„So viele Affen hier“: VW-Arbeiter berichtet von Rassismus im Werk Zwickau

  • Während Marik (42) aus Hannover im VW-Werk in Zwickau gearbeitet hat, ist er mehrmals Opfer rassistischer Beleidigungen geworden.
  • Monatelang beschwerte er sich beim Betriebsrat – jedoch ohne Erfolg. Aufgrund der starken Belastung wurde er krank.
  • VW äußerte sich zu dem Vorfall: „Wir nehmen den Hinweis auf rassistische Äußerungen sehr ernst.“
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„So viele Affen hier“ und „Was hast du angestellt, dass du deinen eigenen Nigger bekommen hast?“: Mit diesen rassistischen Sprüchen ist der VW-Arbeiter Marik (42) [Name von der Redaktion geändert] von seinen Kollegen im Werk Zwickau beleidigt worden. Er habe zudem erlebt, wie sich seine Kollegen über ihn lustig gemacht hatten, wie die „Leipziger Volkszeitung“ und die „Neue Presse“ berichten. Nach den ersten Übergriffen hat Marik angefangen, ein handschriftliches Tagebuch zu führen, dass der LVZ vorliegt. Außerdem dokumentierten Marik und andere rassistisch beleidigte Kollegen in einer Whatsapp-Gruppe namens „Rassismus in Zwickau“ solche Vorfälle.

Beschwerden beim Betriebsrat ändern nichts

In der Whatsapp-Gruppe berichtet Marik von Vorfällen, bei denen er gefragt wurde, was er im Osten wolle und wie er keine Reaktion bekam, als er einen Kollegen grüßte. Als er an einem anderen Tag zwei Bananen essen wollte, bekam er Sprüche zu hören wie „Nimm die Banane vom Tisch, du bist hier im Osten“. Später unterhielten sich Kollegen über „Kanaken“ und „Neger“ und Marik hörte, wie ein Kollege zum anderen sagte: „Würde die Mauer noch stehen, wäre der ganze Abschaum nicht hier.“

Marik kam vor fast 20 Jahren aus der Touristenmetropole Hurghada in Ägypten nach Deutschland, seit 2016 arbeitet er für VW. Er erhielt zunächst eine befristete Anstellung bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover. Aufgrund der Corona-Krise wurde sein Job nicht verlängert – und Marik, der gerade Vater geworden war, nahm eine Festanstellung in Zwickau an.

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Nach zahlreichen rassistischen Beleidigungen ging Marik Ende Juni zum ersten Mal zum Betriebsrat und schildert dort den Spruch „so viele Affen“, den er am ersten Tag gehört hat – und nannte dabei einen Namen. Sein Teamsprecher, der zum Betriebsrat gerufen wurde, fragte Marik später, warum er denke, „dass es im Osten nur Nazis gibt“, berichtet Marik. Er nannte künftig keine Namen mehr beim Betriebsrat, weil er sich hintergangen fühlte.

VW äußert sich zu dem Vorfall

Auch wenn er sich beim Betriebsrat meldete, änderte sich nichts an seiner Situation. Marik wurde häufig in andere Teams versetzt, doch immer wieder wird er rassistisch beleidigt. Als er an zwei Werksstudentinnen aus Kamerun vorbeilief, hörte er, wie zwei Männer von hinten Affengeräusche imitierten.

Auf Nachfrage der „Neuen Presse“ bestätigte ein Sprecher von Volkswagen, dass der Fall bekannt sei. „Wir nehmen den Hinweis auf rassistische Äußerungen sehr ernst und haben nach dem Bekanntwerden umgehend gehandelt“, sagte er. Er verwies auf das anonyme Hinweissystem im Werk, jedoch bräuchte der Konzern konkrete Angaben, um Vorfälle aufklären zu können. Doch Marik weigerte sich aus Angst, Namen zu nennen – zumal er schlechte Erfahrungen damit gemacht hatte.

Inzwischen ist er zurück in Hannover, seit acht Wochen krankgeschrieben und geht zum Psychotherapeuten, weil ihm diese Vorfälle so belastet haben. „Der Therapeut ist der erste, der mir wirklich glaubt“, sagt er.

RND/LVZ/NP/bk


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