Intelligenter Stromzähler: Muss ich einen Smart Meter einbauen lassen?

  • Intelligente Stromzähler können nun aus Sicht des BSI in Wohnungen und Häusern verbaut werden.
  • Das kann die Kosten reduzieren - doch bis dahin gilt es, einiges zu beachten.
  • Zumindest die Risiken beim Datenschutz scheinen allerdings die größten Bedenken ausgeräumt zu sein.
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Berlin. Mit zwei Jahren Verzögerung beginnt in diesem Jahr der Einbau der ersten intelligenten Stromzähler - der Smart Meter. Am Freitag (31.1.) hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seine sogenannte Markterklärung veröffentlicht. Damit kann der Rollout nun tatsächlich beginnen.

Die allermeisten Hausbesitzer oder Mieter werden davon und von der neuen Messung ihres Stromverbrauchs jetzt noch nicht betroffen sein. Aber kann es sich für sie lohnen, schon aktiv zu werden? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer Technologie, die noch sehr wichtig werden wird.

Was sind Smart Meter?

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Die neuen Geräte bestehen aus zwei Elementen: einem digitalen Stromzähler und einem Kommunikationsmodul. Smart Meter zeigen nicht nur den aktuellen Zählerstand an, sie speichern die Werte auch. So können die Verbraucher an einem Display ablesen, wie viel Strom sie zum Beispiel im vorausgegangenen Monat verbraucht haben.

Das Kommunikationsmodul wird Gateway genannt und macht den digitalen Zähler erst zum intelligenten Messsystem. Es übermittelt die Verbrauchsdaten automatisch verschlüsselt an Stromlieferanten und Netzbetreiber. Damit entfällt also der Hausbesuch von Ablesern.

Was bringt ein Smart Meter?

Für die Verfechter sind Smart Meter eine Zukunftstechnologie - die die Energiewende begleiten soll. Die Idee: Ein Smart Meter sorgt dafür, dass Strom dann verbraucht wird, wenn viel davon vorhanden und damit der Preis niedrig ist. Denn der Umstieg auf erneuerbare Energien bringt aus Sicht von Fachleuten mit sich, dass die Stromerzeugung stärker schwankt als bislang - etwa, wenn der Wind abflaut und deshalb Windkraftanlagen schwächeln.

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Ist der Einbau des intelligenten Stromzählers verpflichtend?

Ja, aber mit Einschränkungen und nur unter bestimmten Voraussetzungen: Erst bei einem Stromverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr müssen Smart Meter mit Kommunikationsmodul eingebaut werden. Zum Vergleich: "Das ist in etwa doppelt so hoch als der Standardwert eines Vier-Personen-Haushaltes", sagt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Die meisten Haushalte wird die Einbaupflicht also nicht treffen.

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Auch, wer mit einer Solaranlage mit mehr als sieben Kilowatt Leistung Strom produziert oder ein verringertes Netzentgelt für eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung zahlt, bekommt auf jeden Fall ein intelligentes Messsystem.

Digitale Stromzähler, die nicht mit dem Stromversorger "kommunizieren, sollen hingegen in Zukunft in allen Haushalten zu finden sein. Der Austausch läuft bereits und soll bis 2032 abgeschlossen sein. Ob das geschieht und wann, entscheidet der Messstellenbetreiber. Wer das ist, muss laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf der Stromrechnung stehen.

Muss ich selbst aktiv werden?

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Nein, die Messstellenbetreiber werden aktiv. Sie können auch entscheiden, in welchen Haushalten sie mit dem Austausch beginnen. "Es ist etwa auch möglich, dass ein Messstellenbetreiber sich in einem Mehrfamilienhaus, in dem es auch eine Einheit mit mehr als 6000-Kilowattstunden-Verbrauch gibt, dazu entscheidet, alle Zähler an Gateways anzuschließen", erklärt der VKU-Experte. "Das hängt von der Strategie der Messstellenbetreiber ab."

