Gewinnprognose erhöht: Wie die Siemens-Gesundheits­sparte Healthineers von Corona profitiert

  • Rund eine Milliarde Euro Sonderumsatz sackt Siemens Healthineers durch Corona-Schnelltests ein.
  • Die Prognosen für das Geschäftsjahr werden nun erneut erhöht.
  • Und auch für die Zukunft ist das Unternehmen optimistisch.
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München. Bernd Montag blickt auf ein herausragendes Quartal. „Unser Geschäftsverlauf ist außerordentlich positiv“, sagt der Chef des Medizintechnik­konzerns Siemens Healthineers zur Vorlage eines Zwischenberichts in Erlangen und übertreibt damit nicht. Um fast 40 Prozent auf 5 Milliarden Euro haben die Umsätze im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2020/2021 (zum 30. September) zugelegt.

Ein Auftragseingang von gut 5,5 Milliarden Euro signalisiert, dass es in dem Stil weitergeht. Der Gewinn nach Steuern wuchs parallel dazu um fast die Hälfte auf knapp 400 Millionen Euro. Auch wenn das dritte Vorjahres­quartal noch von der Pandemie belastet war und der Vergleich etwas hinkt, ist der Siemens-Zweitkonzern klar im Aufwind. Zum zweiten Mal wurden nun die Prognosen für das Gesamtjahr erhöht.

Siemens Healthineers steuert auf 17,5 Milliarden Euro Jahresumsatz zu

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Um bis zu 19 Prozent könnten die Umsätze steigen, nachdem zuletzt maximal 17 Prozent für möglich gehalten wurden, erklärten Montag und Finanzchef Jochen Schmitz. Weil seit dem dritten Quartal auch der zugekaufte US-Krebsspezialist Varian konsolidiert wird, steuert Siemens Healthineers damit auf insgesamt 17,5 Milliarden Euro Jahresumsatz zu, und das bei einer exzellenten Marge von im dritten Quartal 18,8 Prozent.

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Berücksichtigen muss man dabei, dass der Konzern durch Corona-Schnelltests künftig nicht wiederkehrende Sondergeschäfte macht. Die haben allein im dritten Quartal 600 Millionen Euro Extraumsatz in die Kassen gespült und nach neun Monaten bereits 920 Millionen Euro. Weil Siemens Healthineers die Tests vor allem in Deutschland verkauft und diese Verkäufe mittlerweile stark abflauen, kommt im Abschlussquartal 2020/2021 wohl nicht mehr viel dazu.

Aber auch das Kerngeschäft von Siemens Healthineers mit bildgebenden Großgeräten wie Röntgenapparaten, Laborsystemen und neuerdings den Strahlentherapie­geräten von Varian wächst so ansehnlich wie profitabel. So schaffen auch die bildgebenden Systeme der Erlanger und die Varian-Produkte unbeeinflusst von der Pandemie eine Marge von rund 17 Prozent.

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Im Herbst will Healthineers-Chef Montag neue Wachstumsziele verkünden

Unter dem Strich entwickelt sich Siemens Healthineers mit seinen weltweit gut 65.000 Beschäftigten besser als Konkurrenten wie das niederländische Philips, obwohl es auch dort aufwärts geht. Die Pandemie habe das Bewusstsein für Gesundheits­versorgung weltweit steigen lassen, freut sich Montag. „Davon werden wir profitieren“, glaubt er.

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Zudem könne man mit den Varian-Bestrahlungs­apparaten nun noch mehr für Krankenhäuser wichtige Großgeräte aus einer Hand anbieten. „Siemens Healthineers ist immer öfter Partner der Wahl für große Gesundheits­einrichtungen“, beschreibt Montag einen für sein Haus günstigen Trend.

Innovationen wie robotergestützte Medizin auch mithilfe künstlicher Intelligenz sollen den verstetigen. Immer bessere Bildqualität bei Röntgengeräten oder Computer­tomografen bei immer geringerer Strahlenbelastung in der Krebstherapie verspricht der Manager Ärztinnen und Ärzten wie Patienten und Patientinnen.

Im Herbst wird der Healthineers-Chef deshalb neue und wohl anspruchsvollere Wachstumsziele verkünden. Bislang wollten die Erlanger im Schnitt um jährlich mindestens 5 Prozent an Umsatz zulegen. Im November könnte die Latte höher gelegt werden, deutet er an. Auch wenn künftig rund eine Milliarde Euro Sonderumsatz durch Corona-Schnelltests fehlen werden.

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