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Handel mit Russland könnte zum Erliegen kommen

Immer mehr Unternehmen fahren Geschäfte mit Russland runter

Immer mehr Unternehmen fahren ihre Geschäfte mit Russland runter. Bild: Menschen stehen in einer Bank in Moskau (Russland) an einem Schalter, um ihre Kontoangelegenheiten zu regeln. Viele Bankkunden fürchten um ihre Ersparnisse.

Berlin. Keine iPhones mehr für Russland, keine Autos von BMW und auch kein Playmobil: Immer mehr Unternehmen setzen ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine. Sie stoppen ihr Russland-Geschäft oder schränken es ein. Je tiefer russische Truppen in das Nachbarland eindringen, desto deutlicher zeichnet sich ein Rückzug internationaler Firmen aus Russland ab.

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„Wir verurteilen die Aggressionen gegenüber der Ukraine und verfolgen mit großer Besorgnis und Betroffenheit die Entwicklungen“, teilte etwa BMW mit. Der Chef der deutsch-russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, meint: „Auch für erfahrene und krisenerprobte Manager ist der Angriff auf die Ukraine ein Schock.“

Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen stehen auf dem Spiel

Die Ökonomin Lisandra Flach vermutet, dass die größte Desinvestition in so kurzer Zeit zu beobachten ist. Wird die Weltkarte des Handels gerade neu gezeichnet?

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Der Krieg von Russlands Präsident Wladimir Putin setzt aus Sicht des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft jedenfalls die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen aufs Spiel. „Je schneller die russische Regierung diesen Krieg stoppt, desto mehr ist von diesen Beziehungen noch zu retten.“

Keine Zahlungswege mehr für Russland

Täglich ziehen neue Unternehmen den Russland-Stecker, allein schon wegen der Sanktionen. Im Energiebereich dürfen bestimmte Güter nicht nach Russland gelangen. Auch in anderen Bereichen gibt es Beschränkungen, etwa für Flugzeugteile und Mikrochips.

Und einige russische Banken sind vom Zahlungsverkehr im Swift-System ausgeschlossen. Der Handel mit dem Land werde komplett zum Erliegen kommen, meint Uwe Fröhlich, der Co-Chef der DZ Bank. „Denn es gibt faktisch keine Zahlungswege mehr, die zur Verfügung stehen.“

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Unternehmen verfolgen Entwicklungen

Zehn Millionen Euro Umsatz wollte das fränkische Unternehmen Horst Brandstätter in diesem Jahr eigentlich in Russland machen. Brandstätter ist für seine Playmobil-Figuren weltbekannt und produziert auch Pflanzgefäße und Bewässerungssysteme. „Wir sind fassungslos und bestürzt über den Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine“, sagt Vorstandschef Steffen Höpfner und stoppt die Lieferungen nach Russland.

Mit dem russischen Partner Avtotor hatte BMW im vergangenen Jahr noch 12.000 Autos in Kaliningrad (Königsberg) gebaut und insgesamt 49.000 Autos in Russland verkauft. Damit ist bis auf Weiteres Schluss. „Wir verurteilen die Aggressionen gegenüber der Ukraine und verfolgen mit großer Besorgnis und Betroffenheit die Entwicklungen“, heißt es von BMW.

Wirtschaftsweise: Überschaubare Auswirkungen

Immer mehr Unternehmen stellen Stoppschilder für ihr Russland-Geschäft oder Teile davon auf: Logistiker wie Kühne + Nagel und DHL, kommunale Unternehmen wie die Messe Düsseldorf, die Containerreedereien Maersk und MSC. Siemens streicht sein Neugeschäft in Russland und stoppt internationale Lieferungen in das Land. MAN liefert keine Lastwagen und Ersatzteile mehr. In deutschen Supermarktregalen stehen immer weniger Produkte aus Russland. Aldi listete selbst russischen Wodka aus.

Der Umsatzanteil Russlands ist für viele deutsche Unternehmen gering. 2,3 Prozent des gesamten Außenhandels entfallen laut Statistischem Bundesamt auf das flächenmäßig größte Land der Erde. Selbst ein Ausfall des gesamten deutsch-russischen Handels hätte überschaubare Auswirkungen, meint die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Demnach würde das Deutschland weniger als ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten.

