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Fast 70.000 neue Millionäre: Wie Corona die Reichen immer reicher macht

Ein Refugium für die Reichen: die Ferieninsel Sylt.

Frankfurt am Main. Auch die Corona-Krise kann den Reichen nichts anhaben. Einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Capgemini zufolge ist die Zahl der Millionäre in Deutschland und anderswo auf der Welt abermals deutlich gestiegen. Noch deutlicher legte deren Gesamtvermögen zu. Dabei gilt: Je größer der Reichtum, umso höher die Zuwachsrate.

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Laut der Capgemini-Befragung kamen hierzulande im vergangenen Jahr rund 69.000 sogenannte High Net Worth Individuals (HNWI) hinzu. Das sind Personen, die über ein Vermögen, das investiert werden kann, von umgerechnet mehr als einer Million Dollar verfügen – die Werte für den Hauptwohnsitz und von Gebrauchsgütern wurden dabei nicht berücksichtigt.

Insgesamt soll es nun rund 1,5 Millionen Bundesbürger geben, die dieser Spezies angehören. Das entspricht einem Zuwachs von 4,7 Prozent zum Vorjahr. 2019 – also vor der Pandemie – war es sogar um 8,6 Prozent nach oben gegangen.

Wie kommen die Leute zu so viel Geld?

Wie machen diese Leute ihr Geld? Ganz einfach: Sie hatten vorher schon Geld, davon viel in Aktien investiert, und sie profitierten deshalb 2020 vom Boom bei den Dividendenpapieren. Der Deutsche Aktienindex Dax krachte zwar zwischen Ende Februar und Ende März heftig ein, legte dann aber ein fulminantes Comeback hin. Seit Wochen ist das wichtigste hiesige Börsenbarometer auf Rekordjagd.

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Wichtige Faktoren für die Hausse waren dabei einerseits die Fortschritte beim Impfen und die gigantischen staatlichen Hilfs- und Konjunkturprogramme. Das war auch in anderen Ländern ähnlich, schlug aber insbesondere in den USA noch heftiger durch, wo Präsident Joe Biden eine der größten Investitionsmaschinerien in der Geschichte des Landes zum Ausbau der Infrastruktur auf den Weg gebracht hat.

Das hat dazu geführt, dass Nordamerika sowohl bei der Zahl der HNWI als auch bei deren Gesamtvermögen den asiatisch-pazifischen Raum nun abgehängt hat. Weltweit ist den Berechnungen zufolge die Zahl der Dollar-Millionäre um 6,3 Prozent gestiegen und hat damit die Grenze von 20 Millionen übersprungen.

Auffällig ist, dass es bei den „Ultra-HNWI“ – mindestens 30 Millionen Dollar investierbares Vermögen – besonders stark nach oben ging (deren Anzahl stieg um 9,6 Prozent und deren Vermögen um 9,1 Prozent). Deutlich geringer fielen hingegen die Zuwächse bei den Millionären von nebenan aus. Einiges spricht dafür, dass die größeren Handlungsoptionen der Superreichen eine entscheidende Rolle spielen. Sie können es sich leisten, zum Beispiel auch in hochriskante Kryptowährungen zu investieren, was besonders bei reichen Frauen und Männern unter 40 angesagt ist.

Zu anderen eher unkonventionellen Anlageformen zählen Investitionen in die Namen von Website-Domains oder in neue Smartphone-Apps. Richtig viel Geld muss in der Regel jemand lockermachen, der in Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) investiert. Hierbei handelt es sich um börsennotierte Firmen, die als „leere“ Mantelgesellschaften agieren, um Start-ups den Weg aufs Parkett zu erleichtern. Enorm hohe Renditen locken bei solchen Deals.

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Brisante Enthüllung: Bezos, Musk und Co. zahlen kaum Steuern

Viele sehr vermögende Amerikaner, darunter auch Jeff Bezos, zahlen angeblich kaum Steuern. Das legt eine Recherche der Investigativplattform „Propublica“ nahe.

Aber auch nicht fungible Token (NFT) erfreuen sich wachsender Beliebtheit. NFT sind verschlüsselte Algorithmen, mit denen virtuelle Güter wie digitale Kunst, Rennwagen für Computerspiele oder elektronische Spielerkarten von Fußballern im Internet gehandelt werden. Die Experten von Capgemini haben in ihren Befragungen allerdings auch herausgefunden, dass Investoren zunehmend nicht nur finanzielle Performance von ihren Investments verlangen, sondern auch gute ESG-Bewertungen. Das sind Noten, die Experten an Firmen für Anstrengungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung verteilen.

Viele Milliarden Euro auf Girokonten

Nicht nur bei Superreichen sammelt sich Geld. Nach Berechnungen der Volkwirte der DZ Bank ist die hiesige Sparquote im ersten Quartal auf einen neuen Rekord geklettert. Rund 23 Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte wurde in den drei Monaten zwischen Anfang Januar und Ende März zur Seite gelegt: aus Sorge vor covidbedingten Einkommenseinbußen und/oder weil das Geldausgeben wegen diverser Beschränkungen im Lockdown zu Jahresbeginn heftig erschwert war.

Die Experten gehen davon aus, dass sich in den fünf Quartalen seit Anfang 2020 insgesamt mehr als 150 Milliarden Euro angesammelt haben – wohlgemerkt zusätzlich zu dem, was ohnehin gespart wird. Möglich war dies trotz Corona vor allem wegen staatlicher Rettungs- und Hilfspakete und großzügiger Regelungen etwa beim Kurzarbeitergeld.

Die Volkswirte mutmaßen, dass ein großer Teil des Geldes „einfach auf dem Girokonto“ stehen geblieben ist. Dies dürfte „den privaten Verbrauch im zweiten Halbjahr 2021 und darüber hinaus kräftig anschieben“, heißt es in der aktuellen Studie. Als Beispiele werden Restaurantbesuche, Shopping, Konzerte oder Reisen genannt, die mit zunehmenden Lockerungen wieder möglich werden – sofern die Delta-Variante keinen Strich durch die Rechnung macht.

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