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  • Produktion auf Corona umgestellt: Fabriken produzieren jetzt medizinisches Gerät

Ganze Industriezweige stellen jetzt medizinisches Gerät her

  • Die Maßnahmen erinnern an Kriegszeiten: Reihenweise stellen Fabriken ihre Produktion auf medizinisches Gerät um.
  • Zahlreiche Autohersteller etwa setzen auf Beatmungsgeräte, die Textilindustrie beginnt, in großem Stil Schutzkleidung zu fertigen.
  • Doch ganz unkompliziert ist das nicht, wie Experten und Firmenlenker warnen.
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Die Modebranche stellt auf die Fertigung von Atemschutzmasken um. Autobauer sollen mit 3-D-Druckern bei der Produktion von Beatmungsgeräten helfen. Die Corona-Epidemie fordert Maßnahmen, die an Kriegszeiten erinnern. Doch es gibt beim Umstellen von Fabriken viele Hürden.

“Wir prüfen, was machbar ist”, sagte ein Volkswagen-Sprecher am Dienstag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Sobald Ergebnisse vorlägen, würden sie mitgeteilt. Es geht vor allem um industrielle 3-D-Drucker des weltgrößten Autobauers, die für die Herstellung von Komponenten für Beatmungsmaschinen eingesetzt werden könnten. Der Autobauer befindet sich früheren Angaben zufolge im Austausch mit Behörden und Verbänden, um den konkreten Bedarf zu ermitteln.

VW schmeißt die 3-D-Drucker an

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Medizinisches Gerät sei natürlich Neuland. Aber sobald die Anforderungen bekannt seien und Blaupausen für die Teile vorlägen, könne man beginnen, heißt es bei Volkswagen. Auch Standorte außerhalb Deutschlands kämen dafür infrage. Die 3-D-Drucker wurden bislang in der Herstellung für Kunststoffteile und für Prototypen eingesetzt. Bei Volkswagen wurde immerhin schon eine Taskforce eingerichtet, die Wege zur Beschaffung der Vorprodukte prüft und erste Bauteile testweise gefertigt hat.

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Der italienische Sportwagenbauer Ferrari soll schon einen Schritt weiter sein und die Vorbereitungen abgeschlossen haben. Nachrichtenagenturen berichten, man warte am Stammsitz in Maranello nur noch auf das finale Signal, um loszulegen. Die Regierung in Rom hat die Firma Siare Engineering, Italiens größten Hersteller von Beatmungsgeräten, aufgefordert, die Produktion der lebensrettenden Maschinen von 160 auf 500 pro Jahr zu erhöhen.

Ferrari und Fiat liefern Elektronik zu

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Firmenchef Gianluca Preziosa sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er verhandle mit Ferrari, Fiat und dem Autozulieferer Marelli darüber, inwiefern eine Unterstützung bei Elektronikteilen möglich sei. Denkbar sei auch, dass die Unternehmen ihre Einkaufsmacht einsetzen, um weltweit Komponenten zu beschaffen. Ferrari ist prädestiniert für eine Unterstützung, da das Stammwerk in der Nähe der Siare-Fabrik liegt. Laut der Exor-Holding des Agnelli-Clans – die Fiat-Chrysler (FCA) und Ferrari kontrolliert – geht es auch darum, wie Ingenieure bei der Erweiterung der Kapazitäten von Siare helfen können.

Italien braucht dringend mehr Geräte, um die große Zahl schwer Erkrankter behandeln zu können. Ähnlich groß ist die Not in Großbritannien, wo sich unter der Führung des Sportwagenbauers McLaren ein Konsortium formiert, das auf die Schnelle ein einfaches Beatmungsgerät konstruieren will.

Die Modeindustrie stellt die Fertigung um

Beschlossene Sache ist indes bereits, dass FCA eines seiner Werke außerhalb Italiens auf die Herstellung von Atemschutzmasken umstellt. Ziel sei, auf eine Stückzahl von einer Million Stück pro Monat zu kommen, schreibt Konzernchef Mike Manley in einem Brief an die Belegschaft. Auch der Luxuskonzern Prada macht mit. Laut Pressemitteilung habe die Regierung der Region Toskana 110.000 Masken und 80.000 medizinische Overalls für Personal im Gesundheitswesen geordert. Produziert werde in der Nähe von Perugia, die Lieferungen würden bis zum 6. April abgeschlossen.