Denn die haben gesetzliche Vorgaben zu erfüllen: Die Netzbetreiber müssen in den kommenden drei Jahren zehn Prozent der Pflicht-Einbauten erledigen. Anschließend haben sie fünf Jahre Zeit, um den Rest abzuarbeiten. Der Betreiber ist dazu verpflichtet, den Einbau rechtzeitig anzukündigen. Die Bewohner müssen das dulden.

Wie viel kostet mich ein Smart Meter?

Die Kosten hängen vom Stromverbrauch oder der Leistung zum Beispiel der Photovoltaikanlage ab. LautBundesnetzagenturgibt es für Verbraucher eine Preisobergrenze für den Messstellenbetrieb und die Messung von rund 20 Euro im Jahr. Teurer kann es werden für Haushalte, die freiwillig den Einbau eines intelligentes Messsystem wünschen. Dazu können noch Kosten kommen, wenn der Zählerschrank für das smarte Messsystem umgebaut werden muss, der Verbraucherzentrale NRW zufolge können das bis zu mehrere tausend Euro sein.

Welche Vorteile hat ein freiwilliger Austausch?

Hausbesitzer, die nicht vom Pflichteinbau betroffen sind, können auch aktiv werden und einen Smart Meter installieren lassen. Das kann noch nicht jetzt, aber wohl in naher Zukunft beim Sparen helfen. Denn dann soll es die Möglichkeit von flexiblen Stromtarifen geben: Je nach Höhe der Stromproduktion - an sonnigen Tagen gibt es zum Beispiel mehr Solarenergie - und der Auslastung der Versorgung kann der Strombezug an bestimmten Tageszeitpunkten günstiger oder teurer sein.

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Festbeleuchtung - mit Smart Meter ist das nur sinnvoll, wenn gleichzeitig viel Wind für viel Strom sorgt. © Quelle: Wolfram Steinberg/dpa/dpa-tmn

Das können die Smart Meter registrieren und entsprechend zum Beispiel dafür sorgen, dass die Solaranlage Strom vom eigenen Dach bei guten Preisen ins Netz speist, ansonsten aber den Eigenverbrauch vorziehen. Und Wärmepumpen oder Elektroautos ließen sich zu optimalen Strombezugszeiten günstiger aufladen.

Auch wenn der VKU darauf verweist, dass diese flexiblen Bezugsmodelle für Stromkunden schon in naher Zukunft gestartet werden können, so rät er auch: "Für normale Haushalte mit unter 6000 Kilowattstunden Verbrauch macht der Einbau eines Smart Meters noch keinen Sinn."

Wie sicher sind die Gateways vor Datendiebstählen?

Laut Bundesnetzagentur ist gesetzlich festgelegt, wem zu welchem Zweck Daten übermittelt werden. In erster Linie übermitteln die Messstellenbetreiber die Daten an Netzbetreiber und Energielieferanten. Aber auch Direktvermarktungsunternehmer nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und Stellen, dürften die Daten erhalten - wenn die Anschlussinhaber dem zugestimmt haben. Wer genau die Daten erhält, erfahren Verbraucher laut dem Bundeswirtschaftsministerium in Datenblättern, die der Messstellenbetreiber zur Verfügung stellen muss.

Die Sicherheit war ein Teil des Problems, der zur Verzögerung des Einbaustarts führte: "Man hat sehr viel Aufwand betrieben, um die Datensicherheit zu gewährleisten", sagt der VKU-Sprecher. Gut zwei Jahre verzögerte sich der sogenannte Rollout, denn die Gateways mussten erst zertifiziert und damit für den Markt zugelassen werden. Damit sichergestellt ist, dass ausreichend Geräte zum Einbau verfügbar sind, galten drei zertifizierte Modelle als Hürde, erläutert der Sprecher. Diese Hürde wurde erst Ende des Jahres 2019 bewältigt. "Jetzt ist unserer Einschätzung zufolge der Sicherheitsstandard sehr hoch", sagt der VKU-Experte weiter.

RND/dpa/hö