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Zuschuss vom Staat: Was Sie über die Corona-Kaufprämie für neue Autos wissen müssen

  • Staatliche Zuschüsse für den Kauf neuer Autos werden mit großer Wahrscheinlichkeit demnächst eingeführt.
  • Aber eine Wiederholung der Abwrackprämie wird es nicht geben.
  • Wir erläutern, wie der Absatz von Fahrzeugen gefördert werden kann, die klimafreundlich sind.
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Warum braucht es eine staatliche Unterstützung beim Autokauf?

Mit der Coronakrise ist die Bereitschaft für größere Anschaffungen bei Verbrauchern massiv gesunken. In der EU sind die Pkw-Verkäufe im März im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent geschrumpft. Experten erwarten, dass der Rückgang im April noch stärker ausfällt.

Das setzt den Autobauern extrem zu. Ohne Impulse für die Nachfrage sind Massenentlassungen wohl unvermeidbar. Mit staatlichen Prämien – am besten zeitlich befristet – soll der Absatz erhöht werden.

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Wann werden die Prämien eingeführt?

Laut der Presseagentur dpa wollen Politiker mit Automanagern am 5. Mai über Stützungsprogramme diskutieren. Wird dabei ein Konsens erzielt, könnte theoretisch eine Kaufprämie schon im Juni eingeführt werden.

Auf wie viel Geld können die Käufer hoffen?

Das ist offen. Vor gut zehn Jahren wurde mit der Abwrackprämie die Anschaffung eines neuen Pkw mit 2500 Euro gefördert. Das dürfte diesmal das Minimum sein. Wobei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eine Wiederauflage der damaligen Bedingungen bereits ausgeschlossen hat. Meinungsumfragen haben denn auch ergeben, dass eine breite Mehrheit die alte Abwrackprämie ablehnt.

Was wird anders werden?

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer fordert schlicht eine zeitlich begrenzte Absenkung der Mehrwertsteuer für Neuwagen – würde sie komplett gestrichen, könnten Händler die Fahrzeuge theoretisch 19 Prozent billiger anbieten. Altmaier hat indes in einem Interview betont, dass der Kauf von Autos mit geringen CO2-Werten gefördert werden müsse.

Auch VW-Manager Ralf Brandstätter hat betont, dass ein neues Förderprogramm sich an eingesparten Kohlendioxid-Emissionen orientieren soll. Wenn Regierung und Volkswagen sich einig sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Vorschläge umgesetzt werden. Klar ist offenbar zudem: Die Prämie wird auch dann gezahlt, wenn kein Altfahrzeug verschrottet wird – im Gegensatz zur alten Abwrackprämie.

Wie könnte eine Orientierung am Klimaschutz aussehen?

Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte der Umweltorganisation BUND, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: Es müsse auf jeden Fall sichergestellt werden, dass geförderte Fahrzeuge nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Realbetrieb auf der Straße ausstoßen. Die 95 Gramm sind der aktuelle EU-Grenzwert für die Neuwagenflotten von Autobauern.

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In der Branche wird überdies eine Staffelung diskutiert: Je geringer der CO2-Ausstoß umso höher der Zuschuss. Das würde auch bedeuten, dass reine Elektroautos die höchste Förderung erhalten, denn deren Emissionen werden mit null gewertet. Wobei es für die Stromer bereits eine Prämie von 6000 Euro pro Fahrzeug gibt. Der Autowissenschaftler Stefan Bratzel hat in einem Interview mit dieser Zeitung vorgeschlagen, diesen Betrag um 4000 Euro auf dann 10.000 Euro heraufzusetzen.

Spricht etwas gegen eine Staffelung?

Die Nachfrage nach kleinen Autos würde deutlich stimuliert. Der Effekt bei Pkw mit konventionellen Verbrennungsmotoren der hiesigen Luxushersteller – Mercedes, Audi, Porsche, BMW - wäre relativ gering. Importeure, die überwiegend Kleinwagen und Kompakte anbieten und die Volkswagen-Marken würden profitieren. Und die Prämie könnte praktisch zeitgleich mit der Einführung des Elektroautos ID3 von VW kommen - der ID3 ist der große Hoffnungsträger des Konzerns.

Wie werden Plug-In-Hybride bedacht?

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Bei den Autos mit dem Kombi-Antrieb aus E-Motor und Verbrenner wird es kompliziert. Viele PS-starke Fahrzeuge der gehobenen Kategorien werden als Plug-Ins angeboten. Deren offizieller CO2-Ausstoß ist extrem gering, die Motorsteuerung wurde für die Tests im Labor optimiert. Auf der Straße blasen sie ein Vielfaches des offiziellen Werts in die Luft.

Dies hängt auch stark von der Fahrweise und dem Profil der individuellen Nutzung ab. Hilgenberg schlägt deshalb vor, dass bei diesen Autos die Prämien erst nachträglich gewährt werden – wenn mittels Auslesen des Bordcomputers nachgewiesen werden kann, dass 70 bis 80 Prozent der gefahrenen Kilometer elektrisch zurückgelegt wurden.

Wie sollen die Beihilfen zum Autokauf finanziert werden?

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vielfach wird gefordert, auch in Anbetracht der derzeit extrem niedrigen Spritpreise die Steuern für Kraftstoff zu erhöhen – insbesondere sollen die niedrigeren Sätze für Diesel an die Besteuerung von Ottokraftstoff angepasst werden. Hilgenberg bringt zudem eine Zulassungsteuer nach dem Bonus-Malus-Prinzip ins Gespräch: Wer einen Spritfresser mit hohem CO2-Ausstoß kauft, muss einen kräftigen Aufschlag zahlen. Mit den Einnahmen daraus werden staatliche Ermäßigungen für klimafreundliche Fahrzeuge finanziert.

Hätten Prämien auch industriepolitisch einen Nutzen?

Wenn die Zuschüsse stark an Klimaschutzkriterien orientiert sind, entsteht für hiesige Autobauer ein Anreiz, verstärkt Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Das kann Vorteile im internationalen Wettbewerb bringen – für die nächsten Jahre wird steigende Nachfrage nach Stromern erwartet.

Was wird passieren, wenn es keine Kaufbeihilfen gibt?

Eine Art Käuferstreik wird dann von vielen Experten erwartet. Massive Rabatte bis an die Schmerzgrenze für Hersteller und Händler wären dann wahrscheinlich die Folge. Besonders günstig würden dann vermutlich technisch veraltete Spritfresser angeboten, die große Mengen CO2 in die Luft blasen.

RND

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