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Nach Sanktionen des Westens

Der Druck auf das russische Finanzsystem zeigt Wirkung

Eine Schlange bildet sich vor einem Geldautomaten der Sberbank in Moskau. Die westlichen Sanktionen gegen Russland zeigen bereits ihre Wirkung.

Hannover. Im russischen Finanzsektor zeigen die westlichen Sanktionen bereits Wirkung. Der Wert des Rubels ist gegenüber Dollar und Euro um mehr als ein Viertel abgestürzt, die russische Zentralbank versuchte, mit einer drastischen Zinserhöhung gegenzusteuern: Der Leitzins wurde auf 20 Prozent mehr als verdoppelt. Die Sberbank Europe, ein Ableger der größten russischen Bank in der EU, steht offenbar vor dem Zusammenbruch. Auch deutsche Kundinnen und Kunden kommen aktuell nicht an ihr Geld.

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Die Schweiz hat nun die EU-Sanktionen gegen Russland ebenfalls übernommen. Die Vermögen aller Unternehmen und Personen, die auf europäischen Sanktionslisten stehen, seien ab sofort gesperrt, sagte Bundespräsident Ignazio Cassis in Bern. In der vergangenen Woche hatte das Land noch unter Verweis auf seine Neutralität die Teilnahme an Sanktionen abgelehnt.

Russlands Krieg: Weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland

Der Rubel ist auf ein Rekordtief gefallen. Auf einigen Handelsplattformen stürzte er in der Nacht um mehr 40 Prozent ab.

Vermögenswerte in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro

Das Land ist ein wichtiger Finanzplatz für Russinnen und Russen. Nach Zahlen der Nationalbank lagen im vergangenen Jahr auf Schweizer Konten russische Vermögenswerte in Höhe von rund 15 Milliarden Franken (14,5 Mrd. Euro). Oligarchen wie der Putin-Vertraute Gennadi Timtschenko leben in der Schweiz. Auch die Finanzsanktionen gegen Wladimir Putin, Premierminister Michail Mischustin und Außenminister Sergej Lawrow werden jetzt übernommen.

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Russland-Aktiva und der Rubel sind an den Finanzmärkten mit dem russischen Überfall auf die Ukraine schlagartig zu Ramsch geworden.

Friedrich Heinemann,

ZEW-Institut für Wirtschaftsforschung

„Der Rubel hat mit den umfassenden Sanktionen aufgehört, eine frei konvertible Währung zu sein“, sagte Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW-Institut für Wirtschaftsforschung. Die EU, Großbritannien und die USA hatten wegen des Angriffs auf die Ukraine beschlossen, wichtige russische Banken von den Zahlungsverkehrssystemen abzukoppeln.

Außerdem blockieren sie Auslandsvermögen der russischen Zentralbank Bank Rossii. Diesem Schritt hat sich auch Japan angeschlossen. „Russland-Aktiva und der Rubel sind an den Finanzmärkten mit dem russischen Überfall auf die Ukraine schlagartig zu Ramsch geworden“, sagte Heinemann.

Wegen Sanktionen: Lange Schlangen vor Geldautomaten in Russland

Das russische Präsidialamt hat eingeräumt, dass die verschärften westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Invasion ihre Spuren hinterlassen.

Expertin: Entwicklung des Ölpreises entscheidend

Die Bank Rossii verfügt über ausländische Devisen- und Goldreserven im Wert von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Sie können zum Beispiel eingesetzt werden, um bei einem Wertverfall der Landeswährung Rubel zu kaufen. Das würde durch ein Einfrieren der Guthaben massiv erschwert. Die Zentralbank dürfte auch Guthaben bei der Deutschen Bundesbank unterhalten, wozu sich diese aber nicht äußert. Es gelte das Bankgeheimnis, hieß es in Frankfurt. Auch zu konkreten Maßnahmen gegen die Bank Rossii gibt die Bundesbank keine Auskunft.

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Mit der Zinserhöhung will die russische Zentralbank Kapital im Land halten und so den Rubel stützen, doch nach Meinung von Sandra Striffler, Devisenanalystin der DZ-Bank, wird das vorerst nicht gelingen. „Auch wenn die Notenbank eine erfahrene Krisenmanagerin ist, steht sie vor einer Mammutaufgabe“, sagte Striffler. In den nächsten Tagen seien vermutlich weitere Schritte nötig, „um den Abwärtssog des Rubels zumindest leicht abzufedern“. Mittelfristig werde allerdings die Entwicklung des Ölpreises über die russische Währung entscheiden.

Die Folgen für deutsche Kundinnen und Kunden

Die Flucht aus dem Rubel zeigt auch Wirkung bei den russischen Geschäftsbanken. Wegen einer „Verschlechterung der Liquiditätslage“ verhängte die Europäische Zentralbank (EZB) als Aufsichtsbehörde ein Moratorium über die Sberbank Europe: Die Tochtergesellschaft des größten russischen Geldkonzerns darf zunächst befristet bis einschließlich 1. März nur noch Auszahlungen bis 100 Euro leisten. Es sei „zu erheblichen Abflüssen von Einlagen“ gekommen und Besserung sei nicht in Sicht. Das Institut wurde als „ausfallend oder wahrscheinlich ausfallend“ eingestuft und gilt damit als „nicht mehr existenzfähig“.

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Die Sberbank Direkt mit Sitz in Frankfurt hatte noch bis zum Wochenende mit günstigen Tages- und Festgeldzinsen auch um deutsche Sparerinnen und Sparer geworben. Die VTB-Direktbank, ebenfalls Teil eines russischen Konzerns und mehrheitlich in Staatsbesitz, tut das auch weiterhin: „Ihr Geld ist bei uns sicher“, heißt es auf der Website.

Guthaben dort seien „so sicher wie bei jeder anderen in Deutschland ansässigen Bank“. Im Fall einer Pleite ist für die Sberbank Europe wegen ihres Hauptsitzes in Wien die österreichische Einlagensicherung zuständig, die VTB Direkt ist Mitglied im deutschen Sicherungssystem.

Die Einlagensicherung greife aber erst, wenn die Zahlungsunfähigkeit festgestellt werde, sagte David Riechmann, Bankenexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Im Fall der Sberbank müsste die österreichische Finanzaufsicht FMA den Entschädigungsfall feststellen. Die Zahlungen an deutsche Sparerinnen und Sparer würden dann im Auftrag der österreichischen Aufsicht von der Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) abgewickelt.

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