Schon 230 Messen wegen Coronavirus abgesagt oder verschoben

  • Messen sind naturgemäß der Treffpunkt ganzer Branchen - und ziehen deshalb Besucher aus aller Welt an.
  • Mittlerweile sind 230 Industrieschauen wegen des Coronavirus abgesagt worden.
  • In Deutschland steht manche Messe auf der Kippe - auch, weil Bürger Absagen fordern.
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Frankfurt/Main. Die Furcht vor dem neuartigen Coronavirus lähmt zunehmend das weltweite Messegeschäft. Laut einer Datensammlung der Frankfurter m+a Messemedien sind rund um den Globus bereits 230 Messeveranstaltungen abgesagt oder zumindest verschoben worden. Darunter sind 50 Veranstaltungen in Europa mit dem Schwerpunkt Italien. In Deutschland halten sich die Veranstalter mit Absagen zurück - blicken aber doch bange auf die Situation.

So in Hannover: Dort steht im April die Hannover Messe an, eine der wichtigsten Industriemessen weltweit. Noch sei es zu früh, über eine Entscheidung der Messe zu entscheiden, heißt es dort. Die Ausbreitung des Erregers und die Verschiebung anderer Messen machten aber deutlich, “dass sich die Situation tagtäglich ändern kann”, teilte die Deutsche Messe als Betreiber des Geländes in Hannover mit.

Die Leipziger Buchmesse soll stattfinden

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Sorgen bereitet das Coronavirus auch der Leipziger Buchmesse. Die soll zwar wie geplant in zwei Wochen beginnen, doch die Veranstalter haben bereits Vorkehrungen getroffen. Die Messe hat nach eigenen Angaben eine Taskforce gebildet. Der Sanitätsdienst sei auf Verdachtsfälle sensibilisiert. Zudem werde die Reinigung von Geländern, Türgriffen und der Sanitäranlagen verstärkt. Aktuell bestünden keine Einschränkungen. Die Messe stehe in ständigem Austausch mit den zuständigen Behörden und verfolge die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Auswärtigen Amtes.

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Derweil findet in Hannover derzeit durchaus eine Messe statt - allerdings unter deutlich verschärften Bedingungen. Bei der Reifenmesse Tire Technology Expo müssen Besucher und Mitarbeiter beim Einlass etwa ihre Körpertemperatur mit einem elektronischen Screening messen lassen. Die Messegäste müssten zudem schriftlich bestätigen, in den 17 Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein, keine Grippe oder Lungenentzündung zu haben und kein Träger des Coronavirus zu sein.

Petition fordert Messe-Absage

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Nach der schriftlichen Bestätigung der Besucher würden Reisepässe und Visa allerdings nicht überprüft, hieß es: “Wir verlassen uns auf die Teilnehmer, das ehrlich zu beantworten.” Ein Arzt sei ebenfalls im Einsatz, außerdem gebe es überall Spender mit Desinfektionsspray. Sicherheitsleute öffneten die Türen, damit es möglichst selten Kontakt mit Türklinken geben müsse. Chinesische Unternehmen hätten beschlossen, Mitarbeiter von anderen Standorten zu schicken.

Bei der Hannover Messe zeichnen sich indes weitere Komplikationen ab. Mit etwa 6000 Ausstellern ist die Schau im April ungleich größer als die Reifenmesse mit etwa 300 Austellern - und lockt erfahrungsgemäß zahlreiche Gäste aus aller Welt in die niedersächsische Landeshauptstadt - was einigen Bürgern angesichts des Coronavirus gar nicht gefällt. Sie haben eine Petition für eine Absage oder Verschiebung der Messe gestartet. „Es können nicht finanzielle Interessen, die sich durch die Absage der Messe sicher ergeben werden, vor den Schutz der Bevölkerung gestellt werden", heißt es zur Begründung des Anliegens.

Unklarheit darüber, wie es weitergeht

Vorerst wollen die Veranstalter allerdings abwarten, wie die “Neue Presse” aus Hannover berichtet. Allerdings wäre eine Absage einer großen Messe wegen des Coronavirus auch kein Novum mehr: In Barcelona wurde schon vor zwei Wochen der Mobile-World-Congress als weltweit größte Mobilfunkmesse wegen des Coronovirus abgeblasen.

In Deutschland wurden bislang drei Messen in Berlin, Frankfurt und Köln auf spätere Termine verlegt - doch die Zahl könnte noch steigen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen seien unabsehbar, erklärte am Donnerstag die Chefredakteurin der Fachzeitschrift “m+a report”, Christiane Appel.

RND/dpa/hö




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