Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Was kommt auf Deutschland zu?

Strikter Plan: Wo Habeck noch mehr Gas sparen will

Will noch mehr Gas in Deutschland einsparen: Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Will noch mehr Gas in Deutschland einsparen: Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Frankfurt am Main. Das Erdgas fließt wieder durch die Nord-Stream-Pipeline. Doch das ist kein Grund für eine Entwarnung. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat vielmehr ein zusätzliches Paket zur Sicherung der Energieversorgung angekündigt. Wir erläutern, was auf Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen zukommt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Wie will Habeck Erdgas sparen?

Das am Donnerstagnachmittag vorgelegte Konzept sieht vor, auf mehreren Ebenen gleichzeitig den Verbrauch zu drücken. Dazu gehören auch Vorgaben beim Heizen von Wohnungen. Insbesondere will Habeck Mieterinnen und Mietern die Möglichkeit geben, die Heizung herunterzudrehen. Derzeit gebe es häufig Verpflichtungen für Mindesttemperaturen. Wenn Mietende dann weniger heizen wollten, würden sie gegen die Mietverträge verstoßen. Diese Regelungen sollen vorübergehend ausgesetzt werden, damit Mietende, „die die Heizung herunterdrehen wollen, dies auch tun dürfen“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Trotz Gas über Nord Stream 1: Russland kein „verlässlicher“ Energiepartner

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat davor gewarnt, Gaslieferungen durch Nord Stream 1 als Zeichen der Verlässlichkeit Russlands zu werten.

Welche weiteren Einschnitte sind geplant?

Habeck kündigte Verordnungen für öffentliche Einrichtungen und Bürogebäude an. So sollen Räumlichkeiten, in denen sich Beschäftigte nicht regelmäßig aufhalten, nicht mehr beheizt werden – gemeint sind etwa Flure, Treppenhäuser, Foyers oder Technikräume, sofern technische Anforderungen wie zum Beispiel für Serverräume nicht dagegen sprechen. Zudem soll mit Arbeitgebern, Betriebsräten und Gewerkschaften über Einsparungen in Büros und anderen Betriebsstätten verhandelt werden. Dazu zählt auch mehr Homeoffice. Das mache aber nur Sinn, wenn das Büro, das dann leer stehe, auch nicht mehr beheizt werde, so Habeck.

Ein Gastank in Groningen

Erdbeben drohen Hoffnung platzen zu lassen: Rettet uns Gas aus den Niederlanden?

Weil sie Moskau nicht mehr so recht trauen, setzen die Deutschen auf Nachbarschafts­hilfe von den Niederlanden. Aber: Wegen Erdbeben, die ganze Dörfer zerstört haben, ist in dem Gasfeld an der Grenze ein Förderstopp verhängt worden. Lässt sich das ändern?

Will die Bundesregierung auch stärker in den Energiemarkt eingreifen?

Ja. So soll die sogenannte Braunkohlereserve zum 1. Oktober, also mit Beginn der Heizsaison, aktiviert werden. Dabei handelt es sich um mehrere ältere Kraftwerksblöcke, die die Betreiber bereits in Bereitschaft halten. Dies soll helfen, Gaskraftwerke, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen, zu entlasten. Die Reserve bei den Steinkohlekraftwerken ist bereits hochgefahren worden. Zudem will der Minister eine schnellere Befüllung der unterirdischen Gasspeicher erreichen: Sie sollen zum 1. September zu 75 Prozent gefüllt sein, zum 1. Oktober statt wie bisher zu 80 Prozent dann zu 85 Prozent und zum 1. November statt 90 zu 95 Prozent. Zudem ist eine Verordnung geplant, um Gasnachfrage aus dem Markt herauszunehmen zu können. Details darüber wurden zunächst nicht genannt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Habeck kündigt zusätzliches Energiesparpaket an

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat ein weiteres Paket zur Energiesicherung in Deutschland vorgestellt.

Wie weit sind wir von einem Notstand mit Rationierungen entfernt?

Der Notstand droht nicht unmittelbar, sondern erst im kommenden Winter. Die Bundesnetzagentur (BnetzA) teilte am Donnerstag in ihrem täglichen Lagebericht mit: Sollten die russischen Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiterhin auf dem niedrigen Niveau – gemeint sind 700 Gigawattstunden täglich – verharren, sei ein Füllstand der Gasspeicher sogar für die bisher geplanten 90 Prozent bis November „kaum mehr ohne zusätzliche Maßnahmen erreichbar“. Der größte Gasverbrauch fällt temperaturbedingt hierzulande im Januar und Februar an. Derzeit sind die Speicher zu rund 65 Prozent gefüllt. Das ist zwar ein relativ hoher Wert. Die BnetzA betont aber: „Aktuell wird mengenmäßig ungefähr so viel ausgespeichert wie eingespeichert.“ Gasunternehmen nutzen ihre Reservoire, um ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen.

