Ryanair in der Krise: Fluggesellschaft plant massive Gehaltskürzungen

  • Die Fluggesellschaft Ryanair setzt im Kampf gegen die Corona-Krise auf ein großes Sparpaket.
  • Dieses beinhaltet nicht nur mehrere Standortschließungen, sondern auch Gehaltskürzungen bei Mitarbeitern.
  • Verhandlungen mit den Gewerkschaften kommen nicht richtig voran.
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Swords. Der Billigflieger Ryanair will Standorte hierzulande verlagern, Gehälter massiv kürzen und Stellen abbauen. Als Erstes soll es den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz treffen. Die Iren kündigten an, ihre Basis im Hunsrück zum 1. November zu schließen. Schon diese Woche sollen die ersten Kündigungen an Piloten und Flugbegleiter verschickt werden.

Ryanair will Grundgehalt streichen

“Noch sind wir am Verhandeln”, sagte Susana Ventura, Verdi-Gewerkschaftssekretärin, am Mittwoch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Gespräche für die Konditionen der Flugbegleiter seien fortgeschritten, aber die Positionen beider Seiten noch weit voneinander entfernt.

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Das Management verlange Gehaltskürzungen von 5 bis 10 Prozent für fünf Jahre ohne Jobgarantie. Außerdem solle es kein Grundgehalt mehr geben. Die Flugbegleiter sollen nur noch bezahlt werden, wenn sie tatsächlich fliegen. “Für das Unternehmen geht es um relativ geringe Summen, doch für die Betroffenen geht es um sehr viel.”

Flugplan wegen Corona-Pandemie stark eingeschränkt

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Zahlreiche Kolleginnen hätten in den vergangenen Monaten schon massive Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, deshalb sei es umso schwerer, dauerhaft auf Geld zu verzichten. Eine Bezahlung nach der Zahl der Einsätze mache aktuell die Sache besonders prekär. Der Flugplan der Iren ist wegen Corona noch stark eingeschränkt.

Und es gehe nicht nur um Hahn, betont Ventura. Insgesamt sind laut Verdi aktuell bundesweit die Jobs von 250 Frauen und Männern bedroht, die in der Kabine arbeiten. Auch die Basen in Berlin (Tegel) und Weeze am Niederrhein sollen noch in diesem Jahr geschlossen werden. Das bedeutet, dass dort keine Flugzeuge mehr fest stationiert wären – die Crews kehren in der Regel abends zu ihren Heimatflughäfen zurück.

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Pilotengewerkschaft lehnt Gehaltskürzungen ab

Auf den drei Airports würden zwar dann immer noch Jets des Konzerns landen, aber deutlich weniger als zuvor. Besonders Hahn und Weeze sind massiv von dem irischen Billigflieger abhängig, dessen hiesige Beschäftigte seit Jahresbeginn nicht mehr bei der Muttergesellschaft, sondern bei der Tochter Malta Air angestellt sind.

Die Lage ist eskaliert, weil eine knappe Mehrheit in der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Gehaltskürzungen abgelehnt hat. Für 170 Flugzeugführer in Deutschland sollte es laut VC eine flexible Kurzarbeit, eine Vergütung lediglich für geflogene Flugstunden bei einem drastisch reduzierten Stundensatz und “bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung” geben.

20 Prozent weniger Gehalt für vier Jahre für Piloten

Malta Air wollte eine Beschäftigungssicherung nur bis März 2021 gewährleisten. Die Einschnitte sollten aber bis 2024 gelten. Nach Monaten der “sporadischen Gespräche” seien diese Forderungen als “nicht weiter verhandelbar” dargestellt worden, so VC-Sprecher Janis Schmitt.

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Auch der Vorstand der Pilotengewerkschaft hat sich gegen eine solche Vereinbarung ausgesprochen, weil sie “sowohl den betroffenen Mitgliedern bei Malta Air als auch der gesamten Pilotenschaft deutschlandweit” schaden werde – das Gehaltsniveau für die Leute im Cockpit wäre dauerhaft deutlich abgesenkt worden. Die VC betont: “Der Arbeitgeber wäre gut beraten, jetzt schnell zurück an den Verhandlungstisch zu kommen.”

Ryanair erklärte, der Sparplan sehe 20 Prozent weniger Gehalt für vier Jahre vor. Mehr als 70 Prozent der Flugzeugführer im Konzern hätten bereits einer Regelung zugestimmt. Mit ihrem Nein habe die VC nun für Stellenstreichungen und Basisschließungen gestimmt, dabei hätte sie alle Jobs sichern können, so Personalchef Shane Carty.

Lauda-Basis in Stuttgart soll geschlossen werden

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In Irland wurden die Gewerkschaften umgangen, mit den Piloten wurden individuelle Vereinbarungen getroffen. In Österreich bei der Tochter Laudamotion haben Piloten und Flugbegleiter Einbußen erst akzeptiert, als ihnen mit der Schließung des Standorts Wien gedroht wurde. Hierzulande soll die Lauda-Basis in Stuttgart dichtgemacht werden, Beschäftigte haben deutlich verschlechterte Arbeitsbedingungen abgelehnt.

Auch am Düsseldorfer Flughafen wird Angestellten mit der Kündigung gedroht, wenn sie Lohnkürzungen nicht akzeptieren. Gewerkschafter hoffen in beiden Fällen, dass der Gesprächsfaden wieder aufgegriffen wird. “Aber im Moment sieht es nicht danach aus”, räumt Ventura ein.

Neue Flugbegleiter stehen schon in den Startlöchern

Für viele Beobachter ist klar, dass es Ryanair nicht nur darum geht, die Corona-Folgen zu bewältigen, sondern die Personalkosten dauerhaft für die Zeit nach der Pandemie zu drücken. So weisen Gewerkschafter darauf hin, dass derzeit im Trainingszentrum in Hahn schon neue Flugbegleiter bereits ausgebildet würden.

Und VC-Sprecher Schmitt hält für bemerkenswert: “Neueinstellungen will sich der Arbeitgeber in dieser Gemengelage zu nochmals herabgesetzten Bedingungen offenhalten.” Während Malta Air laut Medienberichten in einem internen Schreiben “bei weiteren Standorten einen erheblichen Personalüberhang” sieht.

Ryanair konzentriert sich auf zentrale Flughäfen

Die Iren sind derzeit an 21 meist kleineren Flughäfen hierzulande aktiv. Doch die VC verweist darauf, dass Ryanair angekündigt hat, seine Chancen auf dem deutschen Markt wahrzunehmen, und bei der Vergabe von Start- und Landerechten in Frankfurt und München mitbieten wolle.

Die Lufthansa muss im Zuge des staatlichen Rettungspakets an den beiden größten deutschen Airports jeweils 24 Slots abgeben, die es erlauben, dort insgesamt acht Maschinen zu stationieren. Die Iren hatten sich schon vor der Krise stärker auf die zentralen Flughäfen konzentriert.

Um die Personalkosten wird bei Ryanair so hart gekämpft, weil dies der mit weitem Abstand wichtigste Faktor ist, um billige Tickets anbieten zu können. Denn alle Airlines fliegen mit den gleichen Jets und dem gleichen Kerosin. Die geringen Kosten der Iren erhöhen die Profitabilität. Dies spiegelt sich im Aktienkurs. Der Billigflieger ist an der Börse mit aktuell 12,5 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wert wie der Konkurrent Lufthansa, der es nur auf 5,1 Milliarden Euro bringt.

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