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Scoperty: Umstrittenes Internetportal liefert Schätzwert für Immobilien

  • Wie viel ist mein Haus wert? Eine neue Internetplattform schätzt den Preis von Immobilien.
  • Dafür müssen Nutzer nur die entsprechende Adresse eingeben.
  • Die Immobilienwirtschaft und Verbraucherschützer kritisieren das Portal als unseriös.
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Wie teuer wäre das eigene Haus, wenn man verkaufen wollte? Die Internetplattform Scoperty will darauf eine erste Antwort geben. Nutzer müssen nur die entsprechende Adresse eingeben und sehen den Schätzwert der eigenen Immobilie – und den der Nachbarhäuser gleich dazu. Von etwa 40 Millionen Wohnimmobilien in Deutschland erfasst die Plattform nach eigenen Angaben einen Großteil – nämlich 35 Millionen. Kritik kommt von Verbraucherschützern und Experten aus der Immobilienwirtschaft, die das Portal als unseriös beschreiben.

Algorithmus berechnet Marktwert

Scoperty ermittelt den geschätzten Marktwert mithilfe von Basisdaten wie der Gebäudeadresse, der geschätzten Wohnfläche, der geschätzten Grundstücksgröße, dem geschätzten Baujahr, dem Objekttyp (Haus oder Wohnung) sowie der Anzahl an Wohneinheiten, teilt eine Sprecherin mit. Die Daten seien öffentlich zugänglich und kämen von Kataster- und Landesvermessungsämtern, dem Bundesamt für Kartographie und Geographie sowie der Deutschen Post. Außerdem arbeite man mit dem Dienstleister Infas 360 zusammen, der ebenfalls Daten zur Verfügung stelle.

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Der Schätzwert der Immobilien werde dann über einen Algorithmus ermittelt. Dieser Algorithmus werde mit Daten des Unternehmens Sprengnetter trainiert. Der Dienstleister kennt die aktuellen Immobilienpreise am Markt und bietet sein Wissen zum Beispiel Banken bei der Vergabe von Krediten an.

Immobilienwirtschaft sieht große Lücken

Die Immobilienwirtschaft sieht das Angebot von Scoperty kritisch. Maria del Carmen Weber, Vorstand des Immobilienverbands IVD-Nord und selbst Maklerin sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Die Lage, die Zahl der Wohnungen im Haus und der ungefähre Schätzpreis sind nicht einmal ein Fünftel der Daten, die ich für eine Immobilienbewertung heranziehe.“ Ob es im Haus Investitionsstau gebe, ob eine Eigentümergemeinschaft Rücklagen gebildet hat, ob die Bewohner regelmäßig Miete zahlen, all das seien wichtige Faktoren bei der Bestimmung eines Kaufpreises.

Ähnlich vorsichtig ist Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel. Den „Lübecker Nachrichten“ sagte er: „Keiner weiß, wie es in den Häusern drinnen aussieht.“ So werde vielfach ein falscher Eindruck erweckt. „Es besteht die reelle Gefahr, dass unbedarfte Verbraucher in die Falle tappen, dass sie zu viel für Häuser ausgeben.“ Das Expertengutachten oder den seriösen Makler könne das Portal nicht ersetzen. „Ein Rechtsverstoß ist für mich nicht erkennbar, aber ich mahne zu sensiblem Umgang.“

Der Geschäftsführer von Scoperty Michael Kasch verteidigt sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Da der Schätzwert eben keine klassische Wertermittlung ist, soll und kann er nur als erster Orientierungspunkt für die Bestimmung des Wertes einer Immobilie gelten.“

Eigentümer können Daten löschen lassen

Was den Datenschutz angeht, hat sich Scoperty durch eine Widerspruchsregelung abgesichert. Ähnlich wie bei Google Street View können Eigentümer und Mieter per Klick das Löschen der Daten veranlassen. Wer seine Immobilie falsch bewertet sieht, kann zudem nachbessern. Dazu müssen sich Eigentümer auf der Seite registrieren, anschließend können sie zusätzliche Daten angeben, die den Schätzwert verbessern. Genau das will Scoperty auch. Denn so wird die Datenlage immer besser und das Angebot präziser.

Sein Geld verdient Scoperty über Provisionen. Die Seite vermittelt Makler an kaufwillige Interessenten. Außerdem arbeitet das Portal mit dem Finanzvermittler Interhyp zusammen, der Käufern den passenden Kredit anbietet. Scoperty wurde im April 2019 in München gegründet. Das Unternehmen zählt derzeit 30 Mitarbeiter.

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