Seriendienst Sooner: Ein Indie-Netflix aus Deutschland geht an den Start

  • Mit Sooner startet ein weiterer neuer Streaminganbieter in Deutschland.
  • Das ungewöhnliche Konzept des Neulings richtet sich an den europäischen Markt und setzt auf Filme aus der Arthouse- und Independent-Szene
  • Mitten in der Corona-Krise könnte die Idee sogar Erfolg haben.
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Der Streamingmarkt bekommt dieser Tage einen neuen Wettbewerber: Mit Sooner ist seit Ende Juli ein weiterer Anbieter auf dem Markt, der es mit Netflix und Co. aufnehmen will. Doch braucht es noch einen weiteres Serienportal? Ja, meinen die Gründer aus Deutschland und Frankreich – schließlich gebe es noch reichlich Indie- und Arthouse-Produktionen, für die sich die Branchengrößen nicht interessieren.

“Wir wollen mit unserem Angebot den interessierten Usern eine Alternative zu den etablierten Streamingdiensten bieten”, sagt folgerichtig Andreas Wildfang, Geschäftsführer von Contentscope, der deutsch-französischen Betreibergesellschaft von Sooner. Das Versprechen ist vollmundig: Mit dem Programm wolle man die ganze Vielfalt des europäischen Films widerspiegeln, heißt es.

Dazu gehören exklusive Filme, Serien und Dokumentationen, beispielsweise das estländische Drama “The Bank”, das tief in die Abgründe der baltischen Gesellschaft der 90er-Jahre eintaucht. Auch die Dokureihe “Bastards” über den Werdegang zweier deutsch-iranischer Wrestler ist Teil des Angebots.

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Corona-Krise begünstigt Streamingboom

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Die Voraussetzungen für einen Erfolg scheinen gut: Der Start von Sooner fällt in eine Zeit, in der viele Filmliebhaber einen Bogen ums Kino machen. Während der Corona-Pandemie erlebten die Video-on-Demand-Anbieter einen regelrechten Boom. Allein der Branchenprimus Netflix verbuchte im zweiten Quartal 10,1 Millionen neue Bezahlabos, im Jahresvergleich stieg der Umsatz um satte 25 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar.

Auch der Disney-Konzern, der in der Corona-Krise eigentlich Milliardenverluste macht, setzt nun voll auf seinen neuen Streaminganbieter Disney+, der erst Ende März in Deutschland startete und bereits über 60,5 Millionen Abonnenten sein Eigen zählt. Mit Hulu soll spätestens Ende 2021 sogar noch ein weiteres Streamingangebot aus dem Hause Disney in Europa folgen.

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Sooner will nun ebenfalls im unübersichtlichen Streaminggeschehen mitmischen. Der Blick auf die Marktlage zeugt aber nicht nur vom spürbar gestiegenen Interesse am Streaming von Serien und Filmen, er offeriert auch, wie hart umkämpft und überhitzt die Situation mittlerweile ist. Ist ein weiterer Serien-Wettbewerber da wirklich nötig?

Alles, nur kein Mainstream

Für Wildfang ist die Sache klar: Die bereits bestehenden Dienste wie Netflix, Amazon, Sky und Disney – Wildfang spricht von den “großen vier” – würden die Vielfältigkeit internationaler Produktionen nicht abbilden. Stattdessen seien viele Inhalte zur Einheitsware geworden.

Sooner gehe mit seinem Angebot weiter als andere Anbieter, man setzt ganz bewusst auf alles andere als Mainstream: “Unser Ziel ist es, Unterhaltung mit Anspruch zu verbinden.”, sagt der 58-jährige Betreiber. “Inhalte, die anderswo zu kulturspezifisch oder sperrig wären, werden bei uns gezeigt.”

Viele Produktionen von Festivals bekannt

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“Mary & Mike”, eine chilenische Agentenserie in der Zeit der Pinochet-Dikatur, oder das japanische “Junichi” des gefeierten Regisseurs Hirokazu Koreeda sind Beispiele dafür. Viele der Produktionen im Portfolio von Sooner liefen bisher nur auf wichtigen Film- und Serienfestivals wie in Cannes oder dem kalifornischen Sundance Film Festival.

Aus Schweden bekommt man etwa das Filmdrama “The Real Estate” mit Schauspielerin Léonore Ekstrand in der Hauptrolle zu sehen, das 2018 bei der Berlinale für einen Goldenen Bären nominiert war. Der Firmenchef betont: “Auch Neuheiten aufstrebender Talente sollen bei uns ihren Platz bekommen.”

Eine zu Werbezwecken veröffentlichte Filmaufnahme aus "Mary & Mike". Die chilenische Dramaserie ist beim neuen Streamingdienst Sooner zu sehen. © Quelle: Sooner/Content Scope
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Parallelen zum Rundfunksender Arte

Mit ihrem Fokus auf europäische Werke weckt die neue Serien- und Filmplattform Erinnerungen an den Kultursender Arte, der in seiner Mediathek ebenfalls europäisches Film- und Seriengut aus der Nische bereitstellt. Wildfang betont die Unterschiede des Angebots: Sooner biete exklusive Inhalte an, die bei dem öffentlich-rechtlichen Programm gar nicht zur Verfügung stünden.

Gleichwohl sieht er in Arte einen Verbündeten im Geiste, auch dank der gemeinsamen deutsch-französischen Wurzeln. Daher kaum überraschend: Sooner kooperiert mit dem Rundfunksender mit Sitz in Straßburg. Die Plattform kauft Inhalte von Arte ein, die dann dauerhaft bei Sooner zur Verfügung stehen. Bald soll auch ein eigener Arte-Channel auf der Plattform folgen, in dem laut Wildfang “hochwertige Dokumentationen” gezeigt werden.

Ein reguläres Abo kostet knapp 8 Euro

Bei Sooner ist man optimistisch, dass sich genug zahlungswillige Nutzer für die neue Plattform begeistern können. Nach einer Testphase ist das reguläre Abo für monatlich 7,95 Euro zu haben. Ein Jahresabo kostet knapp 60 Euro, rund 5 Euro im Monat. Insgesamt kommt man bei Sooner also deutlich günstiger weg als bei Netflix.

Allerdings fällt auch das Angebot entsprechend geringer aus: Mit der Masse an Eigenproduktionen der Marktgiganten kann der neue Bewerber nicht mithalten. Auch verschiedene, nach Qualität und Nutzen gestaffelte Abomodelle gibt es bei Sooner nicht. Dafür können das Sooner-Abo gleich vom ersten Tag an mehrere Personen gleichzeitig nutzen.

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