

Körnig sieht Herkulesaufgabe

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Bis 2030 müssten nun jährlich im Schnitt 16 Gigawatt (GW) solarer Spitzenleistung zugebaut werden gegenüber fünf GW im Schnitt des letzten Jahrzehnts. „Das ist eine Herkulesaufgabe“, stellte der Solarlobbyist klar. Technologisch und wirtschaftlich sei aber das Feld bereitet. In den vergangenen Jahren sei Solarstrom weltweit zur preiswertesten Form der Energieerzeugung geworden. Das gelte auch für Deutschland, wo neue Photovoltaikanlagen aktuell Solarstrom für unter 5 Cent je Kilowattstunde und damit günstiger als mittels Windkraft, Gas oder Kohle erzeugen.

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Hierzulande seien derzeit nur die Wachstumsraten für Solarparks auf Freiflächen und Solardächer auf Eigenheimen hoch. Letzteres sei ein positiver Corona-Effekt. Menschen hätten sich in der Pandemie zwangsweise in die eigenen vier Wände zurückgezogen und diese aufgemöbelt, was sich auch in mehr Solardächern und Batteriespeichern niedergeschlagen hat.

Auch im Gewerbebereich sei die Bereitschaft groß, in Solarzellen auf Firmendächern zu investieren. Mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen ist dazu bereit, hat der Energieversorger Eon jüngst ermittelt. Staatliche Fehlregulierung würde das aber verhindern, weil sie Amortisierungszeiten für gewerbliche Solaranlagen unnötig in die Länge ziehe. In der Folge sei die Nachfrage nach Solarzellen auf Fabrik- und Firmendächern in den letzten vier Monaten um satte zwei Drittel eingebrochen.

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BSW: Mieter sind benachteiligt

In Wohnanlagen wiederum seien derzeit Mieter stark benachteiligt, weil die jetzige Regelung sie zwingen würde, eine Abgabe für den Solarstrombezug aus eigener Produktion zu bezahlen. Eigenheimbesitzer seien davon verschont. Für Wohnanlagen und solaren Mieterstrom sei das ein Ausbauhemmnis für Solarstrom, das weg müsse, fordert der BSW.

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Wichtig sei das auch, weil durch die nun stark wachsende Elektromobilität rasch neuer Strombedarf entsteht. Aktuelle Zahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) stützen diese Sicht. Im August waren 15 Prozent aller Kfz-Neuzulassungen hierzulande reine Elektroautos. Einen Monat später war dieser Rekord bereits wieder Geschichte. Im September wuchsen Elektroneuzulassungen gegenüber dem Vorjahresmonat um satte 37 Prozent auf 56.550 Stromer. Reine Elektroautos legten dabei mit 59 Prozent am stärksten zu.

Mehr als zwei Drittel der Stromer werden dabei zu Hause geladen und das immer öfter mit selbst erzeugtem Solarstrom, was der Solarbranche zusätzliche Impulse verleiht und Elektroautobesitzer freut. Denn vom eigenen Dach gewonnener und zwischengespeicherter Ladestrom ist nur halb so teuer wie der vom Energieversorger, haben Marktforscher von Eupd Research aus Bonn ausgerechnet.

Schattenseiten auf dem Solarmarkt gibt es dagegen nicht nur aus politischen Gründen. Die Branche klagt auch über Fachkräfte- und Materialmangel. „Auch wir sind betroffen von Engpässen bei Chips und Baumaterial“, räumt Körnig ein. Zudem würde nur ein Bruchteil der hierzulande rund 70.000 Elektrohandwerksbetriebe auch Solaranlagen installieren. Nachwuchskräfte fehlten. Schon beim jetzigen Ausbautempo führt das regional zu mehrmonatigen Wartezeiten für Kunden. Wird das Tempo wie gefordert gesteigert, dürfte das noch schlimmer werden.

Beim Chip- und Baumaterialmangel rechnet Körnig mit einem Überwinden der Engpässe im Sommer 2022. An der Personalfront baut er auf ein Aufstocken der in der deutschen Solarbranche Beschäftigten bis 2030 von heute gut 40.000 auf rund 100.000 Beschäftigte. Das setzt voraus, dass Firmen auch neue Mitarbeiter finden.

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