So könnte die Zerschlagung von Thomas Cook aussehen

  • Dass Thomas Cook zerschlagen wird, steht nun fest.
  • Die Insolvenzverwaltung teilte am Montag mit, kein belastbares Angebot für das Unternehmen als Ganzes erhalten zu haben.
  • Doch für einige deutsche Marken könnte es weitergehen.
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Der insolvente Reiseveranstalter Thomas Cook wird zerschlagen. Die Insolvenzverwaltung teilte am Montag mit, bislang sei kein „belastbares Angebot“ für das Unternehmen als Ganzes eingegangen. Durch den Verkauf von Teilen des Konzerns soll aber „in jedem Fall gut die Hälfte“ von aktuell rund 2100 Arbeitsplätzen gerettet werden.

Aus rechtlichen Gründen müsse die Thomas Cook Touristik GmbH die Einstellung des Geschäftsbetriebes zum 1. Dezember vorbereiten. Er bedauere dies sehr, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Otmar Hermann. Vor knapp sechs Wochen starteten er und seine Kollegen den Versuch, für die deutsche Reiseveranstalter-Gruppe einen Investor zu finden. Doch ein konkretes Angebot wurde nicht vorgelegt.

Branchenkenner hatten schon unmittelbar nach dem Einreichen des Insolvenzantrags Ende September gemutmaßt, dass es extrem schwer werden würde, das integrierte Reiseunternehmen komplett zu verkaufen. Thomas Cook war auf allen Ebenen der Touristik aktiv. Theoretisch wären vor allem Finanzinvestoren in Frage gekommen. Doch die schreckten offenbar auch wegen des harten Wettbewerbs im Urlaubsgeschäft zurück. Mögliche Interessenten aus der Branche verfügen indes über eigene Infrastrukturen zum Organisieren und Durchführen von Reisen.

Gute Chancen für Neckermann und Öger Tours

Als wertvoll gelten aber vor allem die verschiedenen Veranstaltermarken des Konzerns. Auf jeden Fall würden einzelne Teile des Unternehmens veräußert. Das gelte unter anderem für die Gesellschaft, in der Bucher Reisen und Öger Tours gebündelt sind. Die Verhandlungen über deren Fortführung seien „sehr weit fortgeschritten“, so Julia Kappel-Gnirs, vorläufige Insolvenzverwalterin der Bucher Reisen & Öger Tours GmbH. Auch für die Franchise-Systeme für Hotels und Reisebüros sowie Cooks eigene Reisebüros ist Kappel-Gnirs „sehr zuversichtlich“, in Kürze neue Besitzer präsentieren zu können. Die knapp 130 Agenturen sind weiterhin geöffnet und verkaufen Reisen von anderen Anbietern. Auch für die Veranstaltermarken Neckermann und Air Marin bestünden gute Chancen Käufer zu finden, sagte Kappel-Gnirs.

Thomas Cook Deutschland sei ein profitabler Veranstalter und unverschuldet von der Insolvenz der britischen Konzernmutter mitgerissen worden, betonte die bisherige Unternehmenschefin Stefanie Berk.

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Was passiert mit den Geldern der Kunden?

Das Oberurseler Unternehmen hat bereits die Durchführung von gebuchten Reisen eingestellt. Kunden, die Anzahlungen geleistet oder das Geld für Urlaubstrips schon komplett überwiesen haben, sollen von Dezember an entschädigt werden. Wie viel Geld sie zurück bekommen, ist aber noch unklar. Die Gesamthöhe der Schadenssumme stehe noch nicht, sagte ein Sprecher des Versicherers Zurich. Nach Angaben der Versicherung wurde bereits ein Schadensvolumen von 250 Millionen Euro gemeldet. Thomas Cook war aber nur bis 110 Millionen Euro versichert. Das ist der gesetzlich vorgeschriebene Wert. Zurich will das Geld nach einem Quotensystem gleichmäßig unter den Geschädigten verteilen.

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Verbraucherschützer argumentieren aber, dass Zurich offenen Auges eine zu niedrige Versicherungssumme ausgemacht hat und deshalb für den gesamten Schaden gerade stehen müsse. Vermutlich wird dies vor Gericht geklärt.