Umstellung als „Mammutaufgabe“

Teuer, aber umweltfreundlich: Wie Habeck grünen Stahl in den Markt drücken will

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, steht auf dem Werksgelände von Stahlproduzent Thyssenkrupp (Archivbild).

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, steht auf dem Werksgelände von Stahlproduzent Thyssenkrupp (Archivbild).

Wichtige Grundstoffe wie Stahl oder Zement sollen künftig möglichst klimaneutral hergestellt werden. Das ist das Ziel von Bundes­wirtschafts­minister Robert Habeck (Grüne). An diesem Mittwoch hat Habeck die Strategie vorgestellt, mit der er diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näherkommen will.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Sogenannte „grüne Leitmärkte“ sollen die Nachfrage nach klimafreundlich produzierten Grundstoffen stärken und zur Verbreitung der bislang häufig nur in Pilotanlagen vorhandenen Technologien beitragen. Mittel- bis langfristig sollen klima­freundliche Stoffe dadurch günstiger werden und eines Tages im Wettbewerb mit konventionell produzierten Gütern bestehen können.

Laut Robert Habeck ist Transformation der Industrie eine „Mammutaufgabe“

Dass der Weg dahin ein weiter ist, räumt der Minister ein. Eine „Mammut­aufgabe“ sie die Transformation der Industrie hin zur Klima­neutralität, sagte Habeck am Mittwoch. „Unsere Vision ist das Windrad aus grünem Stahl, das auf einem Fundament aus grünem Zement fußt, und das E-Auto, das nicht nur CO₂-frei fährt, sondern auch aus grünem Stahl hergestellt wurde“, so der Grünen-Politiker. Funktionieren werde das aber nur, wenn Angebot und Nachfrage nach klimaneutralen Produkten miteinander Schritt hielten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

An der Angebots­seite hat Habecks Haus in den vergangenen Monaten eifrig gewerkelt – unter anderem, indem milliarden­schwere Fördermittel für den Aufbau einer Wasserstoff­wirtschaft verteilt wurden. Mit den grünen Leitmärkten nimmt der Minister nun die Nachfrage­seite in den Blick.

Klima-Kompass

News und Entwicklungen rund um den Klimawandel. Jeden Freitag in diesem Newsletter.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Als ersten Schritt legt Habeck Definitionen vor, unter welchen Umständen die energie­intensiven Grundstoffe Stahl und Zement sowie die Basis­chemikalien Ammoniak und Ethylen als klima­freundlich gelten. Dazu hat das Wirtschafts­ministerium in den vergangenen Monaten einen branchen­übergreifenden Dialog mit Unternehmen, Umwelt­verbänden und Wissenschaft geführt.

Die Definitionen umfassen mehrere Seiten und orientieren sich auch an Vorschlägen internationaler Akteure wie der Internationalen Energie­­agentur (IEA). Sie sehen für jeden Grundstoff verschiedene Qualitäts­stufen vor, deren Erreichen vom Klimagas­ausstoß bei der jeweiligen Produktions­technik abhängt. Die beste Stufe und damit der neue Goldstandard heißt „near zero“. Aufbauend auf diesen Definitionen, sollen Label und Kennzeichnungs­systeme entwickelt werden, die den unkomplizierten Handel mit klima­freundlichen Grundstoffen ermöglichen. Die Stahlbranche hat ein entsprechendes Labelsystem bereits entwickelt und jüngst bei der Hannover Messe präsentiert.

Markt für klimafreundlichen Stahl soll im zweiten Schritt entstehen

Im nächsten Schritt soll nach der Vorstellung des Wirtschafts­ministers ein Markt entstehen. Zu Beginn soll der Staat als öffentlicher Beschaffer nach Habecks Willen eine Schlüssel­rolle spielen. So stellt sich der Minister unter anderem vor, dass bei öffentlichen Bauvorhaben künftig nachhaltig produzierte Bauteile in der Ausschreibung angefordert werden. Auch hält Habeck strengere staatliche Produkt­anforderungen oder europaweite Quoten für klima­freundliche Grundstoffe für denkbar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

­­­Darüber wird der deutsche Vizekanzler mit der EU-Kommission verhandeln müssen. Er werde nach der Wahl auf die neue Kommission zugegen, kündigt Habeck am Mittwoch an. Vorher aber muss er erst einmal die eigenen Koalitions­partner überzeugen, denn innerhalb der Bundes­regierung abgestimmt ist sein Konzept noch nicht.

Er sehe den Gesprächen mit Zuversicht entgegen, sagte Habeck am Mittwoch. Nach seiner Wahrnehmung ändere sich die Schwerpunkt­setzung in der klimapolitischen Debatte gerade wieder, auch durch die jüngsten Unwetter. „Wir werden wieder mehr darüber reden, wer Klimaschutz ausgebremst hat“, so Habeck. Die Zeit des Abwartens sei vorbei.