Reaktionen auf Rücktritt von Jens Weidmann: „Fatales Signal“

  • Die deutsche Politik reagiert auf den Rücktritt des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann.
  • Die FDP fordert Kontinuität auf dessen Posten - FDP-Chef Christian Lindner warnt zugleich vor einem Kurswechsel.
  • Unionsfraktionsvizechef Carsten Linnemann spricht von einem „fatalen Signal“.
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Berlin. Die deutsche Politik reagiert auf das Rücktrittsgesuch von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Die FDP will an der Spitze der Bundesbank nach Weidmann Kontinuität. Unionsfraktionsvizechef Carsten Linnemann sprach von einem „fatalen Signal“ in einer geldpolitisch ohnehin fragilen Phase.

Der Finanzpolitiker Florian Toncar sagte der Nachrichtenagentur dpa „Jens Weidmann war ein starker Bundesbankpräsident. Er sieht die zunehmende Politisierung von Notenbanken ebenso kritisch wie die ultralockere Geldpolitik der letzten Jahre. Da wünsche ich mir eine gewisse Kontinuität auch in Zukunft.“

Am Donnerstag beginnen die Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP. Grünen-Co-Chef Robert Habeck sagte der „Süddeutschen Zeitung“, Weidmann habe die Bundesbank mehr als zehn Jahre lang mit starkem Engagement geführt. „Bei allen inhaltlichen Differenzen, die wir haben, habe ich ihn als jemanden wahrgenommen, der offen ist für Argumente und mit großer Glaubwürdigkeit für seine Positionen einsteht“, sagte Habeck. Zugleich forderte er: „Für die Zukunft braucht es eine Bundesbank, die auf der Höhe der Herausforderungen der Zeit agiert.“

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Lindner warnt vor Kurswechsel

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FDP-Chef Christian Lindner hatte vor einem Kurswechsel gewarnt. „Die Deutsche Bundesbank muss weiter Anwältin einer stabilitätsorientierten Geldpolitik in Europa bleiben“, sagte Lindner am Mittwoch.

Dies sei auch wegen der Inflationsrisiken wichtig. Auf die FDP komme eine besondere Verantwortung zu, sagte Lindner, der nach dem Amt des Bundesfinanzministers in einer möglichen Ampel-Koalition strebt.

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Unionsfraktionsvizechef Linnemann: „Fatales Signal“

Unionsfraktionsvizechef Carsten Linnemann hat den angekündigten Rücktritt von Bundesbankpräsident Jens Weidmann als „fatales Signal“ in einer geldpolitisch ohnehin fragilen Phase bezeichnet. Linnemann sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag: „Weidmann konnte sich gegen die auf geldpolitische Expansion ausgerichtete EZB immer weniger durchsetzen. Dieser Kurs trägt zu den derzeit steigenden Preisen bei.“

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Um der Inflation etwas entgegenzusetzen, müsste die Europäische Zentralbank eigentlich ihren Kurs korrigieren, sagte der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. „Ob dies ohne Jens Weidmann gelingt, ist fraglicher denn je. Wer auch immer auf Jens Weidmann folgt, muss mit der gleichen Entschlossenheit für die Geldwertstabilität eintreten.

Nach gut zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bundesbank legt Weidmann sein Amt zum Jahresende nieder. Der 53-Jährige, der häufig die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert hatte, verlässt die Notenbank aus persönlichen Gründen, wie die Bundesbank am Mittwoch mitteilte.

RND/dpa

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