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Firmen haben ihr Image im Blick

Denn deutsche Unternehmen ziehen sich schon länger aus Russland zurück. Zuletzt waren nach Angaben der deutsch-russischen Auslandshandelskammer noch 3651 Firmen mit deutschem Kapital dort tätig. 2011 waren es 6300. Die Schwäche der russischen Wirtschaft und Sanktionen in Folge der Krim-Annexion ließen den Handel beider Länder schrumpfen. Ein öffentlich verkündeter Stopp eines Russlandgeschäfts - das zum einen nicht besonders groß ist und zum anderen durch Sanktionen erschwert ist - ist oft auch ein politisches Bekenntnis.

„Einerseits haben Unternehmen ihr Image im Blick und müssen das Geschäft mit Russland neu bewerten“, sagt die Außenwirtschaftsexpertin des Ifo-Instituts, Lisandra Flach. „Andererseits gehen viele Unternehmen davon aus, dass Russland in Zukunft kein attraktiver Markt sein wird.“

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Shell und BP steigen aus

So ziehen auch US-Konzerne den Stecker: Apple verkauft seine Handys, Tablets und anderen Produkte vorerst nicht mehr in Russland. Auch der Bezahldienst Apple Pay und andere Dienste sind eingeschränkt. Apps der russischen Staatsmedien RT und Sputnik sind in den App Stores außerhalb Russlands nicht mehr verfügbar.

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Der Autobauer Ford kehrt Russland den Rücken - nachdem die Präsenz in den vergangenen Jahren bereits deutlich reduziert worden war. Auch der Ölkonzern Exxonmobil ist raus. Shell und BP steigen bei den russischen Energiekonzernen Gazprom und Rosneft aus. Der österreichische Energiekonzern OMV hat eine mögliche Beteiligung an einem riesigen Gazprom-Gasfeld aufgegeben.

Preise in Russland steigen

Kremlsprecher Dmitri Peskow spricht von einem Schlag gegen die russische Wirtschaft, betont aber: „Sie wird auf den Beinen stehen bleiben.“ Moskau verweist immer wieder auf die hohen Rücklagen, die die ganze Krise auffangen sollen. Auch auf eine höhere Arbeitslosigkeit sei der Kreml vorbereitet.

Die Menschen in Russland bekommen die Krise zu spüren. Die Preise steigen. „In den Supermärkten werden Etiketten neu geklebt, weil sich Waren massiv verteuern“, sagt der Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp. „Und viele Russen kaufen auch noch rasch Technik ein, bevor die Preise steigen und der Kursverlust des Rubels noch größer wird.“

Viele Unternehmen halten an Geschäft fest

Im Moskauer Luxuskaufhaus GUM kommen die Beschäftigten mit dem Neuauspreisen nicht hinterher. Sie haben überall einfach Zettel hingelegt, dass die ausgewiesenen Preise etwa in der Juwelierabteilung nicht mehr gelten und neu berechnet werden müssen. „Es ist schwer, noch an Bargeld zu kommen. Unsere Geldkarten funktionieren schon an vielen Automaten nicht mehr“, sagt Schepp.

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Viele Unternehmen halten an ihrem Russland-Geschäft fest, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Volkswagen etwa erwägt derzeit keinen Rückzug. Bayer will dort weiter Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittel verkaufen. Briefe und Pakete können weiter mit Deutscher Post/DHL nach Russland geschickt werden. Der Agartechnikhersteller Claas will weiter Mähdrescher und Großtraktoren in Krasnodar bauen. Auch die Großhandelskette Metro bleibt.

Andere Märkte werden gebraucht

Die Unternehmen betonten jeweils die große Bedeutung ihrer Produkte für die Russen. „Wir empfinden auch eine Verantwortung für unsere mehr als 10.000 Mitarbeiter in Russland, die keine persönliche Verantwortung für die Aggression gegen die Ukraine tragen“, sagt ein Metro-Sprecher.

Doch den Trend raus aus Russland hat der Krieg beschleunigt. Eine Neuausrichtung läuft. Andere Märkte werden gebraucht. Erst wenige Stunden vor der Invasion hatte Industriepräsident Siegfried Russwurm den Blick Richtung Nordamerika gelenkt. „Eine starke transatlantische Partnerschaft ist wichtiger denn je“, erklärte er in seiner Funktion als Vorsitzender der Transatlantic Business Initiative. Es gehe nicht nur darum, die Handelsbeziehungen zu festigen, „sondern um weltweit unsere Vorstellungen für erfolgreiches Wirtschaften zu stärken gegenüber staatlich gelenkten, nicht-marktwirtschaftlichen Strategien“.

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RND/dpa

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