Pinky Porsche? Nicht schon wieder ein Marketingfettnäpfchen

  • Weil Sportwagenwerbung häufig an Männer adressiert ist, denkt Porsche beim Marketing jetzt auch an weibliche Kundschaft.
  • Statt allerdings tatsächlich auf Wünsche einzugehen, präsentieren die Stuttgarter im Jahr 2021 werbewirksam ein rosa Auto.
  • Schade, kommentiert RND-Autorin Jessica Orlowicz.
|
Anzeige
Anzeige

Wenn die Ausgaben für Freizeitaktivitäten sich plötzlich minimieren und die Erinnerung an den letzten Urlaub sich auf eine Postkarte beschränkt, bleibt dem Durchschnittsdeutschen vor allem ein Lieblingskonsumgut – sein fahrbarer Untersatz. Während manche Branche seit Monaten im wirtschaftlichen Corona-Lockdown steckt, erfreuen sich andere eines stabilen Geschäfts. Vorne mit dabei: Sportwagenbauer Porsche.

Hier beschränkten sich die Einbußen im vergangenen Jahr auf einen minimalen Rückgang des operativen Gewinns. Grundsätzlich blieb der Umsatz jedoch bei 26 Milliarden Euro. Und auch jüngst meldete der Autohersteller schwarze Zahlen. Im ersten Quartal 2021 sind demnach rund ein Drittel mehr Autos verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. Ganze 71.986 Fahrzeuge hat Porsche nach eigenen Angaben zwischen Januar und Ende März übergeben.

Aber den Autobauer plagt ein Luxusproblem: Offenbar beißen Frauen bei den technisch verlockenden Angeboten deutlich seltener an als Männer. In Deutschland liegt der Anteil der weiblichen Kundschaft bei nur 13 Prozent. Doch was tun, wenn ein elegantes Design, eine teure Ausstattung und sportliche 300 PS nicht ausreichen? Mann greift zur Farbe Pink.

Anzeige

Vorurteilsbehaftetes Gendermarketing

Doch dem Rosaton Frozen Berry liegt ein vorurteilsbehaftetes Gendermarketing zugrunde. Jetzt sollen nicht nur Barbiepuppen und Prinzessinnenkleider diese Farbe tragen, sondern auch die PS-Schleudern von erfolgreichen, finanzkräftigen Frauen. Passt das zusammen? Porsche scheint davon überzeugt zu sein, denn der Konzern präsentiert die Autofarbe mit Vorliebe, etwa bei der chinesischen Motorshow in Chengdu im vergangenen Jahr. Die gängigen Blazerfarben von Managerinnen lassen aber zumindest darauf schließen, dass sie die Mädchenfarbe Rosa auf ihrem Lebensweg hinter sich lassen konnten.

Porsche setzt mit diesem Marketing den falschen Fokus

Anzeige

Zur Ehrenrettung der Porsche-Produktdesigner und Marketingexperten sei gesagt: Es ist nicht alles schlecht am neuen Konzept. So zeigen ein paar der 700 Optionen im Konfigurator, dass Mann tatsächlich für Frauen mitgedacht hat. Sie interessierten sich für Nachhaltigkeit und Tierschutz, so der Autobauer. Und so gibt es hochpreisige Sportwagen wie den Taycan jetzt auch mit lederfreier Ausstattung. Auch beim Scrollen durch die Auswahl an Interieurextras schlagen an der einen oder anderen Stelle sicher auch Frauenherzen höher.

Schade, Porsche. Vielleicht wäre ein Marketingfokus auf die Erkenntnis, dass Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz für potenzielle Kundinnen eine Rolle spielen, ratsamer gewesen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen