Eine Marke in der Selbstfindung: Funktioniert Porsche auch elektrisch?

  • Die Autobranche muss fast alles neu lernen.
  • Porsche-Vorstand Lutz Meschke fordert aber auch mehr Anstrengung für die Bildung.
  • Eine Kooperation mit einer Hochschule ist erst der Angang für Porsches Zukunftsinvestitionen.
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Stuttgart. Es ist eine der wenigen Konstanten in der Porsche-Welt: Der 911 wird bleiben, mit Verbrennungsmotor – so lange wie möglich. Alles andere ist für Lutz Meschke im Fluss. Elektroantrieb, Vernetzung, neue Geschäftsmodelle – Transformation überall. Und der stellvertretende Vorstandschef der Porsche AG ist vor allem beim Thema Software nicht sicher, ob die deutschen Hersteller den Vorsprung etwa von Tesla aufholen werden. „Wenn wir nicht in spätestens zwei, drei Jahren auf Augenhöhe sind, wird es schwer.“

Kooperation mit Privathochschule

Die nötige Kompetenz will Porsche nun auch durch eine Kooperation mit der Leipziger Privathochschule HHL schaffen, wo Meschke bereits im Aufsichtsrat sitzt und zum Jahreswechsel dessen Vorsitz übernehmen wird. Eine Coding University wollen beide aufbauen – eine interne Programmierschule für Porsche-Mitarbeiter. Das Ziel ist nicht ein Heer von Programmierern, sondern mehr IT-Verständnis für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen. „Erwachsenenbildung ist gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung elementar wichtig“, sagt Meschke. „Wir müssen richtig Gas geben.“

Porsche-Vorstand Lutz Meschke. © Quelle: imago/7aktuell
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Ein Schlüsselerlebnis hat der Familienvater gerade hinter sich. „Corona hat gezeigt: Die Zustände an unseren Schulen müssen besser werden.“ Es fehle an Hardware, Software und an Ausbildung der Lehrer. „Wir sprechen von 5G und Industrie 4.0, aber in den Schulen bleiben wir bei Bildung 1.0 stecken.“ Mit der Bildung riskiere Deutschland seinen einzigen Rohstoff, und der werde mehr denn je gebraucht.

Porsche will Hälfte seiner Autos elektrifizieren

Für die Autobranche geht es in der Transformation um alles. Denn mit dem Elektroantrieb rückt der Motor in den Hintergrund – auch in einem Porsche. „Es wird mittelfristig immer schwieriger, sich im Hinblick auf Performance deutlich zu differenzieren“, sagt Meschke. Der Finanzmann gehörte dennoch zu den frühen Befürwortern des E­lek­tro­an­triebs. Ein erstes Ergebnis ist der rein elektrische Porsche Taycan.

Wer die Klimaziele ernst nehme, habe überhaupt keine Wahl. Von staatlichen Emissionsvorschriften ganz zu schweigen. Und so wird Porsche, wo die meisten Modelle bisher gut doppelt so viel Kohlendioxid ausstoßen wie künftig erlaubt, spätestens 2025 mehr als die Hälfte seiner Autos elektrifiziert verkaufen – rein elektrisch oder als Plug-in-Hybrid. Außerdem werden Produktions- und Logistikprozesse umgestellt. „CO₂-Neutralität muss bei uns schneller gehen als bei Volumenherstellern“, sagt Meschke.

Autos werden mehr als ein Fortbewegungsmittel

Aber die Branche brauche auch die passenden Voraussetzungen. So hält er es für absurd, den Elektroantrieb zu fordern und den Diesel steuerlich zu fördern. „Der Weg in die Elektromobilität ist richtig, aber dann setzt bitte stringente Rahmenbedingungen. Das fordere ich ein.“

Wenn sich die Antriebe ähneln, müssen sich Autos und Marken künftig anders unterscheiden. Sport werde bei Porsche immer wichtig sein, sagt Meschke. Aber um diesen Kern könne eine ganze Markenwelt entstehen, zum Beispiel mit Digitalprodukten nach Bedarf, Function on demand. Assistenzsysteme, Motorleistung, besondere Services – Kunden könnten das per Download kaufen.

Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt, „das Produkt geht weit über das Fahrzeug hinaus“. Kein Wunder also, dass Meschke drängelt: „Wir müssen mit allen Mitteln den Rückstand bei der Konnektivität aufholen.“ Das ist ein Appell an die eigenen Leute, aber auch nach außen. Denn ob Bildung, Vernetzung oder E-Mobilität: „Das kriegen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft nur gemeinsam hin“, so Meschke.

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