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Russische Gasspeicher bereits am Limit

Gaslieferungen massiv gedrosselt: Was macht Russland mit all dem nicht exportierten Gas?

Der russische Staatskonzern Gazprom verkauft weniger Gas nach Europa – was passiert stattdessen mit dem Gas?

Im vergangenen Jahr machte russisches Gas einen Anteil von 55 Prozent am Gesamt­verbrauch in Deutschland aus. Seit Oktober ist der Anteil jedoch auf 40 Prozent gesunken. In der Branche wird schon länger gerätselt und spekuliert, was mit dem Gas aus Russland passiert. Bis März förderte Russland weiterhin große Mengen Gas, obwohl die Exporte bereits drastisch zurückgegangen waren. Dann begannen russische Gaskonzerne die Produktion zu drosseln.

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„Fachleute im Westen haben immer gedacht, dass Russland Schwierigkeiten dabei hat, die Produktionsanlagen herunterzufahren“, erklärt Gasexperte Andreas Schröder vom Energiemarktforschungsdienst ICIS. Man hatte geglaubt, dass die Anlagen so alt seien, dass sie sich nicht so leicht abschalten lassen. Die Produktionsdaten bestätigten aber laut Schröder eine Drosselung der Fördermenge.

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Theoretisch könnte Russland das nicht exportiere Gas in russischen Speichern zwischenlagern. Im April erklärte der russische Gaskonzern Gazprom, die heimischen Speicher auf 72,6 Milliarden Kubikmeter Gas bis Ende Oktober auffüllen zu wollen. Dies stelle nach eigenen Angaben einen Rekordwert dar. Doch aufgrund der geringeren Exportmenge in den Westen steigen die Füllstände offenbar deutlich schneller an. Öffentliche Daten über die russischen Füllstände gibt es nicht. In der Branche glauben aber längst viele, dass die russischen Gasspeicher bereits nahezu voll sind. Auch Experte Schröder geht davon aus. „Ziel ist ein Füllstand von 100 Prozent, den Russland bereits in diesem Sommer erreichen wird.“ So viel Gas in den Speichern sei wirklich außergewöhnlich. Neue Gasspeicher würde Russland allerdings nicht kurzfristig bauen können, um die Speicherkapazitäten auszubauen.

Ähnlich hatte sich vor einigen Wochen bereits der US-Investor George Soros zu den Füllständen geäußert. „Es wird geschätzt, dass die russische Speicherkapazität bis Juli voll sein wird“, schrieb der Milliardär in einem Brief. Wenn Putin Europa nicht mehr beliefert, müsse er Quellen in Sibirien schließen. Etwa 12.000 Gasquellen seien betroffen. „Es braucht Zeit, sie zu schließen, und wenn sie einmal geschlossen sind, sind sie aufgrund des Alters der Ausrüstung schwer wieder zu öffnen“, so Sorros.

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Aufgrund fehlender Pipeline-Infrastruktur kann Russland das Gas auch nicht nach China oder in andere asiatische Länder umleiten. Es gibt zwar unter anderem mit der Pipeline „Power of Siberia“ eine Verbindung bis zur chinesischen Grenze. Doch bei den Gasfeldern, die an diese Pipeline angeschlossen sind, handelt es sich um ganz andere als für die Gasversorgung in Europa. Sie befinden sich zu weit westlich und sind nicht mit den Pipelines nach Asien verbunden. Russland arbeitet bereits daran, zukünftig mehr Gas nach Asien umleiten zu können. Aber dies dauert laut Schröder noch viele Jahre. Die Exporte nach China sollen aber mittelfristig deutlich steigen: Hatte Russland im vergangenen Jahr noch 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China geliefert, sollen es bald 100 Milliarden sein.

In sehr kurzer Zeit könnte Russland aber zumindest die Jamal-Felder an die Leitungen in Richtung China anschließen und so die Liefermenge in Richtung Asien erhöhen. Kurzfristig gibt es auch noch weitere Möglichkeiten: „Russland könnte Gas von den Jamal-Feldern im äußersten Norden über das Jamal-LNG-Terminal mit Eisbrechern exportieren“, erklärte Schröder. Eine Lösung für größere Mengen Gas ist dies aber nicht. Denn die bestehende LNG-Infrastruktur ist bereits voll ausgelastet. Eine Ausweitung der Liefermengen an Belarus, Armenien, Serbien und den Kaukasus wäre ebenfalls möglich. Dort befinden sich laut Schröder auch noch kleine Speicher, die befüllt werden können.

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In die EU liefert Russland ebenfalls weiterhin Gas. Über die Turk-Stream-Pipeline und über Österreich gelangt zum Beispiel russisches Erdgas nach Ungarn. Das Land hatte erst im Oktober einen neuen Vertrag mit Gazprom abgeschlossen. LNG-Schiffe aus Russland haben auch nach Spanien im vergangenen Monat so viel Gas gebracht wie noch nie zuvor. In diesem Monat will Spanien aber wieder weniger russisches Gas importieren.

Russland bleibt noch die Option, den eigenen Gasverbrauch zu erhöhen und zum Beispiel mehr Gaskraftwerke zur Stromproduktion einzusetzen. Als Notlösung müsste Russland überschüssiges Gas abfackeln. „Das würde Russland aber nicht in großen Mengen machen“, glaubt Gasexperte Schröder, sondern würde eher mehr LNG-Schiffe füllen oder Gas im Inland so billig machen, dass der industrielle Verbrauch deutlich steigt.

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