Sixt strauchelt – und könnte doch ein Gewinner der Corona-Krise werden

  • Der Markt für Autovermieter ist durch die Corona-Krise fast komplett zum Erliegen gekommen.
  • Das trifft auch den Anbieter Sixt hart, wie sich bei den jüngsten Quartalszahlen zeigt.
  • Doch das deutsche Unternehmen könnte noch im ganz großen Stil profitieren.
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Den Autovermieter Hertz hat die Coronakrise bereits erwischt. Für sein US-Geschäft musste der Branchenriese mit den Marken Dollar und Thrifty im Mai Insolvenz anmelden. Auch der europäische Branchenführer Europcar hängt in den Seilen und ist zum Übernahmekandidat geworden. VW erwägt einen Rückkauf der 2006 für gut 3 Milliarden Euro verkauften Franzosen, heißt es. Mit 229 Millionen Euro Börsenwert sind sie zum Schnäppchen verfallen. Auch kleinere Vermieter wackeln.

“Ich erwarte Marktanteilsverschiebungen”, sagt Branchenanalyst Marc-Rene Tonn vom Privatbankhaus Warburg und meint das ganze Spektrum von Übernahmen bis zu Pleiten. Die Pandemie könnte der Branche ein anderes Gesicht aufzwingen und traditionelle Strukturen verändern. Bislang ruht sie mit Geschäftsreisenden und Urlaubern auf zwei etwa gleichgewichtigen Säulen. In der Pandemie sind beide stark geschrumpft.

“Die Situation war und ist für die Branche der Autovermieter absolut dramatisch”, betont deren Bundesverband BAV. Zum Tiefpunkt der Pandemie im April seien die Branchenumsätze binnen weniger Tage flächendeckend um 90 Prozent eingebrochen. Während Urlaubsreisende aber nach Einführung eines Impfstoffs wieder verstärkt Autos mieten dürften, könnte das bei Geschäftsreisenden für immer ausbleiben. 57 Prozent der deutschen Unternehmen halten es für wahrscheinlich, dass sie ihre Geschäftsreisen dauerhaft einschränken, hat das Ifo-Institut ermittelt.

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Auch Sixt-Umsätze brechen ein

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Auch der heimische Branchenführer Sixt leidet und ist zum Halbjahr 2020 mit 115 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Allein im zweiten Quartal sind die Umsätze um fast zwei Drittel auf noch 229 Millionen Euro eingebrochen. “Dieses Ereignis kam über uns wie im Alten Testament, aber es hätte viel schlimmer kommen können, wie man an Horrorzahlen unserer Wettbewerber sehen kann”, sagt Firmenpatriarch Erich Sixt.

Er sieht eigene Wachstumschancen in einem sich stärker konsolidierenden Markt. In den USA hat er insolventer Konkurrenz soeben zehn Flughafenstandorte abgenommen und in den Niederlanden Carsharing gestartet. “Wir haben die Gunst der Stunde genutzt”, sagt Sixt. Der Komplettübernahme strauchelnder Konkurrenten erteilt er aber eine Absage, um die eigene Bilanz nicht zu belasten. Die Hertz-Pleite in den USA sei dennoch hilfreich.

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Sixt ist technologisch ganz vorn

“Die Starken sind in der Lage zu profitieren”, schätzt Analyst Tonn und meint damit vor allem Sixt sowie Weltmarktführer Enterprise aus den USA. Die neuen Vermietstationen dort seien für Sixt sehr wichtig, weil die Branche ein Land üblicherweise über Präsenz an Flughäfen erschließt. Führend ist Sixt im Urteil von Experten auch bei Integration von Carsharing und anderer Mobilitätsdienste. Mit einer App und auf der Plattform Sixt One hat der Autovermieter 2019 alles vom traditionellen Mietgeschäft über Carsharing bis zur Fahrtenvermittlung gebündelt.

Die Dienste managt man per selbst entwickelter Software. “Da sehe ich Sixt technologisch ganz vorn”, sagt Branchenanalyst Christian Obst von der Baader Bank. Die Bayern profitieren von einer Mischflotte für Vermietung und Carsharing zugleich, wo Mietdauern von wenigen Minuten bis vielen Wochen aus einer Hand bedient werden. “Carsharing hat durch Corona gewonnen”, betont Tonn zudem. Vor allem Großstädter sind in der Krise anhaltend auf das Teilen von Autos umgestiegen, um Ansteckungsgefahren im ÖPNV zu meiden.

Carsharing profitiert

Zwar ist auch Carsharing anfangs eingebrochen. Es hat sich aber schnell wieder erholt. “Carsharing läuft trotz Corona über Vorjahr”, stellt Sixt klar. Auch Carsharing-Konkurrenten wie Share Now als Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW profitieren davon.

Im klassischen Vermietgeschäft sehen Experten dagegen noch eine Durststrecke bis etwa 2024. Erst dann könnte die Branche wieder Umsätze auf dem Niveau von 2019 erreichen. Sixt steht durch sein integriertes Carsharing besser da und könne anders als Konkurrenten teilweise ausgleichen, was durch Geschäftskunden wegfällt, meint Obst.

Ihren Willen, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen, unterstreichen die Bayern auch durch die Einführung eines neuen Modells zur Langzeitmiete namens Auto Abos Sixt+, das monatlich kündbar ist und als weiterer Baustein in die Sixt-App integriert wird. Aktuell gibt es etwa 20.000 solcher Aboverträge in Deutschland. Eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen veranschlagt das Marktpotenzial dafür bis 2030 mit einer Million Verträge.

“Manager verdienen sich ihr Geld in Schlechtwetterzeiten”, sagt Sixt und glaubt gerade auf das richtige Pferd zu setzen. Liegt er richtig, nehmen Autovermieter in der Krise gerade sehr unterschiedliche Wege.

“Staat, Sex, Amen”
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