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“Skai“ von BMW vorgestellt: Dieses Flugtaxi wird das Klima wohl kaum retten

Flugtaxis sind der letzte Schrei, ermöglichen sie doch, ohne Staus von A nach B zu kommen. Dank eines neuen Modells soll das sogar klimaverträglich möglich sein soll – was allerdings zweifelhaft ist.

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München/New York. Der US-Hersteller Alaka’i hat gemeinsam mit BMW ein neuartiges Flugtaxi vorgestellt. Der Clou: „Skai“ kommt ohne schwere Batterien aus, stattdessen treibt Wasserstoff Brennstoffzellen an, die Strom für die Elektromotoren erzeugen. „Die sauberste, sicherste und vielseitigste Art der Luftfahrt“, sagt der Hersteller.

An der Studie „Skai“ haben Alaka’i und die BMW-Entwicklungsschmiede Designworks mehrere Jahre gearbeitet, bis nun das fertige Konzept vorgestellt wurde. Fünf Passagiere sollen in dem Flugtaxi Platz finden. Die Spitzengeschwindigkeit beziffert Alaka’i mit etwa 190 km/h, die Reichweite soll bei etwa 650 Kilometern liegen.

Bis zu fünf Passagiere sollen bei „Skai“ mitfliegen können.
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Von Konkurrenten wie Lilium und anderen Start-ups hebt sich die Studie von Alaka'i aber vor allem wegen des Antriebs ab. Statt einer Batterie versorgen Brennstoffzellen die sechs Elektromotoren des Flugtaxis mit Strom, getankt wird deshalb flüssiger Wasserstoff.

„Der Brennstoffzellenantrieb ermöglicht Skai, weitere Distanzen mit größeren Nutzlasten zurückzulegen“, ist das Unternehmen überzeugt. Schließlich sei eine Batterie deutlich schwerer als die Kombination aus Brennstoffzelle und Wasserstofftank.

Vor allem soll das neue Flugtaxi deshalb umwelt- und klimaverträglich sein. Denn Brennstoffzellen stoßen verschwindend wenig Treibhausgase aus, als Abfallprodukt entsteht lediglich gewöhnliches Wasser. Und würde der Wasserstoff ausschließlich mittels Ökostrom hergestellt, lägen die Emissionen des Antriebs tatsächlich bei fast Null.

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Fliegen kostet viel Energie

Davon ist die aktuelle Technik allerdings noch weit entfernt, bisher wird Wasserstoff nicht im großen industriellen Maßstab aus Ökostrom gewonnen. Und ähnlich wie bei Wasserstoff-betriebenen Autos stellt sich auch bei "Skai" die Frage, wann und ob das überhaupt passieren wird.

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Doch selbst wenn irgendwann Wasserstoff im großen Stil aus Ökostrom erzeugt werden würde – das Flugtaxi Skai bliebe ein ziemlicher Energiefresser. Alaka´i beziffert den Verbrauch mit 200 bis 400 Litern Wasserstoff auf 650 Kilometer Flugstrecke. Das entspräche etwa 2,1 bis 4,3 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer.

Im Vergleich dazu sind andere Mobilitätsformen effizienter: Ein Wasserstoff-Auto wie der Toyoto Mirai liegt laut WLTP-Test bei 0,76 Kilogramm pro 100 Kilometer. Ein Wasserstoff-betriebener Zug wie der Coradia iLint, den Alstom anbietet, liegt dem Hersteller zufolge hingegen bei 30 Kilogramm Wasserstoffverbrauch pro 100 Kilometer. Dort können aber statt fünf ganze 300 Passagiere mitfahren.

Mobilität für Jedermann?

Selbst wenn „Skai“ ebenso wie der Alstom-Zug ausschließlich mit Ökologisch erzeugtem Wasserstoff betrieben würde, wäre der Stromverbrauch beim neuen Flugtaxi pro Passagier fast acht Mal so groß wie beim Schienenfahrzeug. Und da ist noch nicht einbezogen, dass viele Züge dank Oberleitungen direkt mit Strom betrieben werden können – ohne den energieintensiven Umweg über Wasserstofftanks und Brennstoffzellen.

Hersteller Alaka’i scheinen solche Zahlen aber nicht zu stören: Demnächst soll ein Testlauf in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Flugaufsicht FAA starten. Mittelfristig hofft das Unternehmen, „Mobilität für Jedermann“ anbieten zu können.

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Wasserstoff hat im Vergleich zur Batterie zwar den Vorteil, ein vergleichsweise günstiges Speichermedium für Energie zu sein. Um ihn zu erzeugen, muss allerdings viel Strom aufgewendet werden. Während bei einer Batterie deshalb 100 Prozent der gespeicherten Energie wieder genutzt werden können, ist es bei Wasserstoff unterschiedlichen Studien zufolge ungefähr die Hälfte.

Alaka’i gibt außerdem an, die Brennstoffzellen seien zu 95 Prozent wiederverwendbar und zu 99 Prozent recyclebar – ein Seitenhieb auf die Produktion von Batterien, wie sie in anderen Flugtaxis und auch E-Autos eingesetzt werden. Deren Herstellung erfordert große Mengen Energie und produziert zum Teil zahlreiche Umweltgifte.

Von RND/Christoph Höland