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  • Saarland-Modell: Warum dieser Restaurant-Besitzer nicht öffnet, obwohl er dürfte

Saarbrücker Gastronom öffnet nicht: „Die Lage ist mir zu unsicher“

  • Das Saarland erlaubt Öffnungsschritte: Auch die Außenbereiche der Gastronomie dürfen teilweise wieder öffnen.
  • Doch viele Gastronomen machen davon gar keinen Gebrauch.
  • Im Interview erklärt Biergarten- und Restaurantbetreiber David Sapong, warum er weiter nur Getränke und Speisen zum Mitnehmen anbietet.
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Im Saarland dürfen Restaurants wieder Gäste empfangen – allerdings nur im Außenbereich. Außerdem ist ab fünf Personen an einem Tisch oder mehr als zwei Haushalten die Vorlage eines negativen Corona-Tests nötig. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbands (Dehoga) nutzen nur wenige Gastronomen diese neue Möglichkeit. Lediglich 18 Prozent der saarländischen Mitglieder gaben an, gleich am ersten Tag öffnen zu wollen, falls das Wetter mitspiele. 20 Prozent sprachen von einer möglichen Öffnung innerhalb der ersten Woche, für ganze 60 Prozent ist der Zeitpunkt aber noch zu früh.

So sieht es auch David Sapong. Der Gastronom betreibt den Biergarten Ulanen Pavillon und das Restaurant Ulanen Hof in Saarbrücken.

„Für dieses unkalkulierbare Risiko ist uns der Aufwand zu groß“: David Sapong, Gastronom aus Saarbrücken © Quelle: Ulanen Gastro GmbH
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Herr Sapong, Sie bieten im Biergarten weiter nur Getränke und Speisen zum Mitnehmen an, das Restaurant bleibt ganz geschlossen. Warum öffnen Sie nicht wieder, Sie dürften es ja...

In unserem Biergarten haben wir ein To-go-Geschäft. Nebenan ist eine große Liegewiese und da sind immer viele Leute vor Ort, auch wenn wir keine Tische und Bänke zur Verfügung stellen. Alles weitere war uns in der jetzigen Situation einfach zu unsicher – wer weiß, ob die Politik in einer Woche entscheidet, dass es doch wieder einen harten Lockdown gibt und die Gastronomie wieder schließen muss. Für dieses unkalkulierbare Risiko ist uns der Aufwand zu groß, wir müssen ja Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen und neue Saisonkräfte einstellen, wir müssen Ware bestellen und die Kontaktnachverfolgung sicherstellen. Und dann muss auch noch das Wetter mitspielen.

Und sie müssten kontrollieren, ob die Gäste einen negativen Corona-Test haben...

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Nach meiner Information darf man im Saarland so wie im privaten Rahmen auch in der Gastronomie zusammenkommen. Das bedeutet, zwei Haushalte unter fünf Personen können auch in der Gastronomie ohne Test zusammensitzen. Wenn man also zu zweit ein Bier trinken geht, ist das kein Problem. Wenn es aber mehr als zwei Personen sind, dann könnten die ja aus drei Haushalten kommen und dann müsste ich einen negativen Corona-Test verlangen, damit ich auf der sicheren Seite bin.

Sie müssten auch die Kontaktdaten aufnehmen – ist das ein Problem?

Das haben wir ja im letzten Jahr schon gehabt. Anfangs war das eine riesige Zettelwirtschaft. Wir haben bei uns in der Gastronomie einen Durchlauf von etwa 1000 bis 1500 Leuten am Tag. Als da jeder einen Zettel ausgefüllt hat, haben wir jede Woche zwei Aktenordner voll gemacht. Wir haben das System dann irgendwann auf QR-Codes umgestellt, das heißt, jeder hat beim Reinkommen einen QR-Code mit dem Handy gescannt und kam dann auf eine Internetseite, um sich zu registrieren. Das funktioniert eigentlich gut. Aber auch dafür brauchen wir Mitarbeiter, die kontrollieren, dass sich alle registrieren und die gegebenenfalls helfen. Wir überlegen jetzt, ob wir die Luca-App nutzen sollten, weil die an die Gesundheitsämter angebunden ist.

Mit mehr Gästen bräuchten sie ja auch mehr Ware. Haben Sie Bedenken, am Ende darauf sitzenzubleiben?

Ja sicherlich. Im Moment bestellen wir immer nur kleine Mengen und müssen dafür mehrmals die Woche einkaufen gehen. Das ist auch eine Herausforderung, aber die ist noch zu meistern. Wenn die Temperaturen über 20 Grad klettern, dann wird am Biergarten so viel los sein, dass wir große Mengen brauchen werden. Und wenn dann am nächsten Tag beschlossen wird, dass die Gastronomie wieder komplett zumachen muss, dann sitzen wir auf der Ware. Das ist uns im November auch passiert. Da hatten wir am Biergarten ein Zelt aufgestellt, extra Heizpilze angeschafft und wollten so über den Winter noch ein kleines bisschen Geschäft machen. Dann wurde die Gastronomie im November aber komplett geschlossen und seitdem sitzen wir auf unserem Fassbier. Ich hatte noch eine relativ große Menge vor dem Winter gekauft, wie sich jetzt herausgestellt hat, war das ein Fehler. Das Bier ist teilweise auch schon abgelaufen.

Grundsätzlich, haben Sie sich ein Saarland-Modell gewünscht oder weckt das eine falsche Erwartungshaltung bei den Gästen?

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Das ist schwer zu beantworten. Auf der einen Seite denke ich manchmal, hätte man doch im November drei Wochen lang einen harten Lockdown gemacht, dann wären die Inzidenzen jetzt auf einem ganz anderen Level und wir hätten viel früher wieder alles öffnen können. Das ist ja nicht passiert, die Inzidenzwerte sind derzeit hoch und in diesem Moment zu lockern – ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Auf der anderen Seite wird ja immer wieder gesagt, dass es in der Außengastronomie eigentlich keine Ansteckungsgefahr gibt. Deshalb bin ich als Gastronom schon dafür, so ein Modell mal auszuprobieren. Aber es könnte eben sein, dass die jetzt geltenden Regeln in ganz kurzer Zeit vom Bund wieder gekippt werden. Außerdem ist das Ampelsystem im Saarland sehr schwammig formuliert. Es ist nicht ganz klar, ab welchem Wert die Ampel auf rot springt. Und das macht es für mich einfach schwer zu planen.

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