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Piëch-Anwalt erinnert sich: „Er konnte über sich selbst herzlich lachen“

  • Piëch-Anwalt Matthias Prinz spricht in einem Gastbeitrag über den verstorbenen Ex-VW-Chef.
  • Piëch sei oft als knallhart und rücksichtslos beschrieben worden.
  • Tatsächlich konnte Piëch "über sich selbst herzlich lachen".
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Wolfsburg. Zu seinem 75. Geburtstag gab er ein rauschendes Fest in Dresden, dem Ort der gläsernen Phaeton Manufaktur. Es trat der Komiker Django Asül auf, den Ferdinand Piëch selbst ausgesucht hatte und der den Jubilar mit vielen, teilweise unverschämten und heftigen Scherzen auf dessen Kosten zum Lachen brachte. Das hätte in Wolfsburg keiner gewagt. Der Abend stand unter dem Motto: „Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.“

Ferdinand Piëch hatte großen Humor und konnte über sich selbst herzlich lachen. Ja, er war auch der geniale Visionär, der das 1-Liter-Auto, den Audi A2, die Leichtbauweise, die Baukästen und vieles mehr erfunden hat und bauen lies. Er war der geniale Unternehmer, der Lamborghini, Bentley, Ducati, Scania und MAN in seinen Weltkonzern eingliederte. Ein Autobesessener, der als Berufsbezeichnung „Konstrukteur“ angab und tatsächlich ständig konstruierte. Piëch wird häufig als brutal und rücksichtslos beschrieben. Er selbst hat zu diesem Eindruck beigetragen, so gut er konnte. Seine Aussprüche über das „guillotinieren“ von Feinden und den „Krieg“ mit GM sind legendär.

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Ferdinand Piëch ist tot - Langjähriger VW-Chef gestorben
1:05 min
Er galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen des VW-Konzerns. Die prägende Figur der vergangenen Jahrzehnte ist nun gestorben.  © dpa
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Zur Zeugenvernehmung kam er im neuesten VW Modell

Jeder, der mit ihm arbeiten durfte, war dennoch hochmotiviert von seiner Persönlichkeit, seinem Führungsstil und seinem Vorbild. Ein Diktator war er natürlich, aber er war dennoch nicht beratungsresistent und fragte häufig: „Was würden sie empfehlen?“ Dann folgte er tatsächlich dem gegebenen Rat. Oder auch nicht.

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Autos hatten für ihn immer auch Symbolwert. Zur Inthronisierung von Pischetsrieder als seinem Nachfolger fuhr er mit diesem gemeinsam im 1-Liter-Auto zur Hauptversammlung. Pischetsrieder vorne. Piëch hinten. Zur Zeugenvernehmung beim Landgericht Braunschweig, bei der Hunderte von Zuschauern und Journalisten auf ihn warteten, kam er im neuesten VW Modell, dem Touran. Porsche-rot selbstverständlich und stolz fuhr er durch die Vordertür des Gerichtshofs. Um gleich ein wenig Werbung für das neue Auto zu machen. Wenn schon, denn schon!

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Ferdinand Piech (r) seine Frau Ursula (l) und der Anwalt Matthias Prinz beim Besuch Beginn einer Hauptversammlung des Autobauers VW. © Quelle: picture alliance / dpa

VW-Mitarbeiter und deren Familien lagen ihm am Herzen

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Und zu seiner letzten Aufsichtsratssitzung im VW-Reich kam er im Maybach Brabus. Natürlich auch in diesem speziellen rot, das all seine Autos zierte. Der Maybach war ein Symbol der Entfremdung von seiner Lieblingskonstruktion, dem VW Konzern selbst.

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Bei Piëchs Antritt in Wolfsburg war VW in einer schwerer Krise. Unternehmensberater empfahlen die Kündigung von Tausenden Arbeitnehmern. Piëch suchte und fand einen neuen Personalvorstand: Peter Hartz. Dieser hatte im Stahlbau in Saarland mit kreativen Ideen Entlassungen vermieden. Auch in diesem Fall funktionierte Piechs Konstruktion, und VW überstand die Krise ohne Entlassungen. Auch das war Piëch, die Mitarbeiter von VW und deren Familien lagen ihm am Herzen.

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Matthias Prinz