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Ende mit Schrecken: Peter Altmaier verabschiedet sich mit schwachen BIP-Zahlen

  • Der deutsche Aufschwung verliert gehörig an Tempo.
  • Der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmaier muss die optimistischen Wachstumszahlen aus dem Frühjahr einkassieren.
  • Immerhin eine gute Nachricht aber gibt es bei der voraussichtlich letzten großen Pressekonferenz des Saarländers.
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Berlin. Peter Altmaier gehört zu jenen Politikern, über die es heißt, sie hätten kein Leben neben der Politik. In Berlin mag das stimmen, in seiner saarländischen Heimat aber pflegt Privatmann Altmaier sehr wohl ein Hobby: seinen Garten. Beim Rasenmähen könne er entspannen, hat der 63-Jährige einmal erzählt.

Einzig die fehlende Zeit war für den Hobbygärtner stets ein Problem. Die Salat- und Erdbeerpflänzchen, die er im Frühjahr in die Erde gebracht hatte, waren im Sommer meist schon hinüber. Statt Schnecken jagte der Minister seinem Terminkalender hinterher, statt Blattläuse bekämpfte er Krisen.

Daran hat sich in all den Ministerjahren wenig geändert, und so scheint es fast zwangsläufig, dass Altmaier auch bei seiner mutmaßlich letzten großen Pressekonferenz am Mittwoch wenig gute Nachrichten kommentieren muss.

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Altmaier nach Rückzug aus dem Bundestag: „Bin mit mir im Reinen“
4:01 min
CDU-Politiker Peter Altmaier verzichtet auf einen Sitz im Bundestag. Über seine Beweggründe und seine Anfänge spricht er im RND-Interview.  © RND

Die deutsche Konjunktur schwächelt. Nur 2,6 Prozent Wirtschaftswachstum hält die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion für realistisch. Im Frühjahr waren Altmaiers Volkswirte noch von 3,5 Prozent ausgegangen. Die wirtschaftliche Erholung vom coronabedingten Einbruch des Bruttoinlandsproduktes um 4,9 Prozent im Jahr 2020 dauert also länger als gedacht.

„Die Wachstumskurve ist flacher als wir uns das vorgestellt haben“, räumt Altmaier ein. Schuld seien hohe Energiepreise sowie Lieferengpässe bei Rohstoffen, Vorprodukten und Konsumgütern. „Beide Effekte dämpfen die wirtschaftliche Entwicklung weltweit“, sagt der Minister.

Puma-Chef warnt vor leeren Regalen

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Während Altmaier in Berlin die Konjunkturprognose vorstellt, sitzt ein paar Hundert Kilometer weiter südlich im fränkischen Herzogenaurach der Chef des Sportartikelherstellers Puma, Björn Gulden, und redet über unterbrochene Lieferketten, Containermangel in Asien und verstopfte Häfen, in denen dringend benötigte Ware aus Fernost anlanden soll.

Drei Monate dauere es, bis Sportschuhe aus vietnamesischen Fabriken den deutschen Handel erreichen, klagt der Manager – und warnt vor Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft. „Es wird leere Regale geben.“ Er habe seiner Frau einen Tipp gegeben, berichtet Gulden: „Wenn du Weihnachtsgeschenke kaufen willst, dann tu es jetzt.“

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Puma hat noch Glück im Unglück, denn die ersten drei Quartale des Jahres liefen bombastisch. Um fast 40 Prozent auf rund 5 Milliarden Euro konnte der Konzern seinen Umsatz steigern, der operative Gewinn verdreifachte sich auf beinahe eine halbe Milliarde Euro. Aufs Jahr gerechnet erwartet das Unternehmen einen operativen Gewinn von 450 bis 500 Millionen Euro. Die Zahl wäre ein neuer Rekord – und bedeutet gleichzeitig, dass im Schlussquartal ein Verlust droht.

So wie Puma geht es derzeit vielen Unternehmen. „Die Substanz der deutschen Volkswirtschaft ist intakt“, sagt Altmaier. Aber jetzt sorge ein „kühler Herbstwind“ dafür, dass der erhoffte „Schlussspurt“ ausbleibe.

Im nächsten Jahr soll die Konjunktur wieder an Fahrt aufnehmen

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Immerhin: Das Wachstum ist laut Altmaier nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Im kommenden Jahr erwartet der Minister Nachholeffekte, wenn sich die Lage an den Rohstoffmärkten normalisiert. Für 2022 erhöht die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose von 3,6 auf 4,1 Prozent. 2023 wird ein Plus von 1,6 Prozent erwartet. Das Vor-Corona-Niveau soll Deutschland nach dieser Schätzung zum Ende des ersten Quartals 2022 erreichen.

Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn nach wie vor bestehen große Risiken. Allen voran Corona. „Deutschland steht vor einem zweiten Pandemiewinter“, sagt Altmaier. Hohe Infektionszahlen könnten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken.

Wenn es schlecht läuft, muss die Bundesregierung bei der nächstens Frühjahrsprojektion ihre Zahlen abermals nach unten korrigieren. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das dann nicht mehr Altmaiers Problem sein wird. Der nächsten Bundesregierung wird der Saarländer nicht mehr angehören, auch auf sein Mandat im Bundestag hat er verzichtet.

Noch fremdelt Altmaier ein wenig mit der Vorstellung, künftig nur noch ein Leben außerhalb der Politik zu haben. Auf seinen Garten aber freut er sich schon jetzt. Mag sein, dass er auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft keinen Einfluss mehr hat, aber die Erdbeer- und Salaterträge in einem saarländischen Schrebergarten will er deutlich steigern. An seinem Zeitbudget dürfte das Vorhaben jedenfalls nicht mehr scheitern.

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