Meyer-Werft-Chef: Schiffbaukrise erhöht Druck auf einfachere Jobs in Deutschland weiter

  • Bei Kreuzfahrtschiffen und Offshore-Technik sind die großen deutschen Werften noch relativ gut im Geschäft, vieles andere machen billigere Anbieter aus Asien.
  • Der Corona-Einbruch im Tourismus zwang Meyer schon zu Kürzungen – aber die Unsicherheit ist längst nicht vorbei.
  • Das Lohnniveau in Deutschland sei zu hoch, sagte Seniorchef Bernard Meyer.
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Papenburg/Berlin. Die Geschäftsführung der Meyer-Werft sieht im kriselnden deutschen Schiffbau immer weniger Perspektiven für einfachere Jobs – beim herrschenden Lohnniveau steige der internationale Wettbewerbsdruck stetig. „Wir müssen uns ständig überlegen, was wir mit deutschen Löhnen machen können und was nicht“, sagte Seniorchef Bernard Meyer der „Welt am Sonntag“.

So gingen bestimmte handwerkliche Aufträge verstärkt nach außen: „Einfache Arbeiten eines Schlossers oder Elektrikers werden wir immer weniger selbst machen.“ Anders sei das bei hoch qualifizierten Technikern: „Wir bauen auch Stellen auf, etwa in unserer Konstruktion. Heute beschäftigen wir rund 1000 Ingenieure, das können in ein oder zwei Jahren 1200 sein.“

Wettstreit mit Schiffbauern in Asien

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Die heimischen Anbieter sind bereits seit längerem in einem harten Wettstreit mit Schiffbauern aus Fernost, außerdem mit staatlich kontrollierten Unternehmen aus anderen europäischen Ländern. Im Kreuzfahrtgeschäft, das für die Papenburger besonders wichtig ist, greift auch China an. Das erste große Kreuzfahrtschiff werde dort wohl 2025 fertiggestellt, schätzt Meyer. „Mancher deutsche Politiker wird noch sein Wunder erleben. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in Europa einen eigenen Schiffbau haben wollen.“

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Zuletzt hatte die Corona-Krise die Lage vieler Werften noch brenzliger gemacht. Der Container-Handel boomt, in diesem Segment haben die deutschen Schiffbauer jedoch längst nicht mehr die früheren Marktanteile. Und die sonst so zugkräftige Kreuzfahrtsparte rutschte 2020 stark ab – das nahezu ausgefallene Tourismusgeschäft im ersten Pandemie-Jahr schlug sich indirekt auch bei Meyer nieder.

„Wir gehen noch immer durch die größte existenzielle Krise, die ich je im Schiffbau erlebt habe“, sagte Meyer der Zeitung. Das Arbeitsvolumen in seinem Unternehmen sei seit dem vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken. 2020 hätten Kreuzfahrt-Reedereien „20 Milliarden Dollar an Geld verbrannt, dieses Jahr werden noch einmal 10 Milliarden Dollar hinzukommen. (...) Neubestellungen wird es frühestens ab 2023 für die Ablieferungsjahre 2026 und später geben.“

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„Die Löhne, die wir für einfache Arbeiten zahlen, sind teilweise zu hoch“

In diesem Umfeld mangelnder Aufträge erklärte Meyer die Auslagerung von Tätigkeiten an externe Firmen mit den Personalkosten: „Die Löhne, die wir den eigenen Beschäftigten für einfache Arbeiten zahlen, sind teilweise zu hoch.“ Insgesamt lägen die Entgelte 30 Prozent über dem Niveau anderer Länder in Europa. „Das ist unser Problem.“

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Der Schiffbauer streicht allein in der Hauptsparte aufgrund der Corona-Folgen 450 von gut 3900 Arbeitsplätzen. Die Werftführung hatte zunächst geplant, mindestens 660 Stellen abzubauen. Nach einer internen Befragung der Belegschaft, die angeblich am Betriebsrat vorbeigegangen war, hatte die IG Metall die Firmenleitung heftig kritisiert – auch Gewerkschafter aus anderen Unternehmen wie VW schalteten sich in den Streit ein.

Sollte die Pandemie unter Kontrolle kommen, schätzt Meyer die mittelfristigen Aussichten wieder besser ein: „Wenn wir Corona einmal bewältigt haben, wird die Nachfrage nach einer Kreuzfahrt groß sein.“

RND/dpa

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