Wie viel Gas wird überhaupt wieder aus Russland geliefert?

Habeck betonte, Gas werde zwar wieder über die Pipeline Nord Stream 1 gepumpt, aber viel weniger als möglich. Russland sei ein „unsicherer Kantonist“. Klaus Müller, Präsident der BnetzA, teilte auf Twitter mit, dass die realen Gasflüsse „das Vorwartungsniveau von 40 Prozent der Auslastung“ erreichten. Nach den Daten der Nord Stream AG wurde stündlich Erdgas mit einem Energiegehalt von 29,3 Gigawattstunden gen Westen geliefert. Diese Mengen wurden auch für den Freitag angekündigt. Das würde auf eine tägliche Lieferung von knapp 700 Gigawattstunden hinauslaufen. Das sind die 40 Prozent, die Müller erwähnt hat. Die Gasmengen waren am 11. Juli wegen Wartungsarbeiten auf null heruntergefahren worden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Russisches Gas fließt wieder – doch Erleichterung hält sich in Grenzen

Nach einem zehntägigen Lieferstopp, aufgrund einer Wartung, fließt wieder russisches Gas nach Deutschland. Doch wie geht es jetzt weiter?

Wie wird es mit dem russischen Gas weitergehen?

Man habe alle geplanten Wartungsarbeiten „innerhalb des vorgesehenen Zeitraums erfolgreich abgeschlossen“, teilte die Nord Stream AG mit, an der der russische Staatsmonopolist Gazprom die Mehrheit hält. Anteilseigner sind auch die deutschen Energiekonzerne Eon und Wintershall Dea. Müller twitterte: „Die politische Unsicherheit und die 60%ige Kürzung von Mitte Juni bleiben leider bestehen.“ Die schlimmsten Befürchtungen hätten sich zwar nicht bestätigt. Er erinnerte aber an jüngste Aussagen von Kremlchef Wladimir Putin, die darauf hindeuteten, dass die Lieferungen auf 20 Prozent der maximalen Kapazität der Nord-Stream-Leitung absinken könnten. Putin hatte gewarnt, es könne schon Ende Juli „aus technischen Gründen“ wieder deutlich weniger gepumpt werden. Er verwies auf Aggregate, die repariert werden müssten. Die Bundesregierung hält dies für vorgeschoben. Müller betonte, Deutschland sei Russland beim Erdgas momentan ausgeliefert.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, Inc., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Gibt es weitere Möglichkeiten, um einen Engpass zu vermeiden?

Die Kapazitäten für den Import aus anderen Ländern – aus Norwegen und über Belgien und die Niederlande – sind weitgehend ausgeschöpft. Genau deshalb setzt die Bundesregierung jetzt alles auf eine Reduzierung des Verbrauchs. Entlastung könnte kommen, wenn die beiden geplanten schwimmenden Flüssiggasterminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven Anfang 2023 tatsächlich in Betrieb gehen können. Nach Schätzungen von Experten lässt sich damit die Abhängigkeit von russischem Gas von derzeit rund 30 Prozent auf 20 Prozent reduzieren. Der Verband „Zukunft Gas“ mahnte am Donnerstag an, dass zudem die Genehmigungen für mehrere stationäre Anlagen zügig kommen müssten, damit diese ab 2026 verfügbar seien.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wie sieht es mit den Gaspreisen aus?

Im Großhandel hat sich der Gaspreis zwar etwas entspannt. Aber Importeure müssen für Lieferungen im vierten Quartal derzeit gut das Siebenfache im Vergleich zum Vorjahr zahlen. Die BnetzA macht auch deshalb darauf aufmerksam, dass Unternehmen und private Verbraucherinnen und Verbraucher sich „auf deutlich steigende Gaspreise“ einstellen müssten. Habeck kündigte an, dass es zusätzliche finanzielle Entlastungen für private Haushalte gebe, wenn die neuen Tarife wirksam würden. Das dürfte insbesondere nach dem Jahreswechsel der Fall sein.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Top Themen

Energiekosten
 
49-Euro-Ticket
 

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken