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Rekord­inflation: Sozialverband VdK und Linke fordern Anpassung der Hartz-IV-Sätze

  • Im August war die Inflationsrate mit 3,9 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr.
  • Sozialverbände und Linkspartei schlagen Alarm.
  • Sie fürchten schmerzhafte Einbußen für Grundsicherungs­bezieher und Rentner.
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Berlin. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, hat vor den finanziellen Folgen der steigenden Inflation für Grundsicherungs­empfängerinnen und ‑empfänger gewarnt und eine Anpassung der Leistungssätze gefordert.

„Die steigenden Preise bereiten vor allem Menschen mit wenig Geld Probleme, weil die jetzt für Grundnahrungs­mittel und Hygiene­artikel tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Sozial­leistungen gleichen das nicht ansatzweise aus“, sagte Bentele dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND/Samstag).

Die jährliche Anpassung der Regelsätze in der Grundsicherung sehe einen Anstieg von weniger als einem Prozent vor, betonte Bentele. „Bei einer Inflationsrate von 3 Prozent bedeutet das sogar eine Kürzung der Grundsicherungs­leistungen“, sagte sie. „Der VdK fordert hier unbedingt einen Ausgleich für den inflations­bedingten Preisanstieg in den Sozial­leistungen“, so Bentele weiter. „Neben der generellen Anpassung der Hartz-IV-Sätze muss es einen jährlichen Inflations­ausgleich geben.“

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Bartsch fordert Inflations­bremse

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte die Bundesregierung auf, etwas gegen die steigende Inflation zu unternehmen. „Wir brauchen eine Inflations­bremse, ein aktives Gegensteuern der Politik“, sagte Bartsch dem RND. „Angesichts der Lohn- und Renten­entwicklung haben wir es in diesem Jahr real mit massiven Lohn- und Renten­kürzungen zu tun. Das ist faktischer Sozialabbau und Wohlstands­verlust für die Mehrheit.“

Der Linken-Politiker brachte eine „Kostenbremse“ in Bereichen ins Spiel, auf die der Staat Einfluss habe, etwa den öffentlichen Verkehr oder die Energiepreise. „Die Strompreise müssen sinken, sie sind in Deutschland 30 Prozent höher als im EU-Durchschnitt“, so Bartsch.

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Zwei Drittel der Spritpreise bestünden aus Steuern und Abgaben. „Wirksame Klimapolitik muss an den Strukturen ansetzen, anstatt den Bürgern beim Heizen und Tanken tief ins Portemonnaie zu greifen“, sagte der Linken-Politiker.

Das Statistische Bundesamt hatte am Freitag seine vorläufigen Berechnungen von Ende August bestätigt, wonach die Inflationsrate in Deutschland in dem Monat mit 3,9 Prozent erstmals seit knapp 28 Jahren wieder an der Vier­prozent­marke gekratzt hat. Volkswirte erwarten in den nächsten Monaten weiter steigende Teuerungs­raten, werten den Anstieg der Verbraucher­preise in Europas größter Volkswirtschaft aber als vorübergehendes Phänomen.

Höchste Teuerung seit 1993

Nach einem Preissprung von 2,3 Prozent im Juni auf 3,8 Prozent im Juli des laufenden Jahres zog die jährliche Teuerungsrate im August moderat weiter an. Einen höheren Wert für die jährliche Teuerungsrate als im August des laufenden Jahres gab es zuletzt im Dezember 1993 mit 4,3 Prozent. Von Juli auf August 2021 stagnierten die Preise nach Angaben der Wiesbadener Behörde.

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für jeden Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Auch für Sparerinnen und Sparer, die Geld beispielsweise auf niedrig verzinsten Tagesgeld­konten parken, sind steigende Inflations­raten bitter. Ihre Guthaben verlieren unter dem Strich an Wert.

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Seit Monaten heizen überdurchschnittlich steigende Energiepreise die Teuerung an. Im August mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland fürs Tanken und fürs Heizen nach Berechnungen der Statistikerinnen und Statistiker 12,6 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Merklich teurer wurden demnach Heizöl (plus 57,3 Prozent) und Kraftstoffe (plus 26,7 Prozent). Auch die Preise für Erdgas (plus 4,9 Prozent) und Strom (plus 1,7 Prozent) zogen an. Ohne Berücksichtigung der Energie­produkte hätte die Inflationsrate im August dem Bundesamt zufolge 3,0 Prozent betragen.

mit dpa

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