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Privat oder gesetzlich: Welche Krankenversicherung lohnt sich für Studenten?

  • Hunderttausende Erstsemester strömen im Oktober an die Hochschulen.
  • Durch die BAföG-Reform zahlen Studenten mehr für ihren Krankenversicherungsschutz – und zwar alle.
  • Sind die privaten Anbieter eine lohnende Alternative?
Fabian Hartmann
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Hannover. Es gibt wieder mehr Geld. Deutschlands Studenten können sich über höhere BAföG-Sätze freuen – zumindest die, die in den Genuss der staatlichen Ausbildungsförderung kommen. Seit Anfang August liegt der Höchstsatz bei 853 Euro im Monat. 2020 gibt es den nächsten Aufschlag.

Allerdings: Durch die BAföG-Reform ist auch der Beitrag für die studentische Krankenversicherung gestiegen – und zwar für alle Studierenden, unabhängig davon, ob sie BAföG beziehen oder nicht. Statt bisher rund 90 Euro monatlich zahlen angehende Akademiker jetzt um die 110 Euro für ihren Krankenversicherungsschutz. Ein ordentlicher Batzen Geld – gerade an beliebten Hochschulstandorten, wo steigende Mieten schon jetzt einen großen Teil des studentischen Budgets auffressen.

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Wenn im Oktober wieder Hunderttausende Erstsemester an die Universitäten und Fachhochschulen strömen, stellt sich für sie die Frage: Welcher Krankenversicherungsschutz ist der richtige – und wo lässt sich Geld sparen? Auch die privaten Krankenversicherer haben Studierende als lukrative Zielgruppe für sich entdeckt. Sie werben mit Tarifen für bereits rund 60 Euro im Monat.

Expertin: Wer über die Eltern versichert ist, sollte das bleiben

Die gesetzliche Regelung ist klar: Alle Studierenden müssen krankenversichert sein, privat oder gesetzlich. Leicht fällt die Entscheidung für alle Erstsemester, die jünger als 25 Jahre sind und vor Unibeginn keine Ausbildung absolviert haben. Sie sind über ihre Eltern familienversichert – und zahlen überhaupt nichts. „Wer über die Eltern kostenfrei mitversichert ist, sollte das auch bleiben“, sagt Versicherungsexpertin Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. Für alle anderen kommt der Studententarif der gesetzlichen Krankenversicherung infrage.

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Wer älter als 25 ist oder im Nebenjob mehr als 450 Euro im Monat verdient, kann sich darüber versichern – allerdings zu höheren Beiträgen nach der BAföG-Reform. Die Privaten können hier tatsächlich etwas günstiger sein. Allerdings: Bei gleichem Leistungsumfang liegen gesetzliche und private Kassen preislich nah beieinander, so Verbraucherschützerin Weidenbach gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Wer über einen privaten Anbieter eine Vollversicherung abschließt, inklusive Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus, zahle schnell 300 Euro und mehr – pro Monat.

Private Krankenversicherung: Vorsicht bei Lockangeboten

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Die Expertin warnt zudem vor vermeintlichen Lockangeboten der Privaten, in denen ein Versicherungsschutz bereits für rund 60 Euro im Monat angeboten wird. „In diesem Bereich würde ich nie sagen, Geiz ist geil“, sagt Weidenbach. Der Leistungsumfang sei oftmals beschränkt. Und: Wer sich zu Beginn des Studiums auf einen Versicherungsschutz festgelegt hat, kann zumindest während der Unizeit nicht wieder wechseln. Wer also privat versichert ist, bleibt es. „Es lohnt sich daher vorab, die Tarife und den Leistungsumfang genau zu vergleichen“, so Weidenbach. Erst nach dem Ende des Studiums ist wieder ein Wechsel ins System der gesetzlichen Krankenversicherung möglich.

Für diese Studenten ist die private Versicherung besonders attraktiv

Wirklich interessant ist die private Krankenversicherung vor allem für Studenten, die älter als 30 Jahre sind – oder die mehr als 14 Semester studiert haben. Sie fallen aus der günstigen studentischen Krankenversicherung heraus und müssen sich freiwillig gesetzlich versichern. Dafür fallen im Monat rund 190 Euro an. Die privaten Kassen sind hier weniger rigoros: Studenten können sich bei ihnen auch über das 30. Lebensjahr beziehungsweise das 14. Semester kostengünstig versichern – für rund 80 bis 90 Euro im Monat. Allerdings gilt auch hier: Ein Wechsel zurück zur gesetzlichen Kasse ist erst wieder möglich, wenn das Studium beendet ist.

Studierende, die zu Beginn ihrer Ausbildung über ein verbeamtetes Elternteil versichert sind, stellen sich mit der privaten Krankenversicherung in der Regel ebenfalls besser. Durch die Beihilfe werden 80 Prozent der Versicherungskosten abgedeckt – nur die restlichen 20 Prozent müssen selbst getragen werden. Die gesetzliche Versicherung hingegen wird komplett bezahlt. Die Regelung gilt aber nur bis zum 25. Geburtstag. Wer länger studiert, muss den gewählten Schutz als Vollversicherung zahlen – und zwar bis zum Ende der Unizeit.

Fabian Hartmann/RND