Einstieg bei Zulieferer: Tesla rettet Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz

  • Tesla steigt offenbar bei einem weiteren deutschen Automobilzulieferer ein.
  • Das Bundeskartellamt hat eine Fusion zwischen dem Elektroauto-Konzern und dem Batteriespezialisten ATW abgesegnet
  • 210 Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz werden so gesichert – und womöglich auch die Zukunft von Teslas Batteriefertigung.
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Neuwied/Prüm. Die Rettung kommt aus den USA: Noch vor wenigen Wochen zeichnete sich beim Autozulieferer ATW (Assembly & Test Europe GmbH) im rheinland-pfälzischen Neuwied die Schließung ab – die kanadische Muttergesellschaft Automation Tooling Systems (ATS) wollte das Werk loswerden, nachdem sie durch die Corona-Krise ins Straucheln geraten war. Doch den Beschäftigten bleibt die Arbeitslosigkeit erspart, weil nun offenbar Tesla bei ATW einsteigen will. Das Bundeskartellamt hat gegenüber dpa bestätigt, grünes Licht für eine Fusion zwischen ATW und dem US-Elektroautokonzern gegeben zu haben.

Noch sind kaum Details bekannt, aber um eine Fusion auf Augenhöhe wird es sich kaum handeln: ATW erwirtschaftetet mit seinen 210 Mitarbeitern nur einen Bruchteil des Umsatzes von Tesla. Trotzdem ist das kleine Unternehmen für den Konzern von Elon Musk interessant. ATW entwickelt laut lokalen Medien unter anderem Batteriefertigungsanlagen – für Musk, dessen Unternehmen auf speziell an seine Bedürfnisse angepasste Akkus setzt, eine offenbar interessante Investition.

Werk sollte eigentlich schließen

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Für die Beschäftigten in Neuwied dürfte die Fusion hingegen die Rettung sein: ATS hatte vor einigen Wochen bekanntgegeben, das Werk im Zuge eines Restrukturierungsprogramms schließen zu wollen. Nun dürfte zumindest ein Teil der Jobs gesichert sein. Immerhin will Tesla in den kommenden Jahren seine Stückzahlen massiv erhöhen. Die dafür nötige Produktionstechnologie könnte künftig aus Rheinland-Pfalz kommen. Die Finanzmärkte reagierten jedenfalls positiv auf die Ankündigung: Die Aktie von Tesla war am Mittwochmorgen im Plus.

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Erleichterung in Neuwied

In Neuwied ist man nun erleichtert: Der Neuwieder Stadtsprecher Erhard Jung begrüßte es „ausdrücklich, wenn sich ein weiteres international tätiges Unternehmen“ in der Kommune am Rhein ansiedele: „Tesla spielt ja eine führende Rolle in der Elektromobilität.“ Ähnlich hatte kürzlich der Neuwieder Oberbürgermeister Jan Einig (CDU) argumentiert und darauf verwiesen, dass die Tesla Grohmann Automation GmbH in Prüm nur rund 100 Kilometer entfernt liege – das könne eine Zusammenarbeit zwischen beiden Standorten erleichtern. Tesla hatte den Anlagenbauer Grohmann 2016 übernommen, ebenfalls um seine Produktionsanlagen schneller und besser angepasst angeliefert zu bekommen.

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ATW könnte Tesla bei Akku-Technologie unterstützen

Ob die Technologie von ATW beim derzeit im Bau befindlichen Tesla-Werk in Brandenburg zum Einsatz kommt, ist indes unklar. Branchenkenner gingen zuletzt davon aus, dass sich Tesla demnächst mehr auf zugelieferte Akkus denn auf eine eigene Fertigung verlassen werde. Doch mit denen war Tesla-Chef Musk nie ganz zufrieden. Es brauche ein paar Extrazutaten, hatte er kürzlich auf die Frage hin getwittert, ob Tesla die LFP-Technologie von Batteriehersteller CATL nutzen wolle. Gut möglich, dass diese Zutaten nun mit Hilfe von ATW verarbeitet werden.

Mit dpa



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