Postbank-Filialen sollen schließen: „Das Timing ist desaströs“

Die Deutsche Bank dünnt das Filialnetz der Tochter Postbank deutlich aus.
Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbi
Berlin. Die Einschnitte bei der Postbank sorgen nicht nur bei Kundinnen und Kunden, sondern auch bei Beschäftigten für Unruhe. „Das Timing ist desaströs“, sagte Jan Duscheck, Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe bei der Gewerkschaft Verdi. Die angekündigte Schließung etlicher Filialen sei ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. „Sie waren es, die in den vergangenen Monaten den Kopf hingehalten haben“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Für die Probleme rund um die IT-Umstellung seien schließlich nicht die Leute am Schalter verantwortlich, sondern ganz andere. „Jetzt kommt für sie noch die Angst dazu, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten“, kritisiert er.
Anfang der Woche hatte die Deutsche Bank angekündigt, bei ihrer angeschlagenen Tochtergesellschaft das Filialnetz auszudünnen. Privatkunden-Chef Claudio de Sanctis sprach in der „Financial Times“ von 250 Postbank-Zweigstellen, die in den nächsten zwei Jahren schließen sollen. Aktuell gibt es 550 Zweigstellen für gut zwölf Millionen Kunden. Ein Sprecher der Postbank sagte dem RND: „Die Nachfrage nach digitalen und bequem zugänglichen Bankangeboten gewinnt weiter an Bedeutung.“
IT-Umstellung sorgte für Probleme bei der Postbank
Die Deutsche Bank werde dieser Entwicklung im Privatkundengeschäft bei Deutscher Bank und Postbank in Zukunft noch stärker entsprechen und sich bei den digitalen Dienstleistungen stärker positionieren. Stationäre Standorte spielen demnach zwar weiterhin eine wichtige Rolle, „jedoch mittelfristig nicht mehr im gleichen Umfang“. Die Deutsche Bank plane daher, das Postbank-Filialnetz an die veränderte Nachfrage anzupassen und die Anzahl der bundesweiten Standorte auf rund 300 zu reduzieren.
Zuletzt hatte die Postbank mit Problemen bei der Technik und dem Kundenservice zu kämpfen. Seit dem Frühjahr 2022 wurden in mehren Schüben Kundendaten übertragen. Auch die DSL-Bank, die ebenfalls zur Deutschen Bank gehört, war betroffen. Verbraucherschützer schlugen Alarm: „Bei der IT-Migration zur Deutschen Bank hatten Postbank und DSL-Bank erhebliche Probleme, für die sie offenbar keinen ausreichenden Kundenservice bereitstellten“, kritisierte der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV). Die IT-Probleme brachten der Deutschen Bank eine Rüge der Finanzaufsicht Bafin ein.
Verbraucherschützerin Mohn: Nachricht hat einen zynischen Zug
Der Einschnitt beim Filialnetz kommt aus Sicht der Gewerkschaft Verdi deshalb zur Unzeit. „Die Reputation der Marke Postbank war durch die Probleme rund um die IT-Umstellung sowieso schon beschädigt“, findet Duscheck. Eigentlich sei die Bank noch dabei, alles abzuarbeiten – und jetzt schaffe man sich die nächste Großbaustelle. Er vermutet, dass der Schritt auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu Verunsicherung führt. Es gebe viele Postbank-Kunden, denen ein persönlicher Service wichtig sei. „Es kann gut sein, dass sie sich von der Postbank dann ganz abwenden“, sagte Duscheck.

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Auch Verbraucherschützer üben Kritik an der Deutschen Bank. „Die Probleme bei der Postbank legen offen, wie die Deutsche Bank ein Unternehmen auf Kosten der Kunden kaputtgespart hat“, sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim VZBV. „Die Nachricht, fast die Hälfte der Postbank-Filialen abbauen zu wollen, hat einen zynischen Zug.“
200 Standorte der Postbank sollen bleiben
Oberste Priorität der Deutschen Bank sollte es jetzt sein, ihre Kunden unbürokratisch zu entschädigen und die anhaltenden Probleme zu lösen, forderte Mohn. Darüber hinaus müsse die Bafin noch stärker in Verantwortung treten. „Das Einsetzen eines Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank war gut“, sagte sie. „Damit Verbraucher bei Problemen mit den Dienstleistungen ihrer Bank aber immer einen Ansprechpartner finden, sollten Banken auch gegenüber der Bafin stets zeigen können, dass ein funktionierender Kundenservice stets gewährleistet ist.“
Das Einsetzen eines Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank war gut.
Dorothea Mohn,
Leiterin Team Finanzmarkt beim VZBV
Die Postbank verwies auf RND-Anfrage darauf, dass in 200 der verbleibenden Standorte weiterhin Post- und Paketdienstleistungen angeboten werden sollen. Die Deutsche Post werde der Kundschaft auch an Standorten, die künftig nicht mehr durch Postbank-Filialen abgedeckt würden, Postdienstleistungen in der Nähe anbieten, heißt es. „An weiteren rund 100 Standorten der Postbank können sich Kundinnen und Kunden in einem neuen, ausschließlich auf Bankdienstleistungen fokussierten Filialformat persönlich vor Ort beraten lassen.“
Verdi fordert Sicherheit für die Beschäftigten
Was die Beschäftigten angeht, brauche es jetzt Sicherheit, findet Gewerkschafter Duscheck. „Es muss das Signal geben, dass sie weiterhin eine Perspektive bei der Bank haben“, sagte er. „Deshalb fordert Verdi, dass der Kündigungsschutz, der per Tarifvertrag bis Ende Januar 2024 befristet ist, zeitnah verlängert wird.“
Susanne Bleidt, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates Postbank Filialvertrieb, sieht das ähnlich und pocht zudem auf eine Verlängerung des Rationalisierungsschutzes. „Umbau hat es zwar immer gegeben, aber in dieser Dimension wird er einfach schwer zu wuppen sein“, sagte sie. Der angekündigte Umbau habe einen großen Schock bei den Beschäftigten ausgelöst. „Wir machen uns große Sorgen, dass Beschäftigte auf der Strecke bleiben.“