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Hierzulande hat das Textilunternehmen Trigema die Fertigung der Atemschutzmasken aufgenommen. Laut Firmenchef Wolfgang Grupp soll schon in dieser Woche eine Stückzahl von 70.000 Stück erreicht werden. Für die nächste Woche sind 100.000 Stück geplant. Allerdings handelt es sich nicht um den dringend benötigten Atemschutz für Intensivstationen, sondern um einfache Masken, die laut Grupp für Pflegepersonal, Firmen und Behörden geeignet sind – zu einem Preis von 6 Euro pro Stück. Der Trigema-Chef macht aber darauf aufmerksam, dass sie aus Baumwolle seien und deshalb gewaschen und wiederverwendet werden könnten. Ähnliche Produkte will auch die schwäbische Mey-Gruppe herstellen, die eigentlich auf Unter- und Nachtwäsche spezialisiert ist. Die ersten Lieferungen sollen noch diese Woche an Krankenhäuser gehen.

Trump sorgt für Verwirrung

Und auch der schwedische Modegigant H&M teilt mit, dass man die Lieferketten umstelle, um Schutzausrüstung für Beschäftigte im Gesundheitswesen bereitzustellen. Konzernchefin Helena Helmersson kläre mit der EU-Kommission ab, was in welchen Ländern am dringendsten gebraucht werde. Es dreht sich um Atemschutzmasken, Kittel und Handschuhe.

Zurück zu den Beatmungsgeräten: US-Präsident Donald Trump hat gerade mit einem Tweet viel Verwirrung gestiftet. Er teilte nämlich mit, die Autobauer Ford, General Motors (GM) und Tesla hätten die Genehmigung zur Fertigung von Beatmungsgeräten und “anderen Metallprodukten” erhalten. Trump fügte hinzu: “FAST” – schnell. Dabei war gar nichts beantragt worden. GM prüft nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Unternehmen Ventec, wie man gemeinsam die Stückzahlen für deren Maschinen erhöhen könne. Und die irische Firma Medtronic betont, man arbeite mit Tesla und anderen Unternehmen zusammen, um die Herausforderung der gesteigerten Nachfrage zu lösen.

Die regulatorischen Hürden sind hoch

Ein Sprecher des Medizintechnikunternehmens hob aber auch hervor, dass die Produktion ein komplexer Prozess sei, der spezialisierte und erfahrene Mitarbeiter und ein globales Zulieferernetzwerk erfordere. Zudem gebe es hohe regulatorische Hürden für die Fertigung, um die Sicherheit für Patienten zu gewährleisten. Beatmungsgeräte sind Hightech-Maschinen, die Atemluft in die Lungen der Patienten pumpen und Kohlendioxid absaugen.

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Trump könnte mit dem Defence Production Act tatsächlich Unternehmen zwingen, ihre Produktion umzustellen – dabei handelt es sich aber um eine Regelung, die eigentlich nur für Kriegszeiten gedacht war. Beobachter vermuten, dass der Präsident diesen Schritt scheut, um zusätzliche Aufregung zu vermeiden.

Profis arbeiten mit Hochdruck an größeren Produktionskapazitäten

Auch hierzulande wird die Herstellung der Apparate streng überwacht. Die Komponenten seien keine Standardbauteile, lässt denn auch die Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnikfirma Dräger wissen, die weltweit führend bei Beatmungsgeräten ist. Die Kerntechnologie nebst Elektronik und Software unterscheide sich elementar vom Herstellungsbetrieb eines Autobauers.

Und Konzernchef Stefan Dräger betont, dass derzeit bereits “doppelt so viele Beatmungsgeräte wie vorher” gefertigt würden. Mit Hochdruck werde zudem an einem weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten gearbeitet. Kürzlich haben die Lübecker von der Bundesregierung einen Auftrag über 10.000 Beatmungsgeräte erhalten.



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