Siemens Energy: Kampf mit Pandemie und Energiewende

  • Der Kraftwerksbauer Siemens Energy kommt mühselig in die Gewinnzone zurück.
  • Das ist der Windkraft zu verdanken.
  • Aber an Gaskraftwerken hält das Management fest.
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München. Leicht hat es der Dax-Neuling Siemens Energy fraglos nicht. In manchen Ländern werden Kraftwerks­projekte von der Pandemie gebremst. Konventionellen Kraftwerks­bau macht die Energie­wende zum Sanierungs­fall, wo demnächst welt­weit 7800 Stellen gestrichen werden. Aber im zweiten Quartal des zum 30. September endenden Geschäfts­jahrs 2020/21 hat der Siemens-Zweitkonzern mit 31 Millionen Euro wieder in die Gewinn­zone zurück­gefunden.

„Das Quartal war operativ sehr solide“, findet Konzern­chef Christian Bruch. Für schwarze Zahlen, nach dreistelligen Millionen­verlusten im Vorjahr, hat das Windkraft­geschäft der deutsch-spanischen Siemens Gamesa gesorgt, bei der Aufträge und Umsätze aktuell stark zulegen, im Unterschied zum traditionellen Geschäft mit großen Gas­turbinen.

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50 Milliarden fließen in den fossilen Bereich

Dennoch macht Letzteres immer noch gut zwei Drittel der insgesamt leicht auf rund 13 Milliarden Euro gesunkenen Halbjahres­umsätze aus. Vom aktuell 84 Milliarden Euro umfassenden Rekord­auftragsbestand entfallen etwa 50 Milliarden Euro auf den fossilen Bereich. Und was die Profitabilität angeht, liegt der konventionelle Kraftwerks­bau bei Siemens Energy mit 4,3 Prozent operativer Marge ebenfalls vor der Wind­kraft mit 2,4 Prozent. Am nicht nur bei Umwelt­gruppen umstrittenen Geschäft mit Gas­turbinen hält Bruch deshalb ohne Ausstiegs­datum fest.

Umstrittene Gas­kraftwerke

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„Es ist alles okay, was den Ausstoß von Kohlen­dioxid nach unten bringt“, sagt er. Das seien Gas­kraftwerke, wenn sie von der Umwelt­bilanz her noch schlimmere Kohle­kraftwerke ersetzen. Weil diese Gas­kraftwerke aber dann jahrzehnte­lang laufen und eine echte Energie­wende hinaus­zögern, sieht das nicht jeder so. Mehr dem Zeitgeist entspricht Bruch beim Thema Home­office und damit verbundenen Neuerungen in der Büro­welt von Siemens Energy in Berlin, wo der Konzern­chef seinen Arbeits­platz hat.

Home­office: Büro­flächen werden verkleinert

„Der Vorstand hat dort keine eigenen Büros mehr“, erklärte Bruch. Weil Heim­arbeit zumindest in seinem Konzern auch nach der Pandemie bestehen bleibe, würden derzeit Berliner Büro­flächen in einem Pilot­projekt umgebaut und verkleinert. Andere Stand­orte sollen folgen, sobald Siemens Energy Miet­verträge kündigen kann. Das spare Geld. Bis zu einem Drittel des welt­weit 92.000 Beschäftigte umfassenden Personals arbeitet derzeit von zu Hause aus.

Hoffnung auf Programme gegen Corona-Schäden

Geschäftlich hofft Bruch auf Aufträge durch staatliche Stimulierungs­programme für die pandemie­geschädigte Wirtschaft. Profitieren könnte der seit Ende März im Dax notierende Konzern vor allem vom US‑Programm, das in einem Schwerpunkt auf Energie­infrastruktur zielt. Dazu kommen der Green Deal der EU und chinesische Programme. Welche Auftrags­dimensionen auf Siemens Energy zukommen könnten, will Bruch noch nicht abschätzen. Wirksam werde das aber ohnehin erst im neuen Geschäfts­jahr 2021/22.

Pandemie bremst Umsatz­erwartungen

Für die laufende Periode sagt Bruch nun drei bis 8 Prozent mehr Umsatz voraus. Vor drei Monaten hatte er noch bis zu 12 Prozent für möglich gehalten. Die Pandemie behindert weiter spürbar vor allem in Ländern wie Indien und Brasilien. Bei der operativen Marge glaubt Siemens Energy 2020/21 weiter drei bis 5 Prozent erreichen zu können. Darin enthalten sind aber keine Kosten für den Abbau von allein hierzulande 3000 Stellen bis 2025. Die Gespräche dazu mit Betriebs­rat und IG Metall laufen noch.

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