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Adani-Minenprojekt: Klimaschützer wollen bei Siemens-Hauptversammlung mitmischen

  • Im Vorfeld der Hauptversammlung von Siemens werfen Aktivisten Konzernchef Joe Kaeser Greenwashing und unwahre Behauptungen vor.
  • Ein Großteil von ihnen hat sich für die Veranstaltung am Mittwoch angemeldet.
  • Der Plan sei nicht, die Veranstaltung mit Dauerreden zu sprengen. Vielmehr wollen die Aktivisten gegen Unwahrheiten vorgehen.
Thomas Magenheim
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„Wir wollen Siemens nicht sabotieren, sondern zum klimafreundlichen Handeln bringen“, sagt Lara Eckstein. Die Vertreterin der Nichtregierungsorganisation Campact ist Teil eines immer breiter werdenden Protestbündnisses gegen den Münchner Traditionskonzern. Das hat sich zu dessen Hauptversammlung am Mittwoch einiges vorgenommen, stellen Bündnissprecher vorab klar. Hunderte Klimaaktivisten sollen vor der Olympiahalle, wo sich die Aktionäre treffen, demonstrieren und eine Menschenkette bilden. In der Halle selbst wollen Dutzende Siemens-Kritiker, die sich für ein Rederecht Aktien besorgt haben, Konzernchef Joe Kaeser zur Rede stellen. Es droht eine lange Veranstaltung zu werden, die zeitlich an ihre Grenzen stoßen könnte. Bis Mitternacht muss sie beendet sein.

Aktivisten bereiten sich darauf vor, Kaeser zu widersprechen

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Der Plan sei es nicht, die Hauptversammlung durch Dauerreden zu sprengen, versichern die Aktivisten. Aber falls Kaeser Unwahrheiten erzähle, werde man vor der Aktionärsversammlung widersprechen, stellt Helena Marschall klar. Die 17-Jährige ist Vertreterin von Fridays for Future. Auch Luisa Neubauer, die als deutsches Gesicht der Klimaprotestbewegung gilt und mit Kaeser schon persönlich debattiert hat, werde mit in der Halle sein und gegebenenfalls reden.

Bedarf dazu gibt es fraglos. Denn die Wahrnehmungen und Realitäten sind nicht gerade deckungsgleich. Unumstritten ist zwar, dass Siemens für eine riesige Kohlemine in Australien Zugsignaltechnik in einem Auftragswert von 18 Millionen Euro zuliefert und das wohl keine gute Idee war. Auch Kaeser räumt das mittlerweile ein. Darüber hinaus aber steht vielfach Wort gegen Wort.

Proteste gegen Siemens: Konzernchef Joe Kaeser weist Vorwürfe von sich

Falls Siemens aus dem Vertrag mit dem indischen Minenbetreiber Adani aussteigt, würde das das Projekt zum Scheitern bringen, weil es für die Signaltechnik, die einmal Kohletransportzüge steuern soll, keinen alternativen Anbieter gibt, sagt Eckstein. Stimmt nicht, entgegnet Siemens. Geliefert werde vergleichsweise simple Technik, die mehrere Wettbewerber in kurzer Zeit problemlos ersetzen könnten.

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Indigene Völker Australiens, deren Siedlungsgebiet von umweltschädlichen Auswirkungen der Kohlemine besonders betroffen ist, hätten dem Bau nicht zugestimmt, sagen Klimaaktivisten aus Australien. Immerhin verbrauche der Betrieb der Mine in einem ausgesprochenem Dürregebiet jährlich zwölf Milliarden Liter Wasser. Nicht wahr, kontert Siemens. Australiens Regierung habe versichert, dass betroffene Völker dem Bau der Mine zugestimmt hätten und Umweltstandards eingehalten würden.

Kaeser habe Neubauer auch niemals einen Sitz im Siemens-Aufsichtsrat angeboten, sondern lediglich einen Sitz in einem Nachhaltigkeitsgremium, beteuert der Konzern. Mit dieser Idee wollte Kaeser Fridays for Future mit ins Siemens-Boot holen. Vertreter von Fridays for Future beschwören, dass Kaeser einen Aufsichtsratssitz angeboten hat und das der plumpe Versuch gewesen sei, die Bewegung an die Leine zu nehmen.

Kaeser meint, Siemens kämpfe gegen den Klimawandel

Strittiges gibt es aber nicht nur in Details. Der stets Nachhaltigkeit propagierende Siemens-Boss habe mit dem Auftrag für die Kohlemine „eine Kehrtwende vom Klima-Kaeser zum Klimakiller vollzogen“, findet Eckstein. Es gehe nicht allein um die Kohlemine, sondern eine Grundsatzentscheidung über den Klimakurs von Siemens. Kaeser selbst sieht sich dagegen weiter an der Spitze jener Konzernführer, die etwas gegen den Klimawandel tun und nicht nur darüber reden.

Aktivisten, die gegen Siemens protestieren, versprechen: „Wir bleiben laut“

Wer aktiv gegen den Klimawandel kämpfe, könne keine Geschäfte mit dem indischen Adani-Konzern machen, findet Lindsay Simpson. Die australische Aktivistin hat Adani-Kohlekraftwerken in Indien einen persönlichen Besuch abgestattet. Sie berichtet von massiver Verschmutzung und misstraut den Versprechen des indischen Konzerns, beim Bau und Betrieb der Kohlemine in Australien die Umwelt nicht zu schädigen. Siemens müsse den Vertrag mit Adani doch noch kündigen und ein Zeichen setzen. Auch die aus Australien angereiste Simpson will beim Aktionärstreffen protestieren. Das gilt zudem für Vertreter der indigenen Völker des Kontinents.

Aussitzen werde Kaeser den Protest nicht können, warnen die Aktivisten. „Wir bleiben laut“, versprechen sie.

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