Das Bezos-Imperium: Amazon macht den Alltag zu seinem Geschäft

  • Gründer Jeff Bezos wechselt in den Hintergrund.
  • Die Profitmaschine Amazon wird trotzdem weiterlaufen.
  • Doch die Macht des Konzerns muss begrenzt werden, meint RND-Redakteur Stefan Winter.
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Im Sport gibt es die „kompletten“ Spieler – Leute, die alles können und das meiste besser als die anderen. So einer ist Jeff Bezos in der Liga der Internetunternehmer.

Jeder der Kollegen hat seine Grenzen. Larry Page und Sergey Brin hatten die Google-Idee, überließen das Konzernmanagement aber schnell den Profis. Mark Zuckerberg machte Facebook groß – aber es blieb Facebook. Elon Musk ist das ewige Wunderkind, das einen Leuchtturm neben den anderen baut. Satya Nadella und Tim Cook managen Microsoft und Apple brillant, haben aber nie von null aufgebaut.

Mit keinem von ihnen wäre Amazon geworden, was es heute ist: eine Profitmaschine, deren Rädchen fein ineinandergreifen. Sie wird weiterlaufen, auch ohne ihren Schöpfer an der Spitze. Entsprechend gelassen reagiert die Börse auf Bezos’ Rückzug.

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Gewinngarantie: Wünsche ahnen, bevor sie entstehen

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Denn Amazon ist mehr als der größte Onlinehändler der Welt, der alles liefert vom Ladekabel bis zum Lippenstift. Sprachassistent Alexa erhört Wünsche, wo immer wir sind. Ihr Lautsprecher Echo steht in Wohn- und Schlafzimmern, wird eingebaut in Autos und Kaffeemaschinen. Amazon Prime bespaßt uns, wenn wir gerade nur schweigend herumsitzen wollen.

Und nicht nur das: Auch die Infrastruktur dahinter kontrolliert Amazon – die Lieferketten, die Filmproduktion, die Rechenzentren. Niemand sonst spinnt Kunden so konsequent in sein Netz ein, alles mit einem Ziel: Wünsche ahnen, bevor sie entstehen, und dann die gewinnoptimierte Erfüllung empfehlen. Alltag in Amazonien – das Leben ein Geschäftsmodell.

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Öffentliche Rolle auf mehrere Schultern verteilen

Das ist unternehmerisch so faszinierend wie gesellschaftlich verstörend. Wer die Macht der Techgiganten eingrenzen will, vielleicht gar durch Zerschlagung – der wird bei Amazon anfangen. Die nötige Diskussion darüber hat in den USA und in der EU längst begonnen, und sie wird Fahrt aufnehmen. Das dürfte einer der Gründe sein, warum Jeff Bezos in den Hintergrund wechselt. Denn nun kann Amazon die öffentliche Debatte mit verteilten Rollen bestreiten.

Der neue Konzernchef Andy Jassy wird noch in mancher Kartell- und Datenschutzanhörung des US-Senats oder EU-Parlaments sitzen. Der legendäre Gründer kann derweil mit Stiftungsarbeit und Kontakten auf höchster Ebene Wärme verbreiten. Und dabei vergessen machen, dass er sein Unternehmen eigentlich „relentless“ nennen wollte – unnachgiebig.

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