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Recht auf Reparatur von Elektrogeräten: Verbraucher wünschen sich mehr Nachhaltigkeit

  • Wer Elektrogeräte länger nutzt, schont nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Geld.
  • Doch häufig ist die Reparatur teuer oder lohnt sich nicht.
  • Das soll sich nach dem Dafürhalten des Europaparlaments mit einem Recht auf Reparaturen jedoch bald ändern.
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Der Fernseher, die Waschmaschine, das Notebook. Wer solche Geräte länger nutzt, spart viel Geld und schont damit das Klima. Auch aus diesem Grund hat sich das Europaparlament mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass in der EU ein Recht auf Reparaturen eingeführt wird. Doch damit würden die Strategien der Hersteller durchkreuzt. Ein zähes Ringen steht bevor.

Das Öko-Institut hat im Auftrag des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes eine Reihe von Geräten, die in fast allen Haushalten zu finden sind, genau unter die Lupe genommen. Die Verbraucher/innen in Deutschland könnten jährlich insgesamt bis zu 3,7 Milliarden Euro sparen, wenn TV-Apparate, Notebooks, Smartphones und Waschmaschinen so lange halten, wie die Konsumenten es sich eigentlich wünschen. Bei einem Notebook wären das zehn Jahre. Tatsächlich werden die tragbaren Computer im Schnitt aber schon nach fünf Jahren ausgetauscht. Durch die Verdopplung der Nutzungszeit würden die Kosten pro Lebenszyklus im Schnitt um knapp 300 Euro sinken, so die Hochrechnung der Experten des Öko-Instituts. Wobei Aufwendungen für Reparaturen mit berücksichtigt werden.

70 Prozent der Verbraucher bevorzugen eine Reparatur

Das macht sich auch bei den Treibhausgasen bemerkbar, die vor allem bei der Fertigung in die Luft geblasen werden. Besonders krass fällt der Unterschied beim Fernseher aus: Bei einer Nutzung von 13 Jahren statt sechs Jahren würden 660 Kilogramm Treibhausgase weniger emittiert. So steht es in der Studie, die am Donnerstag vorgelegt wurde. Insgesamt könnten bei den vier Geräten jedes Jahr knapp vier Millionen Tonnen der Klimakillergase eingespart werden, das entspricht dem Ausstoß von etwa 1,85 Millionen Personenwagen.

Sinnvolles fürs Klima und die Geldbeutel der Verbraucher – das hat auch die große Mehrheit des Europaparlaments im Sinn, die mit dem Recht auf Reparaturen den Binnenmarkt nachhaltiger machen will. Die Bürger wollen mitmachen. Eine Studie der EU-Kommission hat ergeben, dass 70 Prozent ein defektes Produkt lieber reparieren lassen als ein neues zu kaufen. Doch das ist nicht immer möglich. Die europäische Verbraucherorganisation BEUC hat allein in Belgien mehr als 11.000 Produkte registriert, die frühzeitig ihren Geist aufgegeben haben. In 80 Prozent der Fälle waren Reparaturen nicht möglich oder nicht erfolgreich.

Nicht alle Geräte können repariert werden

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„Wir begrüßen den Beschluss des Europaparlaments ausdrücklich. Er geht sehr umfassend das Thema eines nachhaltigen Umgangs mit den Produkten an, die uns täglich umgeben“, sagte Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Inzwischen seien auch viele hochwertige Konsumgüter nicht reparierbar, weil es gar keine Ersatzteile gebe, obwohl diese Produkte noch gar nicht so lange auf dem Markt seien. Hinzu komme, dass Geräte oft verklebt oder verlötet seien: „Wer sie für eine Reparatur auseinanderbauen will, zerstört sie sehr oft.“ Das gilt unter anderem für Smartphones.

Für Wojtal ist wichtig, dass das Reparieren einfach und preiswert wird: „Das heißt, es braucht dicht geknüpfte Netze von unabhängigen Werkstätten europaweit.“ Zudem sei es nötig, mehr standardisierte Bauteile zu entwickeln. Das würde Hersteller entlasten, die dann weniger Ersatzteile selbst vorhalten müssten. Und notwendig seien natürlich auch Reparaturanleitungen.

Die Verbraucherschützer und die Europaparlamentarier verlangen noch mehr: Zur Langlebigkeit soll auch gehören, dass es für die Software von Geräten über einen längeren Zeitraum Updates gibt. Dies wird in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen, da auch größere Geräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke zunehmend vernetzt werden. Produkte müssten zudem so konstruiert sein, dass deren wertvolle Bestandteile wiederverwertbar sind, erläutert Wojtal. Es gelte auch, Pfandkonzepte zu diskutieren – zum Beispiel für Handys. In Europa liegen in Schubläden ungenutzt viele Millionen Geräte, in denen zahlreiche wertvolle Stoffe schlummern.

Neue Modelle können Energie sparen

Widerspruch kommt von Holger Lösch von der Industrielobby BDI. Der Hauptgeschäftsführer warnt bei einem Reparaturzwang vor höheren Preisen für Geräte. Zudem könne es bei Waschmaschinen oder Kühlschränken sinnvoll sein, diese auszutauschen, weil mit modernen Modellen Energie gespart werde. Achim Berg, Präsident des Hightechverbandes Bitkom, sagte der dpa, eine langjährige Fertigung und Lagerung von Ersatzteilen erzeuge mehr Müll als damit vermieden werde. Er bringt zudem Steuervergünstigungen für Reparaturen ins Spiel, um das Ausbessern attraktiver zu machen. Dies fordert auch das Öko-Institut. Zudem müssten Mindestanforderungen an die Haltbarkeit von Geräten definiert werden. Und die öffentliche Hand müsse mehr langlebige und reparierbare Geräte anschaffen, dies verringere die Markteintrittsbarrieren für solche Konsumgüter.

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Was von all den Verschlägen umgesetzt wird, ist offen. Als Nächstes muss die EU-Kommission den Parlamentsbeschluss in einen Richtlinienentwurf gießen. Letztlich müssen dann die Mitgliedsstaaten entscheiden. Klar ist, ein Recht auf Reparatur würde die Hersteller zwingen, Fertigung, Produktdesign und Vertrieb komplett umzustellen und sich auf geringere Gewinnmargen einzustellen. Wojtal betont: „Wir sind uns darüber bewusst, dass es von der Industrie massive Widerstände geben wird.“